MyMz
Anzeige

Versorgung

Studie: „Miss“-Trinkwasser ist in Gefahr

Eine Studie der Neumarkter Stadtwerke warnt vor sechs Entwicklungen, die zusammen gerechnet viel Unheil anrichten könnten.
Von Lothar Röhrl

Neumarkts Trinkwasser, das in der „Miss“ gewonnen wird, droht langfristig Gefahr – so heißt es in einem Bericht der Stadtwerke Neumarkt.
Neumarkts Trinkwasser, das in der „Miss“ gewonnen wird, droht langfristig Gefahr – so heißt es in einem Bericht der Stadtwerke Neumarkt. Foto: Archiv Röhrl

Neumarkt. Das im Wasserschutzgebiet „Miss“ gewonnene Trinkwasser ist gefährdet. Und zwar dann: Wenn in dessem Einzugsgebiet weiterhin neue Windkraftanlagen aufgestellt werden dürfen, Sand abgebaut werden darf, neue Gewerbebetriebe ansiedeln dürfen sowie falsche Versickerungsanlagen betrieben und Ausgleichsflächen fatal falsch angelegt werden. Das ist die Quintessenz eines Berichts, den Peter Stemmer von den Stadtwerken im öffentlichen Teil der Sitzung des Werksenats vorgelegt hat.

Damit kam die Sitzungsleitung um OB Thomas Thumann und Stadtwerke-Direktor Dominique Kinzkofer enormer Kritik von FLitZ entgegen. Deren Räte Madeisky und Gloßner hatten kritisiert, dass dieser Bericht lediglich im nichtöffentlichen Teil vorgestellt werden sollte. Und so wurde Hans-Jürgen Madeisky am Montagabend doch noch Zeuge, dass Thomas Stemmer erst an sechs Beispielen und dann in seiner Zusammenfassung auf diese Gefährdung des Schutzes für das Grundwasser im Trinkwassereinzugsgebiet der „Miss“ einging.

Zwei schlimme, frische Beispiele

Beispiel eins liegt erst wenige Monate zurück. Damals war schräg gegenüber der Firma „Blitzschutz Pröpster“ an der Regensburger Straße auf einer Fläche von 7040 Quadratmetern der Oberboden abgeschoben worden und Heu von abgemähten Wiesen der Umgebung aud der einer so freigelegte blanke Sandfläche platziert worden. So sollte nach und nach ein neuer Wald als Ausgleich für das Abholzen von Bäumen zum Zweck der Errichtung von Windrädern im nahen Heiligenholz entstehen.

Mit den Bedenken dagegen seien die Stadtwerke aber genauso wenig bei Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt durchgekommen wie bei ihren Sorgen wegen einer neuen Praxis von Unternehmen, die im Bereich Regensburger Straße, Lähr und Weichselsteiner Weg siedelten. Immer mehr von ihnen hätten permanent offene Wasserflächen auf ihren Gelände, in dem Regenwasser gesammelt werde oder die als Versickerungsflächen dienen sollten. Das Problem dieser Tümpel sei weniger deren trübes Aussehen. Dafür sei Staub verantwortlich, das bei der Produktion entsteht. Aber in einem Fall sei vor kurzem im Wasser Eisen und Aluminium festgestellt worden. Das könne Brunnen erreichen.

Knapp behandelte Stemmer weitere negative Einflüsse wie etwa die Erweiterung von Gewerbe- und Industrieansiedelungen. In diesem Zusammenhang würden auch neue Produktionsstätten beziehungsweise Lagerflächen von Betrieben im Bereich der Kerschensteinerstraße sehr kritisch geschehen. Denn bei bestimmten Situationen oder Ständen des Grundwassers würde der Einzugsgebiet der „Miss“-Brunnen auch bis dort reichen.

Sandabbau: Vorgabe aufgeweicht

Außerdem warnten die Stadtwerke vor dem Bau und Betrieb von Windrädern innerhalb des Trinkwasserschutzgebiets. Die dabei eingesetzten Schmierstoffe, der regelmäßige für deren Wartung nötige Transport von Gefahrengütern, sowie die Auswirkungen eines Brandes der Anlage seien Gefährdung genug.

Der Bericht sprach auch den Sandabbau an. Dabei befasste er sich mit dem Lagern des davor entfernten Humus. Hier prangeren die SWN an, dass der Oberboden nicht mehr auf der ganzen Fläche, von der er entfernt worden war, aufgebracht werden solle.

Als Folge all dieser Entwicklungen müsste kurzfristig mehr Geld für die Überwachung im Schutzgebiet ausgegeben werden. Zudem sei schon jetzt der Bereich begrenzt worden, aus dem Trinkwasser gewonnen werden darf.

Langfristig würden alle aufgeführten Punkte zusammen eine Gefährdung des Grundwasserschutzes im Einzugsbereich der „Miss“ führen.

Hans-Jürgen Madeisky lobt den Stemmer-Bereicht als sehr hochwertig. So einen habe er hier – gemeint war der Werksenat – noch nicht erlebt. Während sich Karlheinz Brandenburger massiv in den Befürchtungen all jener bestätigt sah, die sich um das Trinkwasser schon immer Sorgen gemacht und – wie seine SPD – auch den Sandabbau bei Lähr abgelehnt hatten, zeigte sich OB Thomas Thumann nicht alarmiert. Er erinnerte an die Auflagen, die etwa beim Sandabbau gemacht worden sind. Und Peter Stemmer hob hervor, dass es in anderen Bereichen eine einwandfreie Zusammenarbeit zwischen Stadtwerken und den genannten Ämtern gebe.

Allerdings dürfte dieser Montag die Spannung auf ein Thema in der nächsten Sitzung des Werksenats erhöht haben: Im Mai, so SWN-Chef Kinzkofer, werden die Untersuchungsresultate des Neumarkter Wassers vorgestellt.

Kommentar

Die Stadtwerke waren wohl zu brav

Keine Frage: Sorglos können die Neumarkter nicht sein, was die Zukunft ihrer Versorgung durch Trinkwasser angeht. Die Sitzung des Werksenats am Montag...

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht