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Kommunikation

Wenn der Blick aufs Handy zwanghaft ist

Viele Smartphone-Besitzer in Neumarkt können es kaum erwarten, ihre Nachrichten zu checken – manchmal wird das zum Problem.
Von Thorsten Drenkard

Der regelmäßige Blick auf das Smartphone ist bei vielen mittlerweile fast schon zwanghaft.
Der regelmäßige Blick auf das Smartphone ist bei vielen mittlerweile fast schon zwanghaft. Foto: Armin Weigel

Neumarkt.Smartphones sind Segen und Fluch zugleich. Sie vereinfachen und bereichern unseren Alltag: Auf dem Handy kann man seine Mails checken, zwischendurch mit Freunden schreiben, schauen wie das Wetter wird, per Navi den kürzesten Weg zum nächsten Termin eingeben oder sich sekundenschnell über die wichtigsten Nachrichten des Tages informieren.

Smartphones sind omnipräsent, gerade bei Jugendlichen Statussymbole und für viele Menschen ganz einfach nicht mehr wegzudenken – hier droht die Gefahr, dass deren Besitzer und Nutzer zur Geisel der kleinen Handgeräte werden: Bloß nichts verpassen, immer informiert und vor allem in Whats App-Gruppen integriert sein.

Negative Auswirkungen

Gottfried Jäger, Kinder- und Jugendpsychotherapeut bei der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche Neumarkt, weiß, um die negativen Auswirkungen, die Smartphones haben können. „Hier wird der Druck aufgebaut, ständig erreichbar sein zu müssen. Dabei kann das Handy zum Fixpunkt werden“.

Seit Herbst 2006 haben laut des Bayerischen Gesetzes über das Erziehungs- und Unterrichtswesen „im Schulgebäude und auf dem Schulgelände Mobilfunktelefone und sonstige digitale Speichermedien, die nicht zu Unterrichtszwecken verwendet werden“, ausgeschaltet zu sein.

Keine Mobbing-Attacken

Mobbing-Attacken, Schülerstreiche und Schummelversuche sollen verhindert werden. Wer sein Handy in der Schule angeschaltet hat, dem darf es der Lehrer wegnehmen und bis nach Schulschluss einbehalten.

Die Mehrheit der Schüler halte sich daran, aber freilich gibt es auch Ausnahmen, wie Josef Frankerl, Leiter der Mittelschule West, weiß: „Ich habe schon erlebt, dass Schüler wahre Tobsuchtsanfälle bekommen haben, wenn man ihnen das Handy abgenommen hat. So, als ob es zum Körper gehört.“

Ein ungesundes Verhalten, an dem er die Eltern nicht schuldlos sieht. Häufig hätten Kinder schon im Alter von acht, neun Jahren ein Handy dabei, „weil es die Eltern so wollen, damit ihr Kind immer erreichbar ist. Diese ständige Überwachung ist für die Kinder belastend“.

Wie oft nutzen Sie ihr Handy?

  • Alexandra Prantl:

    „Ich habe ein Smartphone. Hauptsächlich benutze ich das für Whats App. Auf mein Handy schaue ich nur, wenn gerade eine Nachricht eingegangen ist. Meine Kinder gucken aber ständig drauf. Das ist schon nervig. Ich glaube, Jugendliche sind da eh abhängiger als Leute in meinem Alter.“

  • Rana Luisa Mohraz (13 Jahre):

    „Als ich neun war, habe ich zu Weihnachten mein erstes Smartphone bekommen. Meine Eltern haben mir schon einmal Handyverbot gegeben, weil ich so oft auf mein Smartphone geguckt habe. Dadurch sind meine Noten schlechter geworden. Aber das hat sich schon gebessert.“

  • Emily Janka (12 Jahre):

    „Mit meinem Smartphone spiele ich, mache Bilder, höre Musik und schreibe meinen Freunden per Whats App. Wenn ich Langeweile habe, schaue ich schon öfter auf mein Handy. Aber wenn ich etwas mit meinen Freunden unternehme, eher weniger. Das würde die ja auch nerven.“

  • Mergim Rexhepi (13 Jahre):

    „Whats App ist meine Lieblingsbeschäftigung am Handy. Das erste Smartphone habe ich vor zwei Jahren bekommen. Ich finde, das war nicht zu früh. Es gibt sogar einige an meiner Schule, die schon mit acht Jahren das erste Smartphone gekriegt haben. Das finde ich schon etwas früh.“

Wenn es nach Bernhard Schiffer, Leiter des Neumarkter Willibald-Gluck-Gymnasiums (WGG), geht, könnten Fünft- und Sechstklässler ohnehin noch nicht verantwortungsvoll mit Smartphones umgehen. „Wenn die Kinder etwas posten, können sie sprachlich noch gar nicht einschätzen, was geht und was nicht“. Deshalb setze seine Schule, so wie die anderen in Neumarkt auch, auf Aufklärung im Unterricht und darüber hinaus.

Denn ein generelles Verbot bringe nichts. „Es ändert beim Schüler nicht die Haltung gegenüber dem Handy, sondern gegenüber dem, der es ihm wegnimmt“, ist Schiffer überzeugt. Etwas in der Schule zu verbieten, das aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken ist, gestaltet sich eben schwierig.

Das ständige Gucken nervt

Auch unter den Schülern selbst ist der Handy-Zwang regelmäßiges Thema. Auch der 15-jährige Lars Buchner weiß von Freunden zu berichten, die während eines Treffens ständig auf ihr Smartphone gucken. Ihn nervt das. „Wenn ich meinen Freunden etwas erzählen möchte, sollten sie mir auch zuhören“, findet er.

Doch nicht nur Schüler sind der Faszination Handy erlegen, weiß Schulleiter Schiffer. „Wenn ich mich bei unserem Schwarz-Weiß-Ball manchmal so umsehen, dann haben mehr Erwachsene als Schüler ihr Handy in der Hand“, sagt Schiffer.

Für Diplom-Pädagoge Gottfried Jäger ist klar: „Das Handy ist Teil unserer Gesellschaft, man darf es nicht generell verteufeln.“ Aber ein gesunder Umgang damit sei wichtig. Was helfe?! „Man sollte es hin und wieder einfach mal ausschalten“. So einfach...

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