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Zwischen Trump-Schock und Gelassenheit

Ist der neue US-Präsident eine unberechenbare Zeitbombe? Neumarkts Politiker und Unternehmen sind sich uneinig.
Von Philipp Seitz

Donald Trump ist der neue Präsident der Vereinigten Staaten.
Donald Trump ist der neue Präsident der Vereinigten Staaten. Foto: dpa

Neumarkt.Es ist vier Uhr in der Nacht und noch dunkel in Berlin, als Alois Karl die amerikanische Botschaft am Pariser Platz verlässt. Der Bundestagsabgeordnete aus Neumarkt ist müde und frustriert. So schildert Karl am Tag danach, wie er die Wahlnacht erlebt hat. Dass Donald Trump tatsächlich Präsident der Vereinigten Staaten werden könnte, hatte der CSU-Politiker angesichts der Umfragen für eher unwahrscheinlich gehalten und diesen Gedanken bislang schnell beiseitegeschoben.

Der Neumarkter Bundestagsabgeordnete Alois Karl verfolgte die Präsidentschaftswahlen in der amerikanischen Botschaft in Berlin.
Der Neumarkter Bundestagsabgeordnete Alois Karl verfolgte die Präsidentschaftswahlen in der amerikanischen Botschaft in Berlin. Foto: Erika Urban

Doch es sollte anders kommen. Die Befürchtung vieler deutscher Abgeordneter wurde Realität. Das war Karl schon klar, als er die Botschaft in der Nacht auf Mittwoch verließ. Die Tendenz bei den Auszählungen war einfach zu deutlich. In der amerikanischen Botschaft hatte sich zuvor Entsetzen breitgemacht. Viele Bundestagsabgeordnete wollten nicht glauben, welche Zahlen gerade auf den Leinwänden aufleuchteten. Hätte Karl in Amerika wählen dürfen, dann hätte auch er sein Kreuz bei Hillary Clinton gesetzt. „Sie ist berechenbarer. Aus ihrer Zeit als Außenministerin und Senatorin wissen wir, wie sie denkt.“ Nun aber Trump.

Noch keine Krisensitzung in Berlin

Viele Abgeordnete wissen noch nicht, was sie von der Wahl des Milliardärs halten sollen, sagt Karl: „Es kommt jetzt auch darauf an, ob Trump das umsetzt, was er im Wahlkampf angekündigt hat.“ Wenn ja, dann hätte dies auch Konsequenzen für Deutschland. In der Nato müsste die Bundesrepublik nun wohl mehr Verantwortung übernehmen. Im Wahlkampf hatte Trump nämlich kritisiert, dass die Amerikaner eine zu große Last trügen. Die Verbündeten sollten mehr für die eigene Verteidigung tun. „Das würde höhere Rüstungsausgaben bedeuten“, befürchtet Karl. Auch der Freihandel könnte unter dem neuen Präsidenten leiden: „Wenn das so kommt, dann wäre das ein dramatischer Eingriff in den Handel“, sagt der Abgeordnete. Abwarten lautet in Berlin zunächst die Devise: „Eine Krisensitzung hatten die Abgeordneten der Unionsfraktion noch nicht“, verrät Karl.

„Es kommt jetzt auch darauf an, ob Trump das umsetzt, was er im Wahlkampf angekündigt hat.“

Alois Karl, Bundestagsabgeordneter

650 Kilometer Luftlinie weiter, in Brüssel, klingelt um kurz nach vier Uhr der Wecker im Zimmer von Albert Deß. Der Neumarkter Europaparlamentarier verfolgt vor dem Fernseher den Ausgang der Präsidentschaftswahlen. Eigentlich hatte der CSU-Parlamentarier geplant, den Wahlabend mit befreundeten Parlamentskollegen zu verbringen. Doch daraus wurde nichts. Deß musste in den frühen Morgenstunden zu einem Termin nach München. So schaltete Deß ein, als sich Trumps Sieg abzeichnete.

Der CSU-Europaparlamentarier Albert Deß war von beiden Präsidentschaftskandidaten nicht begeistert. Foto: Archiv
Der CSU-Europaparlamentarier Albert Deß war von beiden Präsidentschaftskandidaten nicht begeistert. Foto: Archiv

Der CSU-Politiker hatte mit einem knappen Ausgang der Präsidentschaftswahlen gerechnet. Der Präsidentschaft Trumps sieht er gelassen entgegen – wie laut Deß auch die meisten seiner Kollegen im Europaparlament. Vor einem Präsidenten Trump müsse Europa keine Angst haben, lautet die Botschaft von Deß: „Er unterliegt auch als Präsident Sachzwängen.“

„Donald Trump unterliegt auch als Präsident Sachzwängen.“

Albert Deß, Europaparlamentarier

Bei Huber SE in Berching sehen es die Verantwortlichen ähnlich. Das weltweit im Bereich Wasseraufbereitung, Abwasserreinigung und Schlammbehandlung agierende Unternehmen beschäftigt in den USA knapp 60 Mitarbeiter. Die Vereinigten Staaten sind der größte Einzelmarkt des Unternehmens.

Rainer Köhler, Vorstand für den Bereich International bei Huber SE.
Rainer Köhler, Vorstand für den Bereich International bei Huber SE. Foto: Stefan Hanke

Rainer Köhler, Vorstand für den Bereich International, überrascht der Wahlausgang nicht: „Die Stimmung in den USA selbst war eher gespalten zwischen Trump und Clinton.“ Nichtsdestotrotz sei die Unsicherheit durch den Gewinn Trumps derzeit größer als es bei einem Gewinn Clintons der Fall gewesen wäre. Jetzt gelte es, abzuwarten: „Auch die Realität wird ein Präsident Trump nicht grundsätzlich ändern können.“

„Die Sache der Amerikaner“

Der Neumarkter Blitzschutzhersteller Pröpster sieht es ähnlich. Deren Geschäftsführer Johann Pröpster junior sagt: „Wir haben Partner in vielen Ländern. Mit Amerika machen wir aber keine Geschäfte.“ Das Wahlergebnis will er aber nicht kommentieren: „Das ist Sache des amerikanischen Volkes. Wir Deutschen nehmen uns hier zu viel raus. Wir kennen die Geschehnisse vor Ort zu wenig, um ein fundiertes Urteil fällen zu können.“ Ein Bekannter aus Amerika habe schon vor einem halben Jahr zu ihm gesagt, dass er keinen Zweifel daran habe, dass Trump gewählt wird.

Lesen Sie mehr: Am Stützpunkt der US-Armee in Hohenfels haben die Soldaten längst gewählt. Wer ihr Favorit ist, wollen sie nicht verraten.

Die Wahl Trumps dürfte auch das Ende des Freihandelsabkommens zwischen den USA und Europa bedeuten. Die Grünen hatten im Landkreis Neumarkt zuletzt immer wieder gegen TTIP protestiert. Die Wahl Trumps will die Kreisvorsitzende Gabriele Bayer aus Postbauer-Heng dennoch nicht als einen Glücksfall bezeichnen: „Dass TTIP jetzt keine Chance mehr haben dürfte, ist das einzige Gute an dem Wahlausgang.“ Die Grünen-Politikerin sieht in Trump einen Populisten, der „wie der Rattenfänger von Hameln unterwegs ist“. Trump als Oberbefehlshaber der Armee nun „am Knopf der Atomwaffen“ zu sehen, mache ihr Angst. Wäre es nach ihr gegangen, dann hätte sie keinen der beiden Kandidaten aufgestellt. „Am Ende wäre mir Clinton lieber gewesen, auch wenn sie Dreck am Stecken hat.“

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