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Unternehmer blicken besorgt auf Trump

Nicht nur Firmenchefs, sondern auch viele Neumarkter hat die Wahl verunsichert. Besonders sein Wahlkampfstil schürt Ängste.
Von Philipp Seitz

Der designierte US-Präsident Trump wird am Freitag vereidigt.
Der designierte US-Präsident Trump wird am Freitag vereidigt.Foto: dpa

Neumarkt.Am Freitag soll Donald Trump als 45. US-Präsident vereidigt werden. Die Wahl des 70-jährigen Milliardärs beschäftigte nicht nur die Menschen in den Vereinigten Staaten, auch in der Stadt Neumarkt wird über den neuen Präsidenten und dessen Ziele diskutiert. Der Neumarkter Bundestagsabgeordnete Alois Karl merkt regelmäßig, dass die Entwicklungen aufmerksam verfolgt werden. Bei Veranstaltungen seiner Partei im Landkreis kommt das Thema immer wieder zur Sprache. Den Politiker wundert das nicht: „Es war ein Wahlkampf, der anders geführt wurde, als bisher üblich: Ohne Rücksicht auf die persönliche Ehre, sehr heftig und nur noch auf Stimmung bedacht.“

Der Neumarkter Bundestagsabgeordnete Alois Karl verfolgte die Präsidentschaftswahlen in der amerikanischen Botschaft in Berlin. Foto: Erika Urban
Der Neumarkter Bundestagsabgeordnete Alois Karl verfolgte die Präsidentschaftswahlen in der amerikanischen Botschaft in Berlin. Foto: Erika Urban

Beide Kandidaten hätten Fakten außer Acht gelassen und lediglich Gefühle bedient. Die Neumarkter beschäftige besonders, wie es künftig in der amerikanischen Politik weitergeht, sagt der Abgeordnete. Er spüre bei seinen Veranstaltungen eine gewisse Verunsicherung, die er teilweise nachvollziehen könne: „Die Twitter-Äußerungen von Herrn Trump gehen schon in eine gewisse Richtung, die uns besorgt und hellhörig macht.“ Den CSU-Politiker hat der Wahlkampf schockiert: „Es war den Kandidaten völlig egal, wie die Wahrheit ist.“ Es sei eine schlimme Entwicklung, „insbesondere, wenn man bedenkt, dass so etwas auch bei uns passieren könnte“.

Kritik am US-Wahlkampf und Brexit

„Beim Brexit und Trumps Wahl wurden Fakten verleugnet oder verdreht.“

Thomas Thumann, Oberbürgermeister von Neumarkt

Neumarkts Oberbürgermeister Thomas Thumann (Freie Wähler). Foto: Archiv/gi
Neumarkts Oberbürgermeister Thomas Thumann (Freie Wähler). Foto: Archiv/gi

Ähnlich äußerte sich Neumarkts Oberbürgermeister Thomas Thumann (Freie Wähler) beim Neujahrsempfang der Stadt. In seiner Rede ging Thumann auf den Brexit und die Wahl Trumps ein: „Bei beiden Vorgängen wurden Fakten verleugnet oder verdreht, Stimmungen durch falsche Verdächtigungen und Aussagen geschaffen und letztlich sogar Tatsachen geleugnet oder schlichtweg gelogen.“ Ob sich die Wahl Trumps wirtschaftlich auf die Neumarkter Unternehmen auswirkt, will der städtische Sprecher Franz Janka nicht kommentieren. Es könne dazu noch keine fundierte Einschätzung abgegeben werden.

Lesen Sie mehr: Ist der neue US-Präsident eine unberechenbare Zeitbombe? Neumarkts Politiker und Unternehmen sind sich uneinig.

So endete die Wahl um die Präsidentschaft in den USA:

Etwas mehr Gelassenheit wünscht sich Landrat Willibald Gailler (CSU). Viele Ankündigungen im Wahlkampf würden aktuell sehr heiß gekocht. Doch auch ein neuer Präsident Trump könne das Land nicht als Alleinherrscher führen: „Er wird in einem ganzen Gefüge operieren und muss erst einmal sehen, wie sich die Amerikanischen Parlamente verhalten. Vieles sind aktuell nur Ankündigungen.“ Angst ist laut Gailler fehl am Platz, auch wenn die Vereinigten Staaten ein wichtiger Partner in vielen Fragen seien. Die Bürger und Unternehmen im Kreis Neumarkt hätten nach Trumps Wahl ebenfalls gelassen reagiert.

Der Industrie- und Handelskammer (IHK) fällt eine Prognose ebenfalls noch schwer. „Man muss jetzt einfach abwarten“, sagt Pressesprecher Christian Götz. Klar sei, dass gerade die exportierenden Unternehmen die protektonischen Tendenzen mit einer gewissen Sorge betrachten. Für diese Unternehmen wären etwa höhere Zolltarife ein Problem. Umgekehrt könnten regionale Unternehmen aus Neumarkt unter Umständen von Infrastrukturinvestitionen in den USA profitieren. Das Fazit von Götz lautet deshalb: „Es sind verschiedenste Szenarien möglich.“

Lesen Sie mehr: 96 Prozent der deutschen Top-Entscheider aus sehen die beginnende US-Präsidentschaft von Donald Trump mit Sorge.

Johannes Foitzik ist Ortsvereinsvorsitzender der Neumarkter SPD.
Johannes Foitzik ist Ortsvereinsvorsitzender der Neumarkter SPD.

Der Neumarkter SPD-Ortsvereinsvorsitzende Johannes Foitzik hofft, dass sich die Ankündigungen von Trump nicht bewahrheiten: „Wir haben in Neumarkt doch einige große Unternehmen, die global unterwegs sind und deren Zugänge zu den Märkten wichtig sind.“ Als Problem sieht der Sozialdemokrat aber vielmehr, dass mit Donald Trump eine neue, populistische Art des Wahlkampfes Erfolg gebracht habe. Diese Strategie könnte, fürchtet Foitzik, auch von Gruppierungen in Deutschland für den Wahlkampf aufgegriffen werden.

Auf Trump wartet ein Gegner, dessen Argumente er nicht vom Tisch wischen kann: die Realität. Der Kommentar von Christian Kucznierz:

Kommentar

Nach dem Ende der Welt

Wenn ein Popsong das Gefühl am Morgen nach der US-Wahl zusammenfassen könnte, es wäre am ehesten „It’s the End of The World as We Know It“ der US-Band...

In den Schulen ist die Wahl ebenfalls Thema. In der Berufsschule kommen von den Schülern immer wieder Fragen dazu. „Diese Impulse greifen wir dann auf“, sagt Thomas Trappe, der Fachbetreuer für Sozialkunde an der Schule. Es werde dann etwa darüber diskutiert, welche Auswirkungen Einfuhrzölle haben. Auch ansonsten beschäftigen sich die jungen Leute heute viel mit Politik: So werde unter anderem die Flüchtlingszuwanderung thematisiert. Aber auch der Terror treibe die Schüler um. Trappe sagt: „Wir laden regelmäßig Referenten ein, die über verschiedenste Themen sprechen.“

Die Jugend wird wieder politischer

Die Schüler seien stark politisiert, heißt es ebenfalls am Ostendorfer-Gymnasium. Alexander Schacht, der den sozialwissenschaftlichen Zweig koordiniert, hat den Eindruck, dass sich die jungen Leute derzeit noch mehr mit den Entwicklungen beschäftigen. „Über Donald Trump verfügen die Schüler über sehr viel Wissen. Man merkt, dass sie dieses Thema interessiert.“ Das Lehrerkollegium sei ebenfalls auf die Wahlen eingegangen, etwa im Englisch- oder Sozialkundeunterricht. „Die Schüler hat extrem umgetrieben, wie Trump mit seiner Wahlkampfstrategie Erfolg haben kann.“ Die Wahl des Milliardärs sei für viele Jugendliche ein Schock gewesen.

Weitere Themen sind die Asyl- und Sicherheitspolitik. „In der Politik geht es sehr viel um Grundsatzwerte“, sagt Schacht. Es gehe darum, Fakten zu besprechen und Entscheidungen einzuordnen oder populistische Erklärmodelle genauer zu betrachten. Schacht würde sich an den bayerischen Schulen noch mehr Zeit für den Sozialkundeunterricht wünschen – gerade, um die derzeitigen Entwicklungen aufzugreifen. Es gehe schließlich auch darum, bei den Themen möglichst in die Tiefe zu gehen – und globale Krisen, die derzeit für Verunsicherung sorgen, mit den Schülern zu besprechen.

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