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Zwischen Bürokratie und Kneipenschlägern

Seit 2001 arbeitet Stephan Wocelka bei der Polizei in Neumarkt. Der MZ gewährt er einen Einblick in seinen Alltag
Von Philipp Froschhammer

  • Stephan Wocelka (l.) und Helmut Lukas zeigen das Einsatzgebiet der Polizeiinspektion Neumarkt. Foto: Froschhammer
  • Während der Streife halten die Polizisten stichprobenartig Fahrzeuge für eine Kontrolle an. Foto: dpa

Neumarkt.Stephan Wocelka ist das „Auge des Gesetzes“, dein Freund und Helfer. Fast täglich ist der Polizeihauptmeister mit einem seiner Kollegen der Polizeiinspektion (Woffenbacher Straße) Neumarkt im Streifenwagen unterwegs – immer nah an den Bürgern, aber auch an den Neumarkter Verbrechern und Kleinkriminellen. Seine Aufgabe ist es, für Recht und Ordnung zu sorgen. Geht ein Anruf bei der Polizeizentrale in Regensburg ein, sind Wocelka und seine Kollegen die Ersten vor Ort.

Sein Aufgabenbereich ist deshalb sehr vielseitig: An einen Tag wird er zu zankenden Nachbarn gerufen, am nächsten kümmert er sich um alkoholisierte Schläger vor einer Disco. „Mir wird nie langweilig. Meine Aufgaben reichen von Körperverletzung über Diebstahl bis hin zu schwerwiegenden Delikten“, beschreibt Wocelka.

Den Beamten nicht langweilig

Insgesamt betreut die Polizeiinspektion Neumarkt rund 100 000 Menschen. Das Einsatzgebiet reicht von Lauterhofen bis Berching und von Deining bis Freystadt. Jährlich kommt es in dieser Region zu knapp 30 Straftaten pro 1000 Einwohner – sprich in etwa 3000 Delikte pro Jahr. Dabei handelt es sich jedoch in erster Linie um kleinere Verstöße wie Ladendiebstähle oder Körperverletzung. Dazu kommen noch jährlich rund 2100 Verkehrsunfälle und 350 andere Straftaten aus dem Verkehrsbereich. Schwerwiegende Verbrechen wie Mord oder Totschlag passieren im Landkreis Neumarkt eher selten.

Angesichts dieser Zahlen lässt sich jedoch erahnen, dass ein Polizist im Schichtdienst extrem eingespannt ist. 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche ist die Polizeiinspektion besetzt. Dafür arbeiten in Neumarkt vier Dienstgruppen in drei unterschiedlichen Schichten – Tag-, Nacht- und Frühschicht. Beamte wie Wocelka sind dabei während ihrer Arbeitszeit in zwei Bereichen tätig: Zum einen müssen sie in der PI für ihre Fälle recherchieren, Formulare ausfüllen und andere bürokratische Aufgaben erledigen, die unter das Gebiet „Sachbearbeitung“ fallen.

Zum anderen gehen sie auf Streife. Und das ist die meiste Zeit. Dabei fahren die einzelnen Einsatzwagen unabhängig voneinander durch das Einsatzgebiet. Aufmerksam beobachten sie, ob jemand gegen das Strafgesetzbuch verstößt oder sich im Straßenverkehr ordnungswidrig verhält. „Regelmäßig kontrollieren wir in Stichproben Autos, um Präsenz zu zeigen. Wir können dabei dort hinfahren, wo wir wollen, solange einer unserer Streifenwagen im Kerngebiet, der Stadt Neumarkt, unterwegs ist“, erklärt der Polizeihauptmeister.

Vorschriften muss man einhalten

Oberste Priorität haben jedoch die Einsätze, die von der Leitstelle in Regensburg übermittelt werden. Egal, ob Wocelka dann in der Inspektion an einem Fall arbeitet oder im Streifenwagen durch den Landkreis fährt, jetzt muss schnell gehandelt werden. Denn die Beamten der PI Neumarkt sind – unabhängig von der Straftat – immer die Ersten vor Ort. Und sie sind es, die die ersten Schritte veranlassen, die Spuren sichern und Zeugen vernehmen. „Beispielsweise bei einem Entführungsdelikt oder einem Diebstahl geben wir die erste Fahndung raus. Wir können dann nicht warten, bis die Kriminalpolizei aus Regensburg kommt“, sagt Polizeioberrat Helmut Lukas, der Leiter der PI Neumarkt.

Bei der Arbeit der Polizisten hat es oberste Priorität, sich immer an das Gesetz zu halten – selbst wenn sich beim gleichen Delikt die Umstände extrem unterscheiden. Das heißt, eine Person, die telefonierend über die Autobahn fährt, muss genauso bestraft werden, wie jemand, der im Verkehr mit laufendem Motor und Handbremse steht und sein Handy hält. „Wir dürfen hier nicht unterscheiden. Es kann schließlich nicht sein, dass jeder nach Ermessen des Beamten bestraft wird. Das Urteil fällen andere“, erklärt Lukas.

Die Waffe als letztes Mittel

Doch nicht nur die Bürger, auch die Polizisten müssen sich im Dienst an gewisse Vorschriften halten. So können sie nicht einfach ihre Waffe ziehen, wenn beispielsweise ein Betrunkener aufmüpfig wird. „Die Pistole ist immer das letzte Mittel. Außerdem ist unser Handeln von der Situation abhängig und muss verhältnismäßig sein “, sagt Wocelka. Erst wenn der Gegenüber nicht auf die Mahnungen des Polizisten hört und dann auch noch den Beamten angreift, würde Wocelka zum Pfefferspray oder einer anderen Waffe greifen. Doch solch ein Fall kommt zum Glück im Landkreis Neumarkt nur selten vor. Seit 2001 arbeitet Wocelka im öffentlichen Dienst – und erst einmal musste er bislang seine Pistole ziehen.

Ausbildung bei der Polizei

  • Ausbildung:

    Es gibt zwei mögliche Ausbildungswege, die bei der Polizei angeboten werden: Für die erste – die Ausbildung zum Beamten der zweiten Qualifikationsebene – ist ein mittlerer Bildungsabschluss erforderlich. Nach Bestehen der Eignungsprüfung durchlaufen die Polizeimeisteranwärter eine 30-monatige Ausbildung an der Polizeischule, die aus Theorie und Praxiseinheiten besteht. Anwärter, die in der dritten Qualifikationsebene einsteigen wollen, müssen eine Hochschulreife vorweisen. Neben der Ausbildung an der Polizeischule studieren die Polizeikommissaranwärter an der Fachhochschule.

  • Einsatzgebiete:

    Polizisten kommen nicht zwangsläufig in die Polizeiinspektion ihrer Wahl. Innerhalb des Gebiets ihres Präsidiums können sie in jeder PI eingesetzt werden. Jedoch können die Polizisten im Laufe ihrer Karriere Anträge auf eine Versetzung stellen.

  • Verdienst:

    Nach der Ausbildung erhalten Polizeimeister (zweite Qualifikationsebene) rund 2000 Euro netto. Polizeikommissare (dritte Qualifikationsebene) bekommen nach dem Studium rund 2100 Euro netto.

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