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Förderung

Sie helfen Zuwanderern, sich einzuleben

Zwei neue Bildungskoordinatoren sollen bestehende Angebote im Landkreis Neumarkt vernetzen – amtliche und ehrenamtliche.
Von Philipp Seitz

  • Der aus Eritrea stammende Flüchtling Abel Bahta lernt derzeit mit einer ehrenamtlichen Helferin die deutsche Sprache. Foto: dpa
  • Rainer Hortolani, Susanne Hahn und Willibald Gailler halten zusammen. Foto: Seitz

Neumarkt.Das neue Büro von Susanne Hahn und Rainer Hortolani ist bislang sehr schlicht eingerichtet. Außer Schreibtisch und Computer ist das Büro noch leer. An der weißen Wand hängt lediglich eine Weltkarte – die Hahn und Hortolani künftig öfters benötigen werden. Sie sind die neuen Bildungskoordinatoren des Landkreises und sollen dazu beitragen, dass die Integration von Zuwanderern gelingt.

Vergangene Woche hatten sie ihren ersten Arbeitstag. Seitdem sind sie noch nicht dazu gekommen, ihr Büro einzurichten: Ein Termin folgt auf den anderen. Heute stellen sie sich der Flüchtlingshilfe, morgen dem Netzwerk „Chancen statt Grenzen“ vor. Und am Mittwoch stellte Landrat Willibald Gailler seine beiden neuen Mitarbeiter und deren Aufgaben vor.

Eines ist schon jetzt klar: Auf die Bildungskoordinatoren wartet jede Menge Arbeit. Integration könne nur gelingen, wenn die Bildungsvoraussetzungen stimmen, sagt Landrat Willibald Gailler. Dafür sollen künftig Hahn und Hortolani sorgen. Sie sollen Schnittstellen verbinden und in engem Kontakt mit der Wirtschaft und den Bildungsträgern des Landkreises stehen. Hortolani weiß, welche Herausforderungen es zu meistern gilt. Er ist Integrationsbeauftragter der Stadt Neumarkt und unterrichtete an der Volkshochschule in Integrationsklassen.

Diese Stelle seit Jahren gefordert

Seit einem Jahr ist Hortolani im Ruhestand, doch die Stellenausschreibung des Landkreises reizte ihn dann doch: „Ich hatte schon immer eine derartige Stelle angeregt. Jetzt gibt es sie und deshalb fand ich es nur politisch glaubwürdig, wenn ich selbst die Ärmel hochkrempele und mich einbringen will.“ Er ist überzeugt, dass Bildung eine Schlüsselfunktion für die Integration der Zugewanderten ist. Das betont auch Landrat Gailler: „Zur gleichberechtigten Teilhabe an unserer Gesellschaft gehören eine gute schulische und berufliche Bildung.“ Hortolani und Hahn sollen sich künftig um die Koordination der verschiedenen Angebote kümmern.

Besonders die bürgerschaftlichen Initiativen will Hahn gezielt einbinden. Sie soll in einem halben Jahr die Stelle in Vollzeit übernehmen. Im ersten halben Jahr steht ihr Rainer Hortolani als Unterstützer zur Seite. Er habe beste Kontakte zu den Bildungsträgern, zu den Vereinen und der Wirtschaft und könne Hahn so helfen, ein gutes Netzwerk aufzubauen, betonte der Landrat.

„Mir ist bewusst, dass der Zugang zur Bildung über die Sprache stattfindet.“

Susanne Hahn

Susanne Hahn hat wie Hortolani an der Volkshochschule unterrichtet, war hier fünf Jahre lang in der Erwachsenenbildung tätig und setzte sich gegen 75 Bewerber durch. „Mir ist bewusst, dass der Zugang zur Bildung über die Sprache stattfindet.“ Derzeit arbeitet die Sprachwissenschaftlerin, die in Neumarkt wohnt, an ihrer Doktorarbeit.

Die Bildungskoordinatoren sind eine richtige und wichtige Investition, kommentiert unser Autor Philipp Seitz:

Kommentar

Eine richtige Investition

Bildung ist ein wichtiger Türöffner für Zuwanderer. Genau deshalb ist es eine richtige und wichtige Weichenstellung, dass der Landkreis Neumarkt künftig...

Für Landrat Gailler sind Hortolani und Hahn für die neue Stelle die Idealbesetzung: „Es ist eine richtige Entscheidung, dass wir hier auf Leute setzen, die in der Region fest verankert sind und die Strukturen vor Ort gut kennen.“ Die beiden Bildungskoordinatoren verstehen sich selbst als Wegweiser: Die Kernaufgabe sei es, ein Netzwerk zu schaffen und den Neuankommenden den Start in ein neues Leben zu erleichtern. „Wir zeigen den Newcomern, welche Angebote sie im Landkreis vorfinden oder wie das Schulsystem vor Ort funktioniert“, betont Hortolani. Schließlich entscheide sich vor Ort, ob Bildung und Integration tatsächlich gelingen. Dieser Auffassung ist auch das Bundesbildungsministerium. Es finanziert die neue Stelle, für die der Landkreis im Juni die Bewerbung eingereicht hatte.

Projekt auf zwei Jahre ausgelegt

Die Stelle sei zunächst auf zwei Jahre befristet, sagt Gailler. Wie es danach weitergehe, sei noch unklar. „Jetzt ist es vor allem wichtig, einen Bildungsfahrplan zu entwickeln und die Stelle mit Leben zu füllen.“ Das Geld für die Stelle sei vom Ministerium gut investiert, ist sich der Landrat sicher. Im Landkreis leben schließlich rund 10 000 Menschen, die nicht im Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft sind. Bildung sei der Zugang zum Arbeitsmarkt und sorge dafür, dass zugewanderte Menschen in der Zukunft eigene Beiträge für das Land und die Gesellschaft leisten könnten. Gailler: „Mit der Stelle ist ein erster Schritt getan. Nun liegt es an den Koordinatoren, im Landkreis Neumarkt gute Strukturen zu schaffen!“

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