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Sie sind den Steuersündern auf der Spur

Neumarkter Finanzbeamte übertragen nicht nur Daten in den Computer. Auch Eigenrecherche gehört zu den täglichen Aufgaben.
Von Philipp Froschhammer

Rebecca Dengler absolviert seit zwei Jahren die Ausbildung zur Steuerinspektorin.
Rebecca Dengler absolviert seit zwei Jahren die Ausbildung zur Steuerinspektorin. Fotos: Froschhammer

Neumarkt.Es ist 6.30 Uhr am Morgen. Während andere im Bett noch einmal die Schlummer-Taste ihres Weckers drücken, öffnet das Finanzamt Neumarkt in der Ingolstädterstraße seine Pforten. Wer will, kann hier früh mit der Arbeit beginnen, um zeitig nach Hause zu kommen. „Wir arbeiten hier Gleitzeit, von Montag bis Donnerstag jeweils achteinhalb Stunden, Freitag bis Mittag. Jeder kann sich seine Arbeitszeit selbst einteilen, da wir bis 18 Uhr geöffnet haben“, erklärt der Auszubildende Florian Niebler und präsentiert seinen Chip, mit dem die Arbeitszeiten im Finanzamt registriert werden.

Florian Niebler kontrolliert die Akten.
Florian Niebler kontrolliert die Akten.

Im September diesen Jahres schließt der Steuerinspektoranwärter voraussichtlich mit der mündlichen Prüfung seine Duale-Ausbildung ab. Seit drei Jahren arbeitet er bereits im Finanzamt Neumarkt. Unmittelbar nachdem er sein Abitur bestanden hatte, meldete er sich für den Eignungstest. Ein Jahr später trat er seine Ausbildung zum Beamten der dritten Qualifikationsebene an. „Kurzfristig kann man sich beim Finanzamt nicht bewerben. Wer im Einstellungstest gut abschneidet, kann im Folgejahr einsteigen“, sagt Niebler.

Kein Tag im Finanzamt ist gleich

Wie seine Kollegin Rebecca Dengler, die seit zwei Jahren im Finanzamt zur Steuerinspektorin ausgebildet wird, ist auch Niebler nach wie vor begeistert, wie abwechslungsreich sein Beruf ist. „Viele Freunde von mir witzeln immer: Du brauchst wohl die Brille, dass Du Dir beim Einschlafen den Kugelschreiber nicht ins Auge rammst“, erzählt Dengler. „Doch jeder, der hier arbeitet, weiß, wie anstrengend und vielseitig der Beruf ist“.

Kein Tag am Finanzamt ist gleich, alle Fälle unterscheiden sich. Wenn sie in der früh in die Arbeit kommen, erwartet die beiden erst einmal ein Stapel Briefe. Oft sind sie den ganzen Vormittag damit beschäftigt, von ihrem Schreibtisch aus Einsprüche, die per Post zugestellt wurden, zu bearbeiten oder verjährungsbedrohte Fälle zu überprüfen. „Darum muss man sich sofort kümmern. Denn wenn diese nicht rechtzeitig wieder aufgerollt werden, wird die Fallakte geschlossen – das sollte nicht passieren“, meint Niebler, denn sonst gehe dem Fiskus Geld verloren.

Der Finanzbeamte

  • Ausbildung:

    Steuersekretäranwärter absolvieren in der Regel nach einem mittleren Bildungsabschluss die zweijährige Ausbildung. Steuerinspektoranwärter benötigen mindestens Fachabitur. Die Voraussetzung, um eine Ausbildung zum Finanzbeamten antreten zu können, ist ein Eignungstest. Diesen müssen angehende Finanzbeamten ein Jahr vor Ausbildungsbeginn bestehen.

  • Einsatzgebiete:

    Nach abgeschlossener Ausbildung werden die Finanzbeamten in einem Finanzamt in Bayern eingesetzt. Meistens dürfen sie nicht in dem Amt bleiben, in dem sie ihre Ausbildung absolviert haben. Erst nach ein bis zwei Jahren können sie einen Antrag stellen, um in ein Amt in der Nähe ihres Heimatorts zurückzukehren.

  • Verdienst:

    Der Verdienst richtet sich nach der jeweiligen Qualifikationsebene. Anwärter im gehobenen Dienst erhalten während ihrer Ausbildung rund 1110 Euro brutto. Anwärter im mittleren Dienst bekommen rund 1060 Euro brutto. Das Einstiegsgehalt beläuft sich in der zweiten Qualifikationsebene auf 2100 Euro brutto, in der dritten Qualifikationsebene auf rund 2360 brutto.

Im Anschluss können sich die angehenden Steuerinspektoren ihrer Hauptaufgabe zuwenden: der Veranlagung. Dabei überprüfen sie die jährlich abzugebenden Steuererklärungen und erlassen daraufhin die entsprechenden Steuerbescheide.

Dabei müssen die beiden jedoch nicht stupide Namen und Zahlen in eine Datenbank übertragen. Bei jedem Fall werden sie selbst aktiv, rechnen nach, überprüfen die Zahlen und müssen die Rechtslage richtig einschätzen. Deshalb liegen die Gesetzbücher immer griffbereit auf Denglers und Nieblers Tischen. Und auch die Ausbildung der beiden ist auf ihren Tätigkeitsbereich zugeschnitten, wie Dengler erklärt: „Das Studium, das wir neben unserer Arbeit absolvieren, ist ein Mix aus BWL und Jura. Wir haben oft mit rechtlichen Belangen zu tun.“

Nicht nur im Innendienst tätig

Doch die beiden Auszubildenden sind nicht zwangsläufig ihre gesamte berufliche Laufbahn an den Bürostuhl gebunden. Neben den Aufgaben im Innendienst kümmern sich einige Beamte auch um Angelegenheiten außerhalb des Finanzamts. Die Steuerinspektoranwärter durften sich bereits dreimal selbst als Betriebsprüfer versuchen. Dabei kontrollieren sie mit Ankündigung die Steuererklärungen von Betrieben und deren Bilanzen auf ihre Richtigkeit. Als Steuerfahnder können sie mit richterlichem Dursuchungsbeschluss auf eigene Faust private Steuersünder verfolgen.

Die Ausbildung zum Finanzbeamten

In diesen Bereichen können sie nach ihrer Ausbildung nicht direkt einsteigen. Dafür Bedarf es einer Weiterbildung. Als Steuerfahnder benötigt man beispielsweise eine Ausbildung, die sich speziell mit den Vorschriften des Strafgesetzbuches befasst. „Schließlich kann nicht jeder einfach einen Durchsuchungsbeschluss vom Richter anfordern“, weiß Niebler.

Michael Semmler weiß, wo welche Akte gelagert ist.
Michael Semmler weiß, wo welche Akte gelagert ist.

Neben den Auszubildenden im gehobenen Dienst lernt das Finanzamt auch Nachwuchs für die zweite Qualifikationsebene an. Michael Semmler arbeitet beispielsweise als Steuersekretäranwärter im Finanzamt Neumarkt. Seine Aufgaben unterscheiden sich dabei nicht grundlegend von denen der Steuerinspektoranwärter. Der einzige Unterschied ist, dass er nicht so schwierige und komplexe Fälle lösen muss.

Deshalb besucht Semmler auch nicht die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege, sondern lernt während der zweijährigen Ausbildung an der Landesfinanzschule.

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