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Kultur

TV-Star wird als Autor gefeiert

In der Buchhandlung Rupprecht in Neumarkt las Schauspieler Christian Berkel aus seinem Roman „Der Apfelbaum“.
Von Jeff Fichtner

Christian Berkel Foto: nff
Christian Berkel Foto: nff

Neumarkt.Der „Kriminalist“ ist sich selbst auf der Spur – als Autor: Der Arbeitsbesuch von Schauspieler Christian Berkel in der Buchhandlung Rupprecht stieß auf großes Interesse. 180 Besucher waren dabei, als der preisgekrönte Darsteller kapitelweise aus seinem ersten Buch, dem Roman „Der Apfelbaum“, las und dazu auch Hintergrundwissen vermittelte.

Filialleiterin Sophia Heißbauer hatte mit Bedauern vielen weiteren Interessenten einen Korb geben müssen: „Mehr als 180 geht einfach nicht“, sagte sie dem Tagblatt. Der Andrang hat Gründe. Berkel ist eben nicht nur ein weiterer Schauspieler, der im Fach der Schreibenden „wildert“. Er erzählt im Buch offen von sich selbst, von seiner eigenen Herkunft, und zugleich von einem Land, das oft schön, zuweilen merkwürdig und gar nicht selten unerträglich ist. Unserem Land.

Berkel und sein Buch

  • Autor:

    Charakterdarsteller Christian Berkel hat mit großen Regisseuren gearbeitet, ist oft im Fernsehen zu sehen. Zurzeit am bekanntesten ist er aus der Serie „Der Kriminalist“ als Bruno Schumann.

  • Buch:

    Der Roman „Der Apfelbaum“ (416 Seiten) von Christian Berkel ist erschienen 2018 im Ullstein-Verlag. Die Bestellnummer lautet 9783550081965, als Preis sind 22 Euro angegeben.

Im trotz allem luftigen Raum haben sich deutlich mehr Frauen als Männer eingefunden. Ein Indiz dafür, welche Wirkung dieser Mann entfaltet – oder lesen Frauen mehr? Berkels so unaufdringliche wie unwiderstehliche Präsenz ist geprägt von großem Ernst, von angemessen knapp dosierter, dramatischer Gestik, einer ebenso sanften wie klaren, kräftigen Stimme und einem wohldosierten, feinen Lächeln, das immer wieder über seine ausdrucksstarken Züge schimmert. Der Schauspieler, der tatsächlich auch ein exzellenter Schriftsteller ist, erzählt von einer Zeit vor seiner Zeit, weit vor seinem Geburtsjahr 1957. Das kann er, weil er nicht müde wird, der Geschichte seiner Familie nachzuspüren und damit sich selbst zu finden. Auch heute noch.

„Der Apfelbaum“ – unter diesem saßen und redeten nach dem Krieg Christian Berkels jüdische Mutter und ein Verwandter aus den USA. Es ging um die Nazizeit, um Terror, Gewalt und Verbrechen. Das Kind fragte, worüber sie sich unterhielten. Die Mutter sagte, er, Christian, sei halb Jude und halb Deutscher. Für den kleinen Buben ein Schock. Das musste doch heißen, dass er „nicht ganz“, also nicht vollständig und somit „kaputt“ sei. Der Roman ist ein Stück Aufarbeitung dieser Tragödie für den kleinen Jungen.

Dass der kleine Christian in diesem Apfelbaum auch schon die erste Bühne hatte, erzählt der große Schauspieler und Autor dann wieder ganz leicht.

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