MyMz
Anzeige

Musik

Viel sängerisches Talent – und sehr viel Volumen

Die Meistersinger Akademie in Neumarkt zeigte beeindruckende Qualität. Bei der Gala fehlten manchmal die Nuancen.
Von Juan Martin Koch, MZ

Bastian Thomas Kohl, Deniz Uzun, Daniel Miroslaw und Angela Vallone beim Abschlusskonzert der Meistersinger Akademie
Bastian Thomas Kohl, Deniz Uzun, Daniel Miroslaw und Angela Vallone beim Abschlusskonzert der Meistersinger Akademie Foto: Koch

Neumarkt.Eigentlich ist das ja der undankbarste Part: als erster auftreten zu müssen. Doch Jakub Józef Orlinski drehte den Spieß einfach um und so war es von da an der undankbarste Part, nach ihm auftreten zu müssen... Was der polnische Countertenor in der Arie „Agitato da fiere tempeste“ aus Händels „Riccardo Primo“ ablieferte, war eben nicht nur ein Feuerwerk blitzsauberer Koloraturen und punktgenau herausgeschleuderter Spitzentöne. Mit sonorer tiefer und mittlerer Lage erwies er sich darüber hinaus als reifer und betörender Gestalter barocker Affektwelten. Später, im Finalduett aus Monteverdis „Poppea“ hatte es Angela Vallone trotz feiner, schlanker Stimmführung entsprechend schwer, sich mit in den Vordergrund zu singen.

Die Mitwirkenden des Neumarkter Konzerts beim Schlussapplaus
Die Mitwirkenden des Neumarkter Konzerts beim Schlussapplaus Foto: Koch

Insgesamt war die Abschlussgala der Internationalen Meistersinger Akademie im Neumarkter Reitstadel – von Tobias Truniger souverän moderiert und von Sophia Muñoz und Jonathan Ware bravourös am Klavier begleitet – wieder ein beeindruckender Beweis für die Qualität und Effizienz dieses sechswöchigen Weiterbildungsangebots, das in Kooperation zwischen der Hochschule für Musik Nürnberg, der Juilliard School New York und der Stadt Neumarkt nunmehr zum fünften Mal stattfand. Akademieleiterin Edith Wiens konnte stolz von der großen Zahl an Engagements durch Opernhäuser und Agenturen berichten.

Ein muskelbepackter Verismo-Held

Die Kehrseite dieses schönen Erfolgs: Wie schon in Konzerten vergangener Jahre war die Tendenz zu erkennen, sich vor allem mit Stimmvolumen für künftige Theateraufgaben zu empfehlen, vokale Nuancen und stilistisches Einfühlungsvermögen blieben bisweilen auf der Strecke. So verwandelte der mit bewundernswerter Tenorfülle ausgestattete Gerard Schneider Massenets „Werther“ in einen muskelbepackten Verismo-Helden und nahm sich auch im „Parigi, o cara“ aus Verdis „Traviata“ zu wenig zurück. Zumindest war Anna Gillinghams gut fokussierter, voluminöser Sopran hier besser aufgehoben als in der Rosenarie aus Mozarts „Figaro“, deren Charakter sie doch deutlich verfehlte.

An die akustische Schmerzgrenze und darüber hinaus gingen Elizabeth Suthpen, Maren Favela und Kirsten MacKinnon im Terzett „Hab’ mir’s gelobt“ aus dem „Rosenkavalier“. Mit innigem, kammermusikalisch aufeinander hörenden Gesang hatte das wenig zu tun.

Mimís Arie – ein Solo-Höhepunkt

Eine Ensembleszene aus Mozarts „Le Nozze di Figaro“ beim Konzert der Meistersinger Akademie
Eine Ensembleszene aus Mozarts „Le Nozze di Figaro“ beim Konzert der Meistersinger Akademie Foto: Koch

Es geht auch anders, wie Simone Easthope bewies, die den Charme der Sophie-Arie aus Massenets „Werther“ exakt traf. Auch Francesca Chiejina – als Pamina im Zauberflöten-Duett „Bei Männern welche Liebe fühlen“ noch nicht ganz an ihrem Platz – ist eine wunderbare, zu differenziertem Ausdruck fähige Sängerin. Das „Donde lieta uscì“ der Mimí aus Puccinis „Bohème“ war einer der Solo-Höhepunkte des Abends, ebenso die Arie des Banquo aus Verdis „Macbeth“ – von Daniel Miroslaw mit sonorer, gut kontrollierter Bassgewalt in den fast erzitternden Neumarkter Reitstadel gestellt.

Benjamin Russel und Kirsten MacKinnon in einer Szene aus Donizettis „Don Pasquale“ in Neumarkt
Benjamin Russel und Kirsten MacKinnon in einer Szene aus Donizettis „Don Pasquale“ in Neumarkt Foto: Koch

Für große Lebendigkeit sorgten die szenischen Elemente, die Victoria Newlyn mit den Absolventen einstudiert hatte und die so manches Schauspieltalent zu Tage förderten. Das Sextett aus Mozarts „Figaro“ entwickelte echte Bühnenenergie, ebenso das „Il core vi dono“ aus „Così fan tutte“. Deniz Uzuns herrlicher Mezzo verschmolz aufs Feinste mit Benjamin Russels geschmeidigem Bariton.

Der lieferte zum Abschluss dann auch das komödiantische Kabinettstück des Programms ab. Als Malatesta erteilte er der kessen, nun vokal perfekt dosierenden Kirsten MacKinnon als Norina eine Lektion im Umgang mit alten Herren vom Schlage eines Don Pasquale: Donizetti at his best.

Die IMA Neumarkt

  • Entstehung

    Im Jahr 2011 fand die Internationale Meistersinger Akademie zum ersten Mal in Neumarkt statt. Seither kommen jährlich junge Opern-Stars aus aller Welt für sechs Wochen nach Neumarkt. Gegründet wurde die IMA von der kanadischen Sopranistin Edith Wiens, die nicht nur eine Lehrerin an der Juilliard School in New York, sondern auch der Hochschule für Musik in Nürnberg ist.

  • Zusammenarbeit

    Die IMA kooperiert unter anderem mit den Bayreuther Festspielen. Die Teilnehmer der IMA besuchen deshalb jedes Jahr eine Generalprobe der Festspiele. Außerdem arbeiten die IMA-Sänger mit den Nürnberger Symphonikern, der Internationalen Bachakademie in Stuttgart, der internationalen Hugo-Wolf-Akademie in Stuttgart sowie mit dem Bayerischen Rundfunk Studio Franken zusammen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht