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Verkäufer brauchen Wissen und Feingefühl

Ramona Rupprecht und Aron Körtesi sind beide im zweiten Lehrjahr. Nach der Abschlussprüfung gehen sie unterschiedliche Wege.
Von Bettina Griesbeck

  • Verkäufer sind immer nahe am Kunden: Ramona Rupprecht führt im zweiten Lehrjahr selbstständig Verkaufsgespräche und kennt sich aus mit der Ware in ihrer Abteilung.Foto: Griesbeck
  • Verkäufer-Azubi Aron Körtesi (l.) bekommt einen Arbeitsauftrag. Foto: Griesbeck

Neumarkt.Ein älteres Ehepaar schlendert zwischen den Regalen im zweiten Stock der Neumarkter TeVi-Filiale. In der Abteilung für Haushaltsgeräte des Elektromarkts bleibt die Dame mit dicker brauner Winterjacke und gepunktetem Halstuch stehen. Sie rückt ihre Brille zurecht und lässt den Blick über die blauen Schilder mit den Warengruppenbezeichnungen wandern, während ihr Begleiter im Mittelgang stehen bleibt. Dann entdeckt die Rentnerin, was sie sucht: In der Ecke für Personenwagen greift die Dame nach dem aktuellen Angebot. Sie dreht und wendet die Verpackung in ihren Händen. Mit gekräuselter Stirn blickt sie erneut durch den Laden, bis sie eine Verkäuferin entdeckt. Die kommt gerade auf die ältere Dame zu: „Ich sehe, Sie interessieren sich für diese Waage, welche Frage hätten Sie dazu?

Azubis zeigen Eigenengagement

Ramona Rupprecht kontrolliert, ob genügend Ware im Regal liegt.
Ramona Rupprecht kontrolliert, ob genügend Ware im Regal liegt. Foto: Griesbeck

Ramona Rupprecht ist im zweiten Ausbildungsjahr zur Verkäuferin beim Elektrofachmarkt TeVi. Ihre Abteilung sind die Kleingeräte. Damit kennt sie sich deshalb aus. „Unsere Arbeit besteht hauptsächlich aus Kundengesprächen und dafür brauchen wir ein großes Wissen über die Produkte, die wir verkaufen wollen“, sagt die 21-Jährige. Neben den Warenschulungen im Haus und den Beipack-Beschreibungen sei hierbei auch das Eigenengagement der Azubis gefragt. „Wir nehmen uns neue Geräte mit nach Hause und probieren sie aus oder informieren uns über die Waren in unserer Freizeit.“

Die Ausbildung

  • Ausbildung:

    Die Ausbildung im Einzelhandel gliedert sich in zwei Teile. In den ersten beiden Lehrjahren findet die duale Ausbildung zum Verkäufer statt – in Berufsschule und Betrieb. Anschließend oder auch nach einer Pause kann in einem weiteren dritten Lehrjahr noch die duale Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel gemacht werden.

  • Arbeitsbereiche:

    Verkäufer arbeiten in Einzelhandelsunternehmen, zum Beispiel in Modehäusern, Baumärkten, Supermärkten, Tankstellen oder Kaufhäusern.

  • Ausbildungsinhalte:

    Verkäufer verkaufen Waren und Dienstleistungen an Kunden und führen Beratungsgespräche. Auch die Warenannahme, das Auszeichnen und die Präsentation im Laden gehören zu ihrem Aufgabenbereichen. Sie prüfen selbstständig den Warenbestand, kontrollieren die Qualität und die Präsentation der Produkte und bestellen fehlende Artikel nach.

  • Qualifikation:

    Schulische Voraussetzung für die Ausbildung zum Verkäufer ist mindestens ein Qualifizierter Hauptschulabschluss.

  • Verdienst:

    Ein Auszubildender erhält ungefähr im ersten Lehrjahr 650 Euro, im zweiten Lehrjahr 730 Euro und im dritten Lehrjahr 840 Euro (brutto).

  • Weitere Informationen:

    Mehr Informationen gibt es unter http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/start?dest=profession&prof-id=6580

Während Ramona Rupprecht der Rentnerin erklärt, dass bei der Personenwaage keine Batterien mit in der Verpackung seien, überprüft der Auszubildende Aron Körtesi in der PC-Abteilung die Regale. Sind alle ausgestellten Bildschirme eingesteckt und eingeschaltet? Muss etwas nachsortiert werden? Sind die Regale sauber? „Wenn gerade keine Kunden da sind, schaue ich immer, dass alles läuft und auch ordentlich aussieht“, sagt der 17-Jährige. Wenn ein Gerät bereits im Laden nicht funktioniere oder die Präsentation unordentlich aussehe, hinterlasse das schließlich einen schlechten Eindruck bei den Kunden. Aron Körtesi konnte bei seiner Wahl für einen Ausbildungsplatz seine privaten Interessen mit einbringen. „Ich habe mich immer für Technik und Computer begeistert – deshalb wollte ich auch in der PC-Abteilung arbeiten.“

Jeder Kunden-Typ ist anders

Besuch bei den TeVi-Azubis in Neumarkt

Aron Körtesi kontrolliert, ob die Vorführgeräte richtig laufen.
Aron Körtesi kontrolliert, ob die Vorführgeräte richtig laufen. Foto: Griesbeck

Nach über einem Jahr Ausbildungszeit haben Ramona Rupprecht und Aron Körtesi viel Erfahrungen im Umgang mit unterschiedlichen Kunden-Typen gesammelt. „Wir werden in diesem Bereich von unserem Ausbildungsleiter jeden Samstag vor Ladenöffnungszeit geschult. Außerdem üben wir das Kundengespräch auch in Kursen zusammen mit anderen Azubis aus den weiteren TeVi-Filialen“, sagt der 17-Jährige. Wichtig sei dabei vor allem, sich auf jede Person einstellen zu können, findet Ramona Rupprecht. „Wenn ein Kunde locker ist, dann kann man mit ihm einfacher reden, wenn er ernster ist, verläuft das Verkaufsgespräch auch anders.“

Die beiden Auszubildenden haben, was ihre Zukunft angeht, unterschiedliche Pläne. Ramona Rupprecht hatte bereits ein Kind, als sie mit der Ausbildung bei TeVi begonnen hat. „Ich habe deshalb eine Lehrzeitverkürzung um sechs Monate beantragt und arbeite gerade in Teilzeit“, sagt die junge Mutter. „Ich bin froh, dass TeVi Azubis wie mich unterstützt und ich so meine Ausbildung und mein Kind unter einen Hut bekomme.“ Nach der Ausbildung wolle sie aus zeitlichen Gründen erstmal als Verkäuferin weiterarbeiten. Aron Körtesi möchte dagegen noch ein weiteres Ausbildungsjahr an seine Verkäuferausbildung dranhängen. „Dann bin ich Kaufmann im Einzelhandel.“

Hier geht es zu allen Teilen der Tagblatt-Serie „Mein Beruf“.

Die drei größten Vorurteile gegenüber Verkäufern

1. Vorurteil: Wer einmal Verkäufer ist, bleibt immer Verkäufer!
1. Vorurteil: Wer einmal Verkäufer ist, bleibt immer Verkäufer! Foto: Griesbeck

1. Wer einmal Verkäufer ist, bleibt immer Verkäufer! Das stimmt nicht. Nach der Ausbildung zum Verkäufer gibt es mehrere Aufstiegsmöglichkeiten. Vom Kaufmann für Einzelhandel bis hin zur Selbstständigkeit ist alles möglich.

2. Vorurteil: Wer gut reden kann, ist automatisch ein guter Verkäufer.
2. Vorurteil: Wer gut reden kann, ist automatisch ein guter Verkäufer. Foto: Griesbeck

2. Wer gut reden kann, ist automatisch ein guter Verkäufer. Das stimmt nicht. Nur viel reden zu können, reicht nicht, um ein guter Verkäufer zu sein. Der Verkäufer braucht Kompetenz im Umgang mit der Ware, Fachwissen zum angebotenen Produkt, Menschenkenntnis und die Fähigkeit zuzuhören.

3. Vorurteil: „Du bist ja nur ein Verkäufer!“
3. Vorurteil: „Du bist ja nur ein Verkäufer!“ Foto: Griesbeck

3.„Du bist ja nur ein Verkäufer!“ Manche denken beim Beruf des Verkäufers nur an Menschen, die Regale einräumen oder an der Kasse stehen. Verkäufer leisten aber weit mehr: Sie verfügen unter anderem über ein stets aktuelles Fachwissen und können sich auf unterschiedliche Kunden und deren Bedürfnisse einstellen.

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