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Mittwoch, 20. Juni 2018 22° 3

Fernsehauftritt

Ünsal Arik greift bei Böhmermann an

Der Boxer aus Parsberg sieht in der TV-Satireshow in Gebeten um das Ableben Erdogans eine Möglichkeit, ihn los zu werden.
Von Lothar Röhrl

Ünsal Arik (l.) und Jan Böhmermann verstanden sich gut. Allerdings stimmte der Moderator mit dem Boxer nicht immer überein.
Ünsal Arik (l.) und Jan Böhmermann verstanden sich gut. Allerdings stimmte der Moderator mit dem Boxer nicht immer überein.Foto: Röhrl

Neumarkt.Wegen der harten Worte atmete selbst Jan Böhmermann ein paar Mal erstaunt durch: Der für seine Satire-Sendung „Neo Magazin Royal“ preisgekrönte Moderator staunte offenbar nicht schlecht, mit welch großem Kaliber der Parsberger Boxer Ünsal Arik gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan einen Frontalangriff unternahm. Zwar mussten die Zuschauer am Donnerstag 28 Minuten warten, bis Arik Ünsal als „Hauptgast“ an der Reihe war. Doch dann gab es von Ünsal mehrmals verbale Gerade vornehmlich in Richtung Erdogans – aber auch seiner in Deutschland und der Türkei lebenden Anhänger. Erstmals trug er bei einem Fernsehauftritt ein T-Shirt mit dem Schriftzug „#erdocan’t“ – „Erdogan kann es nicht“.

Auch wenn es Ünsal ein paar Mal versuchte: Er konnte Jan Böhmermann nicht aus der Reserve locken, damit der wegen des Schmähgedichts an die Adresse Erdogans mit Beleidigungsanzeigen überzogene ZDFNeo-Moderator ihm zustimmte. Umso deutlicher gab sich der Parsberger als Anhänger der Abteilung „Attacke“. So drehte er einen von türkischen Regierungsmitgliedern in diesen Tagen angestrengten Nazi-Vergleich um. Er erinnerte an seinen Auftritt beim SAT1-Frühstücksfernsehen, als er Erdogan als „Adolf Hitler 2.0“ bezeichnet hatte. Während „Adolf Adolf umgebracht“ hatte, habe Erdogan noch nicht „so viele Eier“ aufgebracht. Und dann bezeichnete er den türkischen Präsidenten als „böse“, der einfach weggehöre.

Das war nicht die einzige Stelle der Sendung, an der klar war, was Ünsal Arik mit „weg“ meinte. Als Jan Böhmermann im Hinblick auf das deutsch-türkische Verhältnis von seiner Verantwortung sprach, das beide Seiten wieder zusammen kommen, konterte Ünsal Arik, dass es keine Ruhe geben werde, so lange dieser Mensch (gemeint Erdogan) lebe. Das forderte Böhmermann zum Hinweis heraus, dass man nicht hoffen könne, das Erdogan bald sterbe, damit es wieder besser werde. Ünsal Arik stellte dazu fest: „Vielleicht können wir alle zusammen beten, dann geschieht ein Wunder und wir sind ihn los“.

„Gangster-Rapper“ winkten ab

Bei all diesen Aussagen wunderte es Jan Böhmermann, dass sich mit Ünsal Arik erstmals ein Türke öffentlich solche Aussagen traue. So habe man Leute aus der „Gangster-Rapper“-Szene eingeladen. Doch die seien nicht gekommen, weil sie „Schiss gehabt hätten“, auf das Thema Referendum angesprochen zu werden. Deren Verhalten verteidigte Ünsal Arik, denn die könnten nur singen, während er als Boxer nicht nur austeilen, sondern auch einstecken könne. Und gleich im nächsten Satz zog Ünsal Arik einen Vergleich von sich selbst mit Erdogan. Denn der brauche 500 Bodyguards, während er seine Probleme alleine löse.

Mehr über den Boxer Ünsal Arik und die Vorgeschichte des Auftritts lesen Sie hier!

Gefragt danach, ob er deswegen nicht sehr angefeindet werde, gab Ünsal Arik zu, dass er mit Drohbriefen und Hass-Mails überzogen werde. Doch er habe „null Angst, weil bellende Hunde nicht beißen“. Das bezog er auch aufs Studiopublikum, denn Erdogan-Anhänger seien lieber zu Hause geblieben als sich unter dieses Publikum zu mischen. Überhaupt sei er sehr enttäuscht vom Verhalten seiner türkischen Landsleute in Deutschland. Sie würden diesem Land gegenüber keinen Respekt zeigen, obwohl sie hier lebten und Deutschland eigentlich viel zu verdanken hätten.

Ünsal Arik überzeugte nicht, dass Jan Böhmermann gar Verständnis für ein Auftrittsrecht türkischer Politiker vor der großen türkischen Gemeinschaft in Deutschland zeigte. Denn der Parsberger argumentierte, dass jeder Türke, dem es hier nicht passe, wisse, wo der nächste Flughafen steht. Den sollte man mit einem One-Way-Ticket sowie 10 000 Euro für einen Neustart in der Türkei ausstatten.

Einmal war Böhmermann begeistert

Eine Aussage Ünsal Ariks nötigte Böhmermann eine Aufforderung zu Applaus ab. Grund war Böhmermanns Frage danach, ob es um Ünsal Arik nicht sehr einsam geworden sei. Da gab der Parsberger zu, dass er zwar nur noch drei echte Freunde habe und von vielen langjährigen Freunden der Familie mittlerweile stark beschimpft werde. „Doch drei Löwen sind mir lieber als 100 Schafe“, kommentierte das der Hauptgast der 45 Minuten langen Satire-Show mit Hauptsendeplatz am Donnerstagabend auf ZDF Neo.

Ünsal Arik wiederholte in der Sendung noch eine Hoffnung, die er auch schon unserem Medienhaus gegenüber geäußert hatte: Ein Treffen mit Kanzlerin Merkel während seines Trainingslagers ab 25. März in Berlin.

Neben diesen knallharten Aussagen gab es auch noch Spaß – etwa bei Ünsal Ariks Gaudi-Trainingslager mit dem Weltmeister im „Raupengewicht“ Jan Böhmermann und dessen Partner in der Satiresendung, dem „Paderborner Panther“ Ralf Kabelka.

Sein Auftritt bei Jan Böhmermann wird gewiss nicht der letzte im deutschen Fernsehen gewesen sein, die verbalen Faustschläge des Boxers in Richtung des türkischen Präsidenten Erdogan erwecken in diesen turbulenten Zeiten große Aufmerksamkeit. Der nächste TV-Termin steht für Ünsal Arik bereits. Am 21. März wird er in der n-tv-Sendung „So! Muncu!“ des Kabarettisten und Schriftstellers Serdar Somuncu Gast sein (23.10 Uhr). Außerdem haben sich Fernsehteams des BR sowie von Pro7-Taff angemeldet.

Boxen mit Ünsal Arik – sehen Sie diesen Ausschnitt aus „Neo Magazin Royale“ hier:

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