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Bildung

Schulleiter warten auf die Entscheidung

Die Direktoren der Neumarkter Gymnasien wünschen sich ein G9. Der Parsberger Schulleiter sieht auch im G8 ein Erfolgsmodell.
Von Alexandra Nurtsch

Ob der Weg vom G8 zum G9 geht, ist noch nicht klar. Aber laut Kultusministerium soll bald eine Entscheidung fallen.
Ob der Weg vom G8 zum G9 geht, ist noch nicht klar. Aber laut Kultusministerium soll bald eine Entscheidung fallen. Foto: Armin Weigel

Neumarkt.Seit Wochen und Monaten wird darüber diskutiert – bleibt das achtjährige Gymnasium oder kommt das neunjährige Gymnasium wieder. Erst sah es so aus, als könnten die Gymnasien künftig selbst entscheiden dürfen, was sie anbieten. Angesichts von 430 sehr unterschiedlichen Gymnasien in Bayern sei die Einzelschule der richtige Ort, um eine Entscheidung zu treffen, sagte Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle noch im November bei einem Besuch in Neumarkt. Doch in den vergangenen Wochen mehrten sich die Stimmen für die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium. In einer Umfrage der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern sprach sich die Mehrheit der Eltern für das G9 aus und auch die Grünen und die Junge Union forderten kürzlich ein einheitliches G9.

Große Unzufriedenheit

Dem schließen sich die beiden Neumarkter Schulleiter an. „Ich persönlich bin für eine neunjährige Lernzeit, denn Bildung und Lernen braucht Zeit“, sagt Ulrike Severa, Direktorin des Ostendorfer Gymnasiums. Bernhard Schiffer spricht sich vor allem wegen des hohen Anteils an Buben und Fahrschülern am WGG für eine neunjährige Verweildauer aus. Buben gehörten nach dem Direktor des Willibald-Gluck-Gymnasiums (WGG) zu den Verlierern des G8, denn in der Oberstufe gebe es im Vergleich zu Mädchen immer noch einen Entwicklungsrückstand. Auch seien manche Schüler der Mittelstufe aufgrund des Nachmittagsunterrichts recht stark belastet. Eine Parallelführung lehnen die beiden Schulleiter ab. Sie sei organisatorisch nicht durchführbar.

Severa wünscht sich endlich wieder Ruhe für alle Beteiligten. „Wir haben beim G8 viele Dinge gut auf den Weg gebracht. Doch dann wurde an einer Stellschraube gedreht und etwas anderes flog uns um die Ohren.“ Viele Dinge seien in den vergangenen Jahren umsonst gemacht worden und die Unzufriedenheit habe nie aufgehört.

Doch verteufeln wollen die Schulleiter das G8 nicht. Josef Gloßner, Direktor des Gymnasiums in Parsberg, hält es ebenfalls für ein Erfolgsmodell. „Immerhin gewinnt es für die jungen Menschen ein Jahr, sie vollenden Studium und Beruf schneller als in der Zeit des G9.“ Vieles im G8 habe sich bewährt. Als Beispiel nennt er, dass Schüler nun schon in der sechsten Jahrgangsstufe eine zweite Fremdsprache erlernen, was sich als machbar und sinnvoll herausgestellt habe. Auch die Intensivierungsstunden sei ein spürbarer Vorteil des G8, sagt Schiffer.

Gleichwohl habe sich, auch unter den Lehrern, immer wieder gezeigt, dass eine neunjährige Lernzeit gewünscht werde. Bei einem Informationsabend der beiden Neumarkter Gymnasien zum Übertritt hätten die rund 400 anwesenden Eltern spontan applaudiert, als ihnen die beiden Schulleiter gesagt hatten, dass sie für eine Rückkehr zum G9 seien. Gloßner berichtet von einer ähnliche Erfahrung. Parsberg habe sich an der Pilotphase der Mittelstufe Plus beteiligt und die Mehrheit der Eltern habe eine neunjährige Lernzeit bevorzugt. Das habe ihn überrascht.

Eltern haben klaren Favoriten

In den Elternbeiräten der drei Gymnasien wird viel über G8 und G9 diskutiert. „Bei uns war von Anfang an das G9 Favorit“, sagt Michael Ortwein, Elternbeirats-Vorsitzender am Ostendorfer Gymnasium. Die Schüler hätten beim G9 mehr Zeit und die bräuchten sie auch für ihre Entwicklung. Außerdem sei der Druck geringer und es schade nicht, wenn die Abiturienten reifer seien. Auch beim Elternbeirat des WGG herrscht große Einigkeit was das G9 betrifft. „Die Kinder brauchen mehr Zeit für die Persönlichkeitsentwicklung und für die Vorbereitung aufs Studium“, sagt Vorsitzende Magdalena Steib. Viele Schüler seien nach dem G8 ausgepowert und würden sich anschließend erst einmal ein Jahr Auszeit nehmen. „Es ist schade, dass der Druck, immer mehr in weniger Zeit zu schaffen, nun schon in der Schule beginnt“, sagt Steib.

Für die Elternbeiratsvorsitzende aus Parsberg, Sabine Götz, zählen die Wissenschaftspropädeutischen Seminare und die Projekt-Seminare ganz klar zu den Vorteilen des G8. Doch dürfe in der Diskussion die geistige Reife nicht unberücksichtigt bleiben. „Mir scheinen 15-Jährigen in Jahrgangsstufe zehn, und hier vor allem die Jungs, ab und an etwas jung, ebenso wie die 17-Jährigen, die das Abiturzeugnis überreicht bekommen.“

Alle sind nun gespannt, auf die Entscheidung des Kultusministeriums, die noch im Februar fallen soll. Josef Gloßner rechnet mit keiner Rückkehr zum „alten“ G9. Das sei auch nicht wünschenswert, sagt er. Dass die Gymnasien wieder offiziell ein G9 bekommen, glaubt Ulrike Severa nicht. „Das muss auch bezahlt werden.“ Sie könne sich vorstellen, dass das G8 bleibt, es die Schüler aber in neun Jahren durchlaufen können. Die Lehrpläne blieben gleich und würden nur entsprechend gestreckt. Bernhard Schiffer hält eine neunjährige Variante mit der Möglichkeit einer vorbereitenden Unterstützung jener Schüler, die eine Klasse überspringen wollen, für möglich.

Aber wie es am Ende auch aussieht, die Schulleiter sind froh, wenn endlich eine Entscheidung zum G8/G9 gefallen ist und Ruhe in den Schulalltag einkehrt.

Der Zeitplan

  • Entscheidungsfindung:

    Derzeit läuft noch der Dialogprozess. Dabei tragen Vertreter der gesamten Schulfamilie ihre Anliegen und Positionen vor. Es werden auch Sachaufwandsträger, Bildungspolitiker, Regierungsvertreter und Wissenschaftler gehört. Es herrsche eine gute Gesprächsatmosphäre, heißt es aus dem bayerischen Kultusministerium. Der Dialogprozess soll laut Kultusminister Spaenle in absehbarer Zeit beendet werden. Danach folgt ein „Runder Tisch“.

  • Diskussionen:

    Kommt es zu einer Änderung, wird diese zuerst mit der Fraktion und dem Ministerrat diskutiert. Geben diese grünes Licht, kommt die Vorlage in den Landtag. Stimmt auch dieser zu, muss das bayerische Gesetz für Erziehung und Unterrichtswesen und die gymnasiale Grundordnung geändert werden.

  • Ziel:

    Bis Sommer sollten die Rechtsgrundlagen verankert werden, damit die Schulen Zeit haben, sich darauf einzustellen, teilt das bayerische Kultusministerium mit.

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