MyMz
Anzeige

Zufall

Beim Aufräumen wurde Waldbrand entdeckt

Jugendlichen beider Realschulen gelangen am Samstag am Bögl-Baggersee zwei gute Taten. Brandursache ist noch ungeklärt.
Von Lothar Röhrl

Dank der schnellen Meldung über den kurz zuvor ausgebrochenen Waldbrand konnte dieser schnell gelöscht werden. Foto: Lothar Röhrl
Dank der schnellen Meldung über den kurz zuvor ausgebrochenen Waldbrand konnte dieser schnell gelöscht werden. Foto: Lothar Röhrl

Sengenthal.Es war ein Zufall, aber einer, der einen möglicherweise großen Waldbrand verhindert hat: Als am Samstagvormittag 14 Realschüler und später auch einige Mitglieder der Fridays For Future-Bewegung den Müll einer Feier in der Nacht zuvor wegräumten, sahen Schüler aus einem Waldstück Rauch aufsteigen. Nachdem Vanessa Groth, Jan Grauer, Alexander Lorenz und Markus Scheer in diese Richtung geeilt waren, entdeckten sie einen wohl erst kurz zuvor entstandenen Waldbrand. Sofort – es war exakt 11.30 Uhr – alarmierte Jan Grauer die Feuerwehr. Die aus vier Orten an den Brandherd eilenden Wehren hatten den am Waldboden ausgebrochenen Brand schnell gelöscht.

So sah es aus, nachdem das über den Waldboden sich schon ausgebreitete Feuer kurz zuvor entdeckt worden war, Foto; Markus Scheer
So sah es aus, nachdem das über den Waldboden sich schon ausgebreitete Feuer kurz zuvor entdeckt worden war, Foto; Markus Scheer

Somit gelangen den in beide Neumarkter Realschulen beziehungsweise ins Ostendorfer Gymnasium gehenden Jugendlichen gleich zwei gute Taten. Eigentlich waren sie vor Ort, um den Müll wegzuräumen. „Ich war gar nicht dabei. Ich wollte aber trotzdem beim Aufräumen helfen“, sagte eine Schülerin der Mittelbayerischent, als sie gerade einen vollen Müllsack in einen Einkaufswagen legen wollte.

Einkaufswagen angezündet

Die meisten von ihnen waren in der Chaosnacht nach der Entlassfeier nicht dabei. Die Schüler sammelten Müll am Samstagvormittag auf. Foto: Lothar Röhrl
Die meisten von ihnen waren in der Chaosnacht nach der Entlassfeier nicht dabei. Die Schüler sammelten Müll am Samstagvormittag auf. Foto: Lothar Röhrl

Der Wagen war einer von zwei, die in der Nacht zuvor nicht mit Benzin übergossen worden waren und dann angezündet wurden. Zwei weitere, aus dem neuen Discounter nahe des Weihers entwendete Wagen standen am Samstagmittag noch schwarz-verrußt und gänzlich unbrauchbar gemacht in der Nähe des Ufers des Baggersees.

Die Jugendlichen sammelten Abfall, der in Müllsäcke verstaut wurde. So kam eine Menge zusammen, die viermal einen Pkw-Anhänger vollmachte. Unter dem gesammelten Müll war eine große Menge an kleinen Schnapsflaschen. Diese waren achtlos im ausgedörrten Gras der Wiese zurückgelassen worden.

Jürgen Rupp, Feuerwehr-Aktiver und zudem Jugendbeauftragter der Gemeinde Sengenthal, zeigte der Mittelbayerischen einige von ihm selbst aufgehobene Flaschen. „Die wirken wie ein Brennglas, wenn sie direkt in der Sonne liegen.“ Die Vermutung des MZ-Reporters, dass etwa ein solches Fläschchen oder eine Glasscherbe den Waldbrand ausgelöst habe, wollte Rupp aber nicht bestätigen. Auch die Neumarkter Polizei hielt sich beim Punkt „Brandursache“ zumindest in ihrer abschließenden Pressemitteilung sehr zurück.

Mit einem der für die Feier entwendeten Einkaufswagen schafften die Jugendlichen den Müll vom Gelände am Bögl-Weiher weg. Foto: Lothar Röhrl
Mit einem der für die Feier entwendeten Einkaufswagen schafften die Jugendlichen den Müll vom Gelände am Bögl-Weiher weg. Foto: Lothar Röhrl

Den wahrscheinlichen Zusammenhang des verhinderten großen Waldbrands mit der Feier dementierte damit aber auch niemand. Umso wichtiger war es am Sonntag dem Kommandanten der Sengenthaler Wehr, Bastian Wittmann, bei einer Nachfrage der Mittelbayerischen ein großes für jene Jugendlichen zu äußeren, die den Waldbrand entdeckt hatten. „Wir wollten ein Zeichen setzen und uns damit gegen Vorwürfe zur Wehr setzen, dass unsere Generation im Fall eines Falls lieber feiern als Verantwortung übernehmen will“, lautete noch am Samstag der Tenor der von der MZ von den Jugendlichen gesammelten Stimmen. Tags darauf zeigte sich Wittmann verärgert darüber, wie im Internet teilweise über den Einsatz dieser Jugendlichen beim Aufräumen gelästert worden sei. Dass es welche gegeben hat, die nicht nur gefeiert, sondern danach den Müll weggeräumt hätten, werde zu Unrecht vollkommen außer Acht gelassen – sagte der Sengenthaler Kommandant.

Chaotische Bilder am Morgen

Zwei Mal fuhr ein Pkw mit Anhänger, um den Müll zu einem Wertstoff wegzubringen – auf eigene Kosten. Foto: Lothar Röhrl
Zwei Mal fuhr ein Pkw mit Anhänger, um den Müll zu einem Wertstoff wegzubringen – auf eigene Kosten. Foto: Lothar Röhrl

Wie schlimm es vor der Aufräumaktion am Bögl-Weiher ausgesehen haben muss, lässt sich nur erahnen. „Wir haben ein Schlachtfeld vorgefunden“, berichtete Markus Scheer, der sowohl an der Feier am Freitagabend, als auch am Samstagvormittag bei der Aufräumaktion teilgenommen hatte. Zunächst, bis gegen Mitternacht, sei alles noch gesittet abgelaufen. Da hatten die Entlassschüler beider Neumarkter Realschulen zusammen mit Freunden aus anderen Schulen gefeiert. Dann wurde andere Jugendliche gesehen, die zum Baggersee-Gelände gingen.

Der wegen der Brennglas-Wirkung gefährlichste Abfall lag zu Hunderten im Gras der Wiese am Bögl-Weiher. Foto: Lothar Röhrl
Der wegen der Brennglas-Wirkung gefährlichste Abfall lag zu Hunderten im Gras der Wiese am Bögl-Weiher. Foto: Lothar Röhrl

Viele Flaschen, eine Menge Dosen, etliche Bierkästen, ein Benzinkanister – wohl für einen Generator, den sie dabei hatten – führten diese mit. Sie nutzten dazu neben Rücksäcken auch vier von der Norma entwendete Einkaufswagen als Transporthilfe.

Wüste Bilder nach der Nacht

So sah es aus, bevor die Realschüler mit dem Aufräumen begannen. Dafür hatten die gesorgt, die nach Ende der Feier der Entlassschüler erst gekommen waren. Foto; Markus Scheer
So sah es aus, bevor die Realschüler mit dem Aufräumen begannen. Dafür hatten die gesorgt, die nach Ende der Feier der Entlassschüler erst gekommen waren. Foto; Markus Scheer

Als Markus Scheer und 13 andere Realschüler wie vereinbart um 8.30 Uhr kamen, habe es wüst ausgesehen. Unter anderem wurde wohl mit dem Benzin ein großer Kreis ins Gras ausgegossen und dann angezündet. „Als wir mittags fertig waren, war es wohl so sauber, wie schon lange nicht mehr am Baggersee“, sagte Scheer.

Unter dem weggeräumten Müll, der vier Anhänger vollmachte, war neben viel Plastik und einer Masse an Flaschen auch Altmetall. All das wurde zum Wertstoffhof der Gemeinde Sengenthal gefahren. Die Gebühr dafür habe man aus eigener Tasche bezahlt, fügte der Realschul-Absolvent noch an.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht