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Gewalt

Streit: Beide Nachbarn liegen im Koma

Nach der Attacke eines 63-Jährigen mit einem Bunsenbrenner in Batzhausen sind Täter und Opfer nicht vernehmungsfähig.
Von Lothar Röhrl, Andreas Friedl, Claudia Pollok und Eva Gaupp

  • Vor diesem Einfamilienhaus hatte sich die Tragödie abgespielt. Foto: Friedl
  • Mehrere Rettungswagen waren im Einsatz. Die beiden Schwerverletzten wurden in Spezialkliniken gebracht. Foto: Friedl
  • Die hölzerne Tür war angesengt; der Brand wurde mit dem Handlöscher erfolgreich von Anwohnern bekämpft. Foto: Friedl

Batzhausen. Streitereien unter Nachbarn kommen immer wieder vor. Doch für den Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, Stefan Hartl, hat der Angriff in Batzhausen eine „besondere Qualität“. Dort hatte am Montagabend ein 63-jähriger Mann zu einem Bunsenbrenner gegriffen und seinen 65-jährigen Nachbarn schwer verletzt.

Wie der Pressesprecher am Dienstag bekannt gab, befinden sich Täter und Opfer in einem so kritischen gesundheitlichen Zustand, dass beide ins künstliche Koma versetzt werden mussten. Deswegen könne die Kriminalpolizeiinspektion Regensburg noch nichts über mögliche Motive sagen, erklärte Hartl.

„Es ist bekannt, dass die beiden Männer seit längerem Streit hatten.“ Doch worum es in dem Streit ging, sei bisher nicht bekannt. Der Mann, der dem Opfer zu Hilfe kam, erlitt laut Hartl einen Schock und habe noch keine Angaben machen können. Die Vernehmungen der Zeugen und Anwohner dauerten ebenfalls noch an.

Unklar sei auch, ob das von Passanten am Tatort gefundene Beil und die Pistole tatsächlich von dem 63 Jahre alten Täter stammen und ob er die Waffen an diesem Abend auch benutzte.

Die Nachbarn schweigen

Der Vorfall war am Tag danach das Thema in dem kleinen Ort (Lks. Neumarkt). Die MZ hat mit einigen Nachbarn gesprochen, auch mit einem Mann, der mitgeholfen hatte, den 63-jährigen Angreifer zu überwältigen, jedoch möchte sich keiner darüber äußern und auch nicht namentlich genannt werden. Die Bürger waren tief betroffen über das, was in ihrem sonst so ruhigen 780 Einwohner zählenden Ort passiert ist. Alle waren sehr zurückhaltend, niemand wollte etwas dazu sagen, um was es bei dem Streit gegangen ist. Dass die beiden Nachbarn Differenzen hatten, war hingegen offenbar durchaus bekannt. Aber keiner hätte sich vorstellen könne, dass der Streit dermaßen eskalieren könnte.

Das Haus, in dem das Opfer wohnt, ist ein gut gepflegtes Einfamilienhaus. Gut bürgerlich. Er wird als ein sehr freundlicher Mann beschrieben, sympathisch und zuvorkommend. Er hatte früher eine leitende Funktion im Finanzbereich inne – inzwischen ist er im Ruhestand. Direkt nebenan lebt der 63-jährige Nachbar, der am Montagabend zum Bunsenbrenner gegriffen hat. Ihre Garagen sind zusammengebaut. Wie die MZ erfahren hat, wollte das Opfer mit seiner Familie schon längere Zeit wegziehen und das Eigenheim aufgeben – auch wegen des Streits mit den Nachbarn.

Mit Beil und Pistole

Wie die Polizei mitteilte, klopfte der mutmaßliche Täter wohl gegen 18 Uhr an die Haustür des Nachbarn. Als dieser öffnete, soll er ihm eine bislang unbekannte Flüssigkeit ins Gesicht und auf den Oberkörper gegossen und ihn mit dem Bunsenbrenner angezündet haben. Wie die MZ erfuhr, war der Mann auch noch mit einem Beil und einer Pistole bewaffnet.

Nachbarn waren auf die Tragödie aufmerksam geworden und dem Opfer zur Hilfe gekommen. Sie packten den mutmaßlichen Angreifer und hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Außerdem löschten sie den auflodernden Brand an der Tür. Täter und Opfer erlitten bei der Attacke schwere Brandverletzungen und wurden in ein Münchner und ein Nürnberger Krankenhaus eingeliefert.

An den Ort des Geschehens am Dahlienweg waren mehrere Rettungsfahrzeuge des Roten Kreuzes beordert worden. Diese bekamen es nicht nur mit den beiden Hauptbeteiligten zu tun, die sich wegen der offenen Flammen Brandverletzungen zugezogen hatten. Ein Anwohner erlitt in Folge der Aufregungen vermutlich eine Herzattacke.

Wie Kreisbrandinspektor Heinz Neugebauer auf Nachfrage berichtete, waren rund 30 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren Batzhausen und Seubersdorf zum Einsatzort gekommen. Sie mussten dabei keine Flammen mehr an der Tür bekämpfen, weil diese zuvor durch ein Handfeuerlöschgerät erstickt worden waren. Die hölzerne Tür zeigte deutliche Brandspuren.

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Das sagen Experten

  • Bei schweren Verbrennungen müssen zunächst die Vitalfunktionen gesichert werden, da die Blutgefäße durch die Verbrennungen undicht werden und das Gewebe mit Körperflüssigkeit überschwemmt wird, heißt es beim Zentrum für Schwerbrandverletzte im Klinikum Nürnberg Süd. Um das Herz-Kreislaufsystem zu stabilisieren, muss deshalb Flüssigkeit zugeführt werden.

  • Künstliches Koma:

    In ein künstliches Koma werden Patienten vor allem versetzt, damit sie die starken Schmerzen nicht spüren. Je nach Schwere der Verbrennung bleiben die Patienten zwei bis drei Tage sediert.

  • Das Zentrum:

    Das Zentrum für Schwerbrandverletzte im Klinikum Nürnberg Süd ist eines von drei Zentren in Bayern. Mit seinen acht Betten und seinem eigenen Operationssaal zählt es nach eigenen Angaben zu den größten und modernsten in ganz Deutschland. Ein interdisziplinäres Team aus Plastischen Chirurgen, Anästhesisten, Pflegekräften, Psychologen sowie Ergo- und Physiotherapeuten behandle rund 100 Schwerbrandverletzte im Jahr. Die Experten sind zuständig für alle großflächigen und tieferen Verletzungen, die durch Feuer, Verbrühungen, Explosionen, Chemikalien und Elektrizität verursacht wurden. Jedoch sollten Betroffene auch auch bei kleineren Verbrennungen im Gesicht, an Händen und Beinen sollten frühzeitig ins Zentrum für Schwerbrandverletzte gebracht werden, da die Auswirkungen solcher Verletzungen häufig unterschätzt würden. Deshalb sollten sie immer von einem Verbrennungsspezialisten begutachtet werden.

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