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Sternsingerin, die viel zu erzählen hat

Bis die Neumarkterin Katrin Bayerl-Heß Sternsinger sein durfte, dauerte es lang. Inzwischen ist sie seit vielen Jahren dabei.
von Wolfgang Endlein

Katrin Bayerl-Heß ist mit ihren Sternsingern aus der Pfarrei Heilig Kreuz natürlich auch dabei, wenn am 29. Dezember Sternsinger aus ganz Deutschland nach Neumarkt kommen.
Katrin Bayerl-Heß ist mit ihren Sternsingern aus der Pfarrei Heilig Kreuz natürlich auch dabei, wenn am 29. Dezember Sternsinger aus ganz Deutschland nach Neumarkt kommen. Foto: Endlein

Neumarkt. Schwermut gehört nicht zu den hervorstechenden Charaktereigenschaften von Katrin Bayerl-Heß. Die 33-Jährige ist ganz offensichtlich ein lebensfroher Mensch, der gerne lacht und mit Menschen gut kann. Und doch: Wenn sie über das Sternsingen spricht, kommt sie ganz besonders in Fahrt. Dann funkeln die Augen und mit vollem Körpereinsatz werden die Szenen und Anekdoten, die sie aus vielen Jahren Sternsingerei zu berichten hat, nacherzählt. Man spürt: Sternsingen liegt Katrin Bayerl-Heß sehr am Herzen. Auch wenn sie inzwischen 33 Jahre jung ist – und damit in einem Alter, in dem man in der Regel nicht mehr aktiver Sternsinger ist.

Katrin Bayerl-Heß und das Sternsingen, das war von Anfang an keine normale Verbindung. Die Neumarkterin ist in Sachen Sternsingen eine Spätberufene. Unfreiwillig. „Eigentlich wollte ich schon nach der Kommunion“, sagt die heute 33-Jährige. Damals war sie neun Jahre alt – und das Sternsingen in der Pfarrei Heilig Kreuz den Jungen vorbehalten. Aber auch die Katholische Kirche bewegt sich irgendwann voran – wenn auch gezwungenermaßen. „Es haben sich nicht mehr genügend Jungs fürs Sternsingen gefunden“, erinnert sich Bayerl-Heß, die mit 14 Jahren dann doch noch gemeinsam mit zwei anderen weiblichen Königen und einer Sternträgerin losziehen durfte.

Diese Bedeutung haben die Namen der Könige:

Sternsinger finden, ist schwer

Ein Erlebnis, dass sie nicht mehr losgelassen hat. Denn die zunächst recht widerwillige Pfarrei hat in der Lehrerin inzwischen eine wichtige Antriebskraft hinter dem alljährlichen Brauch des Sternsingens gewonnen. Auch wenn sie inzwischen nicht mehr selbst als Sternsinger durch die Straßen zieht. Seit nunmehr 15 Jahren laufen alle Fäden, wenn es um das Sternsingen in der Pfarrei Heilig Kreuz geht, bei der 33-Jährigen zusammen.

Sie organisiert die Treffen der Sternsinger, kümmert sich um die Gewänder, probt mit den Königen und Sternträgern Lieder und Sprüche ein und vieles mehr. Vor allem aber hat sie die Aufgabe, genügend Sternsinger zusammenzubekommen. Eine Aufgabe, die sie, je weiter dieses Jahr voranschreitet, zunehmend nervöser werden lässt. „Wir brauchen 28 Sternsinger“, sagt Bayerl-Heß. Noch sind die aber nicht beisammen. Auch wenn inzwischen Mädchen bei den Sternsinger selbstverständlich sind und mindestens die Hälfte ausmachen, wie Bayerl-Heß erklärt. Sieben Gruppen à drei Königen und einem Sternträger sollten es schon sein, um alle 800 Haushalte besuchen zu können.

Und in vielen wäre man enttäuscht, wenn keine Sternsinger kämen, davon ist Katrin Bayerl-Heß überzeugt. Doch soweit wird es nicht kommen. Notfalls werde eben mit neu formierten Gruppen gelaufen, sagt die Organisatorin. Auch wenn das wiederum den Sternsingern nicht gefällt. Denn dazu müssten die etablierten Gruppen von Freunden auseinandergerissen werden – und Sternsingen, das sei vor allem ein Gruppenerlebnis.

Spaß in der Gruppe

Fragt man Katrin Bayerl-Heß danach, was ihr am Sternsingen so gut gefallen hat und sie vier Jahre lang aktiv mitlaufen ließ, dann sagt sie: „Man hat in der Gruppe miteinander Spaß und es ist leicht, dabei Gutes zu tun“. Die Liebe zum Singen tat ihr übriges. Und: „Sternsingen ist kein großer Aufwand. Man ist ja nur an drei Tagen unterwegs“.

Der Ertrag hingegen ist durchaus groß. Neben dem Spaß in der Gruppe und der Wohltat an armen Kindern können die Sternsinger jedesmal mit ehrlich entsetzten Eltern rechnen, wenn sie das Pfarrheim nach der abschließenden Sternsinger-Party verlassen. „Oh mein Gott“, riefen die Eltern dann immer beim Anblick ihrer Sprösslinge, sagt die zweifache Mutter Bayerl-Heß lachend. Kein Wunder, schleppen die Sternsinger dann doch meist zwei große, dick gefüllte Tüten voller süßer Leckereien aus dem Pfarrheim.

Das Problem mit den Süßigkeiten

Doch die süße Sache hat einen Haken. Jedenfalls, wenn man sich an die im Frühjahr drohende Fastenzeit hält. „Ich habe mich immer schwer getan, alles wegzuessen bis zur Fastenzeit“, sagt Bayerl-Heß. Man hat es eben nicht nur leicht als Sternsinger. Man kann es aber auch von der anderen Seite her sehen. Für alle, die das mit der Fastenzeit nicht so eng sehen, ist die Lücke bis zur nächsten Versorgung mit Süßigkeiten an Ostern gesichert.

Es gebe sogar Kandidaten unter den Sternsängern, die sortierten ihre süße Beute nach Verfallsdatum, sagt Bayerl-Heß. Danach arbeiten sie die Liste ab und hätten so immer was griffbereit.

Besonders gern gesehen – und das ist ein Tipp an alle, die die Sternsinger beschenken wollen – sind laut der Sternsinger-Betreuerin Toffifee. „Im vergangenen Jahr waren es erstaunlich wenig“, sagt Bayerl-Heß – was die Sternsinger bedauerten. Generell gilt: „Man sieht genau, was gerade im Angebot ist“, sagt Bayerl-Heß lachend, die jedes Jahr eine große Freude daran hat, die gesammelten Süßigkeiten zu sortieren.

Ein Koloss aus Schokolade

Denn geteilt, das ist Bayerl-Heß wichtig, wird bei den Sternsingern auf jeden Fall. Schließlich gebe es einträglichere Touren und schwierigere. Am Ende soll sich der Einsatz aber für alle Sternsinger lohnen. Und so dürfen sich alle nach der Sternsinger-Party auf ihre Tüten freuen.

Besondere Mitbringsel von den Touren werden verlost. Und solche gibt es immer wieder, wie Bayerl-Heß aus ihren vielen Jahren als Sternsinger nur zu gut weiß. Ganz besonders erinnert sich die 33-Jährige an einen überdimensionierten Schoko-Nikolaus. „Der hatte bestimmt mehrere Kilo.“ Zu groß, als dass ihn die Sternsinger auf ihrer Tour mitschleppen hätten können. Ein Elternteil musste mit dem Auto anrücken und den Koloss aus Schokolade ins Pfarrheim transportieren, wo er dann bei der Sternsinger-Party per Quiz seinen neuen glücklichen Besitzer fand.

Etwas, dass ganz sicher nicht den Weg ins Pfarrheim fand, war der klare Schnaps, mit dem ein älterer Herr einst die damals 14-jährige Katrin Bayerl-Heß und ihre Mit-Sternsinger erwärmen wollte. Scheu und irritiert hätten sie den Mann dann versucht davon zu überzeugen, dass sie noch zu jung für derlei Geschenke seien. „Der hat sich aber nicht aus der Ruhe bringen lassen. ,Das passt schon. Dann nehmt’s ihn eben mit’, hat er gesagt und den Schnaps in eine Flasche abgefüllt“, erinnert sich Bayerl-Heß lachend. Was mit dem Schnaps hernach geschehen ist? „Keine Ahnung“, sagt die 33-Jährige.

Das Dreikönigssingen ist die weltweit größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder:

Segen bringen, Segen sein

Es sind solche Anekdoten, die auch zum Sternsingen und dem Gruppenerlebnis gehören. Im Kern geht es aber vor allem um die gute Tat, die die Sternsinger mit dem Spendensammeln tun. Ganz nach dem Motto: „Segen bringen, Segen sein“. In diesem Jahr wurde dem Motto das Thema „Gemeinsam für Gottes Schöpfung – in Kenia und weltweit“ zur Seite gestellt.

„Das ist ein richtig gutes Thema“, sagt Bayerl-Heß über die große Frage des Klimawandels, der die Länder der Dritten und der Ersten Welt zur Einen Welt verbindet. Im Gegensatz zu manchem Thema früherer Jahre sei es für die im Schnitt zehn Jahre alten Sternsinger weniger abstrakt, sagt Bayerl-Heß, die mit den Kindern und Jugendlichen das Thema vorab in Gruppensitzungen bespricht. „Der Klimawandel betriff uns auch hier“, sagt die 33-Jährige, die sich über der Erfolg der Aktion freut: „Man hat gespürt, dass etwas bei den Kindern klick gemacht hat“.

Auch in Hinblick auf die Dimension des großen Sternsingertreffens in Neumarkt machte es bei den kleinen Sternsinger aus Heilig Kreuz irgendwann klick. „Die waren echt beeindruckt, woher die Sternsinger alle kommen“, erzählt Bayerl-Heß, die nicht weniger von dem großen Familientreffen der vielen Heiligen Drei Könige begeistert war.

Ein Video von der bundesweiten Eröffnung der Aktion Dreikönigssingen in Neumarkt sehen Sie hier:

2200 Sternsinger trafen sich in Neumarkt

Lesen Sie mehr:

Weitere Informationen zum großen bevorstehenden Sternsingertreffen in Neumarkt finden Sie hier.

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