MyMz
Anzeige

Porträt

Ski-Ass Christoph hat nur ein Bein

Der Neumarkter Christoph Glötzner hatte als Dreijähriger einen Unfall. Sein Traum: Die Teilnahme an den Paralympics.
Von Karina Sturm

Der Chefarzt, der Christoph damals operiert hat, zeigte ihm, wie man mit Krücken Skifahren kann.
Der Chefarzt, der Christoph damals operiert hat, zeigte ihm, wie man mit Krücken Skifahren kann. Foto: Bettina Glötzner

Neumarkt.Seit acht Jahren rast Christoph Glötzner aus Neumarkt auf einem Bein die Piste hinab. Der 13-Jährige erzählt, wie er es nach einem schweren Unfall geschafft hat, mit seinen Einschränkungen zu leben und ein erstklassiger Skifahrer zu werden.

Christoph, schon mit drei Jahren wurde Dir Dein Bein amputiert. Kannst Du Dich noch an den Unfall und die Zeit danach erinnern?

Ich erinnere mich nur noch an den Moment, als ich hinter dem Rasenmäher stand, dann ist alles schwarz.

Mutter Bettina Glötzner: Die zwei Wochen nach dem Unfall wurde er jeden Tag operiert. Immer, wenn wir in das Krankenhaus kamen, teilte man uns mit, Christoph sei schon wieder im OP. Er überlebte nur knapp.

Hast Du mit der Beinprothese Probleme bei bestimmten Aktivitäten?

Ich kann leider nicht mehr weit gehen und muss häufig eine Gehhilfe nutzen. Außerdem bekomme ich oft Abszesse am Stumpf.

Trägst Du verschiedene Prothesen oder gibt es nur eine für alles?

Zu Beginn hatte ich nur eine, um überhaupt erst einmal laufen zu lernen. Doch mittlerweile trage ich verschiedene Prothesen. Eine für das alltägliche Gehen, eine andere, mit der man auch ins Wasser kann. Seit neuestem habe ich sogar eine Prothese, mit der ich rennen kann. Die ist extra für Sport gemacht.

Gibt es etwas, das Du vielleicht nur durch Deine Behinderung erreichen konntest?

Ich sehe mich wenig als behindert an, da ich schon immer all das getan habe, was andere, nicht behinderte Kinder auch machen. Morgens meine Prothese anzuziehen, ist für mich ganz normal. Ich bin daran gewöhnt.

Ist das Anziehen schwierig?

Anfangs war es eine große Umstellung, weil ich bisher nur den Umgang mit zwei Beinen kannte.

Bettina Glötzner: Auf der einen Seite hatten wir das Problem, dass Christoph damals noch zu klein war für die normalen Verbindungsstücke zwischen Bein und Prothese, und auf der anderen Seite war es schwierig, ihm klarzumachen, weshalb er dieses unbequeme Teil tragen sollte.

Gab es in dieser schweren Zeit auch positive Erlebnisse?

Bettina Glötzner: Teilweise waren wir verzweifelt und dachten, wir würden das alles nicht schaffen. Doch dann gab es Momente wie den ersten Schritt mit der Prothese. Das war für uns unfassbar.

Wer hat Euch durch die schwere erste Zeit geholfen?

Bettina Glötzner: Unser Hauptmotivator war der Chefarzt der Rehaklinik, der selbst beinamputiert war. Er hat uns einfach den Rollstuhl weggenommen, als Christoph für einige Tage nach Hause durfte. Im ersten Moment waren wir geschockt und konnten nicht verstehen, was wir ohne Rollstuhl machen sollten. Doch letztendlich hat uns diese Aktion extrem viel gebracht. Der Chefarzt erklärte uns später, dass er die Menschen manchmal ins kalte Wasser schmeißen müsse. Sie würden sonst einfach sitzen bleiben und nicht mehr weiterkommen.

Christoph: Er ist mein größtes Vorbild, weshalb ich später auch einmal Chefarzt werden möchte.

Wie reagiert Dein Umfeld auf Dich? Menschen auf der Straße, die Dich nicht kennen zum Beispiel.

Christoph: Das kommt immer ganz auf die Situation an. Manche schauen komisch, andere fragen ganz höflich, was mir passiert ist.

Woran, glaubst Du, liegt es, dass manche seltsam auf Deine Amputation reagieren?

Wahrscheinlich, weil es einfach komisch aussieht, wenn ich auf einem Bein vor diesen Menschen herumhüpfe.

Du bist mit acht Jahren direkt auf der Piste für das Paralympics-Skiteam angeworben worden. Doch wie bist Du überhaupt zum Skifahren gekommen?

Schon vor der Amputation sind wir gerne Ski gefahren. Als ich danach daran gezweifelt hatte, wie das mit einem Bein gehen soll, hat der Chefarzt meiner Klink mir das Krückenskifahren beigebracht. Ich bin einfach immer wieder aufgestanden.

Bist Du damals sehr oft gestürzt?

Oh ja, anfangs bin ich die ganze Zeit nur gestürzt. Aber auch das hält mich nicht vom Skifahren ab.

Ein Jahr später wurdest Du dann direkt Zweiter bei den Bayerischen Meisterschaften. Was möchtest Du noch erreichen?

Ich würde gerne an einem großen Wettkampf teilnehmen – bei den Paralympics zum Beispiel. Auch wenn für mich der Spaß immer an erster Stelle steht, will ich doch Leistung zeigen.

Treibst Du außerdem noch einen anderen Sport?

Ich werde gerade in der Wasserwacht zum Rettungsschwimmer ausgebildet.

Wie wird man mit einer Behinderung wie der Deinen ein solch erfolgreicher Sportler? Was ist Dein Geheimnis?

Ich bleibe einfach immer in Bewegung und bemitleide mich nicht selbst.

Gibt es für Dich überhaupt irgendwelche Grenzen?

Ich probiere einfach alles aus. Das Einzige, was mich aufhält, sind Dinge, die meine Gesundheit gefährden.

Bettina Glötzner: Fahrrad fahren zu lernen, war sehr schwierig.

Da gab es sicher Verletzungen?

Bettina Glötzner: Eher lustige Erlebnisse. Als Christoph an einer Ampel gestürzt war und dabei die Prothese verlor, kam eine Frau dazu, die direkt den Krankenwagen rufen wollte. Sie dachte, er hätte ein echtes Bein verloren. Es war nicht einfach, sie davon abzuhalten und sie zu beruhigen.

Welchen Tipp würdest Du einem frisch amputierten Kind mit auf den Weg geben?

Es soll immer die guten Seiten am Leben sehen und niemals aufgeben! Der Unfall ist eben passiert, aber das Leben geht trotzdem weiter.

Das ist Christoph Glötzner

  • Initiative:

    Die Holzheimer Weihnachtsmärkte in den vergangenen zwei Jahren haben Kinder wie Christoph mit ihrem Erlös unterstützt. Auch dieses Jahr geht das Geld wieder an Kinder mit Handicap. Der Weihnachtsmarkt ist am Samstag.

  • Die Familie:

    Der 13-jährige Christoph Glötzner lebt mit seinen beiden Geschwistern, den Eltern und seiner Großmutter im Neumarkter Stadtteil Holzheim.

  • Hobbys:

    Christoph trifft sich mit Freunden, ministriert oder engagiert sich bei der Jugendfeuerwehr.

  • Ziele:

    Als ambitionierter Schüler besucht er die 7. Klasse des Ostendorfer Gymnasiums. Sein Traum ist es, Arzt zu werden. Ehrgeizig verfolgt er neben der Schule seine Ziele: Er wird zum Rettungsschwimmer ausgebildet und verbringt den Großteil seiner Ferien in den Bergen, um einmal als Krückenskifahrer an den Paralympics teilzunehmen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht