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Gericht

Kago-Schloss findet keinen Bieter

Bei der Verhandlung am Donnerstagvormittag vor dem Nürnberger Amtsgericht gab es zwar keinen Bieter – aber viele Zuschauer.
von Wolfgang Endlein

  • Beim ersten Versteigerungstermin fand sich kein Bieter. Foto: Fischer
  • Selten dürfte Rechtspfleger Werner Pregler am Amtsgericht Nürnberg derart im Rampenlicht gestanden haben wie am Donnerstag. Der Termin für die Versteigerung des sogenannten Kago-Schlosses in Postbauer-Heng erregte viel Aufsehen. Foto: Endlein
  • Ein Bild aus für Karl-Heinz Kago glücklicheren Zeiten. Einst führte der Unternehmer eine Ofen-Firma. 2010 ging diese aber in die Insolvenz. Foto: Archiv

Postbauer-Heng.Wie Karl-Heinz Kago so dasteht, erinnert der einstige Besitzer des 2010 insolvent gegangenen Kachelofen-Unternehmens aus Postbauer-Heng an einen Indianer-Scout aus dem Wilden Westen. Die Hand beschattet die Augen, der Blick sucht den Horizont ab. Raum den Blick schweifen zu lassen, gibt es im Sitzungssaal 216 des Nürnberger Amtsgerichts in der Flaschenhofstraße 35 aber gar nicht. Es ist ein Raum ausgelegt für gut 25 Menschen – tatsächlich drängen sich rund 80 darin.

Es geht eng zu, als der einstige Ofen-Unternehmer kurz vor 10.30 Uhr am Donnerstag das Zimmer betritt. Die Versteigerung des sogenannten Kago-Schlosses im Zuge einer Zwangsvollstreckung hat viel Aufmerksamkeit erregt. Ein Käufer für die auf einen Wert von zehn Millionen geschätzten Objekte findet sich an diesem Tag aber nicht – trotz der vielen Menschen im Raum.

Extrovertierter Besitzer eines pompösen Schlosses

„Kommen Sie rein! Kommen Sie rein! Wollen wir mal versuchen, alle hier unterzubringen“, sagt Rechtspfleger Werner Pregler gut gelaunt, kurz bevor er die Versteigerung eröffnet. Der Rechtspfleger der Abteilung Immobiliarvollstreckung am Amtsgericht verantwortet das Verfahren. Vor Beginn des Termins hat Pregler noch gesagt: „So einen Fall habe ich noch nie gehabt. Nicht nur wegen der hohen Summe“. Der extrovertierte Unternehmer Kago hat mit seiner Person und insbesondere mit seinem pompösen, einem französischen Schloss nachempfundenen Prachtbau schon immer Aufmerksamkeit erregt.

Wohl auch deswegen ist neben zahlreichen Kamerateams, Fotografen und Journalisten ein bunt gemischtes Publikum in Saal 216 erschienen. Junge Pärchen, streng schauende Geschäftsleute, schwatzende Rentner –nahezu jedes Alter zwischen 18 und 80 Jahren scheint vertreten. Manche sitzen schweigend da, andere suchen das Gespräch mit dem Nachbarn. „Kommen Sie auch aus Postbauer“, fragt da jemand. Von der anderen Zimmerseite fängt man den Satzfetzen „Dafür langt unser Kleingeld nicht“ und das Lachen eines älteren Herren auf.

Still geht es an den zu beiden Seiten des Raumes angeordneten Tischen zu. Auf der rechten Seite hat sich Kago mit seiner Frau Luecie und seinen beiden Anwälten niedergelassen – dicht umringt von Zuschauern. Daneben sitzt eine Vertreterin des Finanzamtes Neumarkt, gegenüber der Anwalt der Raiffeisenbank Oberösterreich und ein gewisser Olaf Block samt seiner beiden Anwälte. Sie alle sind die Gläubiger, die den Antrag auf das Verfahren gestellt haben.

Angespannte Stimmung im Saal

Die Stimmung unter allen im Raum ist angespannt. Die einen kanalisieren das mit scherzhaften Bemerkungen, viele andere schweigen und scannen stattdessen mit ihren Augen die Mitanwesenden im Raum. Die spannende Frage: Wer sieht so aus, als könnte er ein Gebot in Höhe eines hohen einstelligen Millionenbetrags abgeben?

Ob es überhaupt ein Gebot geben wird und wenn ja, wie hoch es sein wird, das kann Rechtspfleger vor der Versteigerung nicht sagen. „Ich bin kein Hellseher.“ Auflisten, was der Bieter alles für sein Geld bekäme, kann er hingegen schon. Zur Versteigerung stehen das Schloss samt Garage/Pförtnerloge, ein Gästehaus, eine Orangerie, ein Vogelgehege, eine Kapelle, Parkflächen und Zufahrtswege.

Wer gibt ein Gebot?

Zehn Millionen ist das alles wert. Doch muss der Käufer nicht zwangsläufig auch so viel hinlegen. Die Regeln des Versteigerungsverfahrens sind extrem kompliziert, sagt Rechtspfleger Pregler. „Das kann ich Ihnen gar nicht alles erklären.“ Grob versucht er es dann doch: Bei einem Gebot, das unter 50 Prozent des Werts liegt, müsste er von Amts wegen dieses ablehnen, erklärt Pregler. Wenn das Gebot nicht 70 Prozent des Wertes übersteigt, hätten die Gläubiger ein Recht, dieses abzulehnen.

„Es ist jetzt 10.48 Uhr“, sagt Pregler schließlich mit einem Blick auf die über der Tür hängenden großen Uhr, die in den kommenden Minuten für alle Anwesenden ein wichtiger Blickfang sein wird. „Es kann ab jetzt geboten werden. Die Bietzeit endet um 11.19 Uhr“, sagt der Beamte, um dann den entscheidenden Satz anzufügen: „Gibt es denn ein Gebot?“

Schweigen im Saal

Im Saal herrscht Schweigen. Köpfe drehen sich um, Blicke gehen zur Seite, Hälse werden gereckt. Aber nichts. Kein Gebot. Pregler versucht es nochmal. Es wäre schön, wenn Interessenten ihr Gebot gleich zu Beginn abgeben würden und nicht damit lange hinwarteten. Doch es passiert nichts.

Die ersten 15 Minuten der halbstündigen Bietzeit verharren alle im Raum in gespanntem Schweigen. Doch je weiter der Minutenzeiger auf der Uhr voranschreitet, umso mehr bricht sich die Enttäuschung Bahn. „Sag mal, ich dachte jetzt kommen die Gebote“, sagt eine etwa 45-Jährige zu ihrer Freundin. Beide hatten sich offenbar auf einen spannenden Nachmittag eingestellt.

Doch es wird kein Gebot mehr geben. Daran ändert auch die Ankündigung eines der Gläubiger-Anwälte nichts, Interessierte könnten sich mit ihm vor der Tür über den Preis und andere Informationen unterhalten. „Es ist jetzt 11.19 Uhr. Ich frage ein letztes Mal: Gibt es ein Gebot“, sagt Pregler, um auf das Schweigen hin fortzufahren: „Dann stelle ich das Verfahren nach Paragraf 77 vorläufig ein“.

Ex-Schlossbesitzer sagt nichts

Danach löst sich die Versammlung schnell, wenn auch unter lautem Gegrummel auf. Auch Karl-Heinz Kago rauscht an den Journalisten vorbei – jegliche Nachfrage abwinkend. Zurück bleibt Werner Pregler, der sich wohl noch auf einige weitere Versteigerungstermine für das Kago-Schloss gefasst machen darf.

In einem halben Jahr könnten die Gläubiger einen Fortsetzungstermin beantragen, erklärt der Beamte. Auch dann ist aber nicht gesagt, dass das Schloss auch wirklich versteigert wird. Drei bis vier weitere Termine dieser Art könnten im Extremfall folgen – ohne dass gesagt ist, dass das Schloss dann auch wirklich versteigert wird. Auf das Kago-Schloss wartet wohl ein längerer Dornröschenschlaf.


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