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Stromtrasse

Bürger fordern Abstandsregelung

In Postbauer-Heng gründet sich eine Initiative. 80 Menschen haben ihre Forderung an die Staatsregierung unterschrieben.
von Sigrid Fischer

Mehrere Bürger haben bereits erklärt, sich aktiv in der Bürgerinitiative einbringen zu wollen.
Mehrere Bürger haben bereits erklärt, sich aktiv in der Bürgerinitiative einbringen zu wollen. Foto: Fischer

Postbauer-Heng.Im Feuerwehrzentrum fanden sich zahlreiche Bürger ein, um eine Bürgerinitiative (BI) zu gründen, die sich gegen eine Aufrüstung der mitten im Ort bestehenden 220 kV-Stromleitung richtet. Marktrat Dr. Jürgen Rupprecht (Bürgerblock) informierte die Anwesenden über den geplanten Ausbau, der unter dem Begriff „P 53“ stehe.

Leitung soll aufgerüstet werden

Es solle von Ludersheim über Sittling nach Altenheim eine 380 kV-Leitung in die Trasse der bestehenden 220 kV-Leitungen gebaut werden. Das sei im Herbst 2015 von der Bundesnetzagentur erstmals als notwendig bestätigt worden. Der bestätigte Netzentwicklungsplan solle in den nächsten Wochen vom Bundestag als Bundesbedarfsplangesetz verabschiedet werden. Dies würde bedeuten, dass auch die bestehende 220 kV-Leitung, die mitten durch den Ort Postbauer-Heng verläuft, auf 380 kV aufgerüstet werden soll, sagte Rupprecht. Die Trasse verläuft vom Ortsteil Köstlbach kommend hinter den Wohnhäusern Berngauer Weg in Richtung Staatstraße und Henger Friedhof, beim neuen Baugebiet Heng West, zur Pyrbaumer Straße hin und letztendlich nach Ezelsdorf.

Rupprecht sagte, dass auf dieser Strecke in etwa 30 Meter Abstand unter anderem auch die Erich Kästner-Mittelschule, der St. Elisabeth-Kindergarten und das Seniorenheim „Am Schauerholz“ liegen. Die Wohnbebauung sei teilweise nur 25 Meter von der Leitung entfernt. Auch auf die Auswirkungen der Verstärkungsmaßnahmen ging er ein. So würden die Masten von jetzt rund 35 Meter auf 70 bis 75 Meter erhöht werden. Durch die annähernde Verdoppelung der magnetischen Feldstärke werde häufiges Überschreiten der Durchschlagfestigkeit der Luft verursacht – häufiges und anhaltendes Knistern – das jetzt schon, je nach Wetterlage, immer wieder zu hören sei. Da negative gesundheitliche Auswirkungen bei einer dauerhaften Belastung durch magnetische Felder weder bewiesen noch widerlegt seien, hätten manche Länder strenge Grenzwerte bzw. Mindestabstände eingeführt.

In Deutschland gebe es keine generelle Abstandsregelung, aber Länderregelungen seien möglich, sagte Rupprecht. So hätten beispielsweise Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen Abstandsregelungen für neue Höchstspannungsleitungen in ihre Raumordnungspläne aufgenommen. Diese Regelungen besagten, dass „Trassen“ für neu zu errichtende Höchstspannungsfreileitungen so zu planen sind, dass die Leitungen einen Abstand von mindestens 400 Meter zu Wohngebäuden einhalte, wenn sie etwa im Geltungsbereich eines Bebauungsplanes liege. Die Forderung an die Bayerische Staatsregierung sei daher eine Definition von Mindestabständen für neue Höchstspannungsleitungen zu Wohnbebauung und Schulen. Gleiches müsse auch für technisch grundlegend umgerüstete Anlagen gelten.

Gemeinde will BI unterstützen

Um dieser und weiteren Forderungen Nachdruck zu verleihen, sei die Gründung einer BI so wichtig, sagte Rupprecht. Zweiter Bürgermeister Hans Pröpster sagte, dass auch Bürgermeister Horst Kratzer und der Marktgemeinderat hinter der BI stünden. Der Elternbeiratsvorsitzende der -Mittelschule, Martin Grillenberger, versicherte, dass sich der Elternbeirat ebenfalls aktiv mit einbringen werde.

Neue Pläne zur Stromtrasse

  • Netzentwicklungsplan:

    Seitens der Politik wird im Netzentwicklungsplan das Projekt P53 favorisiert. Dieses sieht eine Aufrüstung der bestehenden 220-Kilovolt-(kV)-Stromleitungen auf 380 kV vor. Kritiker gehen davon aus, dass die bestehenden Strommasten dafür deutlich vergrößert und verbreitert werden müssten.

  • Gesundheit: Durch die höhere Spannung, so die Befürchtungen, steige die Strahlung und die Gesundheitsbelastung. Der Landkreis Neumarkt hat sich gegen das Projekt P53 ausgesprochen und fordert eine dezentrale regionale Stromerzeugung. Im Landkreis werden rund 80Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt.

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