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Bildung

Schüler sollen aus Vergangenheit lernen

An der Neumarkter Berufsschule fanden diese und vergangene Woche Projekte und Workshops gegen Rassismus statt.
Von Sarah Bloos

Ernst Grube führte ein Gespräch mit den Schülern. Foto: Bloos
Ernst Grube führte ein Gespräch mit den Schülern. Foto: Bloos

Neumarkt.„Ich gebe Ihnen keinen Rat. Ich erzähle meine Geschichte, damit Sie selbst entscheiden können.“ Diese ernsten Worte gab Ernst Grube den Schülern der Staatlichen Berufsschule Neumarkt mit auf den Weg. Die Vergangenheit sei da, um aus ihr zu lernen. Mit ihren Zeugen zu sprechen, sei darum umso wertvoller.

Ernst Grube ist einer von ihnen, einer der wenigen Zeitzeugen aus dem Nationalsozialismus, des Zweiten Weltkriegs und der Judenverfolgung. Er erzählte gestern im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus aus seinem bewegten Leben. Die Schüler hörten dem Vortrag aufmerksam zu.

Auch auf die Fragen der Jugendlichen ging  der 86-jährige Zeitzeuge ein.  Foto: Bloos
Auch auf die Fragen der Jugendlichen ging der 86-jährige Zeitzeuge ein. Foto: Bloos

Der 86-jährige gebürtige Münchner war das Kind einer jüdischen Krankenschwester und eines links-politisch engagierten Vaters. Seine Familie wurde nach 1938 enteignet, er und seine Geschwister kamen in ein jüdisches Kinderheim. Schon da hätten sie die Ablehnung der anderen Kinder gespürt, die sie als „Judensäue“ verspotteten. „Wir haben das damals nicht verstanden, als Sechsjährige.“, meinte er. „Wir haben uns ja zuerst als Deutsche gesehen.“ Nach zwei Jahren in einem Münchner Ghetto wurden Mutter und Kinder nach Theresienstadt deportiert. Die letzten Kriegstage erlebten sie in ständiger Todesangst, gepaart mit Hoffnung auf die Befreiung durch die Rote Armee.

Gegen Rassismus

  • Hintergrund:

    „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ – Schulen mit diesem Siegel verpflichten sich, ihre Schüler mit regelmäßigen Aktionen für das Thema zu sensibilisieren.

  • Projekt:

    Im Rahmen der zweiwöchigen Aktion an der Staatlichen Berufsschule lernen die Schüler in Vorträgen und Workshops, wie sie Rassismus erkennen und bekämpfen können.

Heute davon zu erzählen, nimmt den Münchner noch immer sichtlich mit. Als er während eines kurzen Filmausschnitts zum Wasserglas greift, zittert seine Hand. Aber es sei ihm wichtig, den Jugendlichen ein Bewusstsein für die Schrecken mitzugeben, die durch Rassismus entstehen können. Sein Gesuch schlug nicht auf taube Ohren: „Es ist spannend, das alles von jemandem zu hören, der dabei war. Selbst kann man sich das oft nicht vorstellen.“ , meinte Schülerin Isabella. Neben der 21-Jährigen wirkten auch die anderen Schüler nachdenklich. Ein Vorfall in Mühlbach, bei dem ein Meister mit seinen Schülern rassistische Parolen gerufen haben soll, war laut Schulleiter Albert Hierl Ausschlaggeber für das Projekt.

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