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Porträt

Box-Weltmeister kommt aus Parsberg

Mit dem Titel hat Ünsal Arik auch „ein Versprechen an meine verstorbene Mutter eingelöst“. Mit Fußball hat alles begonnen.
Von Gerd Schlittenbauer

Es ist geschafft: Ünsal Arik kann der Mittelbayerischen Zeitung seinen WBU-Weltmeisterschaftsgürtel präsentieren.
Es ist geschafft: Ünsal Arik kann der Mittelbayerischen Zeitung seinen WBU-Weltmeisterschaftsgürtel präsentieren. Foto: Schlittenbauer

Parsberg.Ünsal Arik, geboren und aufgewachsen in Parsberg, hat sein Traumziel erreicht. Er ist Weltmeister des Boxverbandes World Boxing Union (WBU) geworden. Dieser Verband zählt unter anderem Roy Jones Junior im Schwergewicht zu seinen Champions. Weltmeister Arik besuchte uns mit seinem Champions-Gürtel in der Redaktion.

Kurz nach dem Kampf: Der Gürtel wird verliehen.
Kurz nach dem Kampf: Der Gürtel wird verliehen. Foto: Box Team Arik

Der 34-Jährige sollte am Wochenende bei der Fight Night im Pankra Gym in Hildesheim eigentlich gegen Valentyn Kuts aus der Ukraine boxen. „Wir sind uns aber finanziell nicht einig geworden“, sagt Ünsal Arik im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung. So musste sich Arik drei Tage vor dem Kampf auf einen anderen Gegner, Adnan Zilic (24) aus Bosnien, einstellen. „Adnan ist Linksausleger, Kuts wäre Rechtsausleger gewesen“, sagt der 34-Jährige, der einen deutschen und einen türkischen Pass hat. „Doch ich konnte mich mental schnell umstellen.“ Die beiden trafen im Leicht-Mittelgewicht aufeinander. Zilic kam in Frage, weil er in der WBU-Rangliste unter den Top 15 rangierte. „Für den Kampf musste ich mich herunterhungern“, sagt Ünsal Arik. „Ich habe 14 Kilo in acht Wochen abgenommen. Dieser Kampf war härter als die Begegnung im Ring.“

Sie freuen sich mit ihm: Bruder Üstün Arik (r.) und Freund Hüseyin Senermen.
Sie freuen sich mit ihm: Bruder Üstün Arik (r.) und Freund Hüseyin Senermen. Foto: Box-Team Arik

Im Ring nämlich trafen die beiden lediglich 2:41 Minuten aufeinander – dann wurde aus der Ecke von Adnan Zilic das Handtuch geworfen. Arik schildert den Kampf so: „Mir ist gleich am Anfang ein Aufwärtshaken gelungen und ich sah, dass bei Adnan die Knie weich wurden. Dann musste ich natürlich voll dran bleiben.“ Sein Gegner kam nicht mehr richtig auf die Beine – und Ünsal Arik war Weltmeister. „Für diese 2:41Minuten habe ich sechs Monate gearbeitet“, sagt er. „Aber ich konnte mit dem Titel ein Versprechen an meine verstorbene Mutter einlösen. Es war mein bisher größter Erfolg.“

Zusammen mit seinem Trainer Varol Vekiloglu hatten vor einem halben Jahr die Vorbereitungen begonnen, die in einem achtwöchigen Trainingslager in Berlin gipfelten. „Am Ende bin ich zehn Kilometer auf 43 Minuten gelaufen“, sagt Arik, der am Wiegetag in der vergangenen Woche noch zu schwer war. Um das Gewichts-Limit von 69,85 Kilo nicht zu überschreiten, mussten nochmal rund zwei Kilo weg: „Ich bin vor dem Wiegen mit drei Pullovern noch 45 Minuten lang gelaufen“, erzählt Arik. Zwei Tage lang hatte ich nichts gegessen und nichts getrunken.“ Selbst dann wurde es knapp: 69,8 Kilo zeigte die Waage an – gerade noch geschafft!

Das Bad in der Fanmenge
Das Bad in der Fanmenge Foto: Box-Team Arik

Am Kampftag blieb als Hindernis nur noch die Nervosität: „Mein Kampf war erst um 23.30 Uhr. Mir ging vieles durch den Kopf, vor allem die so wichtigen Sponsoren“, sagt Arik. 500 Zuschauer wollten schließlich den Fight sehen: „Mein Fanclub Osmanen Frankfurt hat allein für 3000 Euro Karten gekauft. Ein wenig enttäuscht war ich, dass zwar die Hymnen erklangen, aber keine Fahnen gehisst wurden.“

Ünsal Arik bezeichnet sich schmunzelnd als „türkischer Bayer“. Er ist im Parsberger Krankenhaus zur Welt gekommen, seine Familie wohnt noch in Parsberg. Fußball hat er schon bei Fenerbahce Istanbul gespielt sowie bei Fortuna Regensburg (Landesliga) und Kareth-Lappersdorf. Mit 27 Jahren begann er zu boxen: „Das hat mir so gefallen, dass ich wie ein Wilder trainiert habe.“

Für Box-Fit Regensburg trug er elf Amateurkämpfe aus, seit fünf Jahren ist er Profi. „Bei meinem ersten Profikampf ging ich nach acht Sekunden k.o.“, sagt er. Nun wird er in einem halben Jahr in der Türkei seinen Weltmeister-Titel verteidigen.

Das ist die WBU

  • Die WBU:

    Die World Boxing Union (WBU) ist eine in Upwell, Cambridgeshire, England ansässige Boxorganisation, die offizielle Kämpfe ausrichtet und die WBU-Weltmeisterschaftstitel im Profiboxen verleiht. Der Verband wurde in den frühen 1990er Jahren gegründet. 2010 wurde die WBU nach Abmeldung und Inaktivität in Deutschland als Verein neu gegründet.

  • Champions:

    Unter anderem waren WBU-Champions: George Foreman 1996, G. Kandelaki 2002 und Eamonn Magee 2005/2006. Quelle: Wikipedia

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