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Gesellschaft

Velburg zeigt Flagge gegen die AfD

Rund 130 Vertreter aller Parteien und Bürger demonstrierten lautstark auf dem Stadtplatz gegen eine Veranstaltung der AfD.
Von Eva Gaupp

Spontan hat sich eine Kundgebung gegen eine Wahlveranstaltung in Velburg zusammengetan. Initiator war Grünen-Stadtrat Dr. Roland Schlusche, der aber von Bund Naturschutz und allen anderen Stadtratsparteien unterstützt wurde.

Velburg. „Diese Partei wollen wir hier nicht haben!“ „Velburg ist bunt!“ Mit Kuhglocken, Rasseln, Ratschen, einer Vuvuzela und Tröten tun rund 130 Menschen am Montagabend lautstark ihre Meinung kund. Ganz spontan hatte sich die Kundgebung übers Wochenende organisiert, um auf dem Velburger Stadtplatz gegen die Wahlveranstaltung der AfD zu demonstrieren, die nur wenige Meter entfernt in einer Gaststätte stattfindet.

Er habe erst am Freitag von der Veranstaltung der AfD erfahren und dann versucht, alle Parteien, die im Velburger Stadtrat vertreten sind, zu mobilisieren, erklärt Dr. Roland Schlusche, Grünen-Stadtrat und Initiator der Kundgebung. „Natürlich auch bedingt durch die Vorkommnisse in Chemnitz.“ In erster Linie sei es das Ziel, ein Zeichen zu setzen, dass Velburg bunt und vielfältig sei. „Gegen Hetze und Hass! Das brauchen wir hier nicht. Nicht in Velburg, nicht in Bayern, nicht in Deutschland!“

Alle Parteien in Velburg vertreten

Auch Neumarkts SPD-Bürgermeister Gertrud Heßlinger mischt sich unter die Gruppe. Sie sei beruflich viel im Landkreis unterwegs und habe die AfD-Plakate mit der Terminankündigung entdeckt. Da habe sie sich gedacht, „da müsste man doch was machen“, erzählt sie. Insofern kam ihr die parteiübergreifende Initiative genau recht. Wenn sie sonst Zeit gehabt hätte, wäre sie zu dem Konzert gegen Rechts nach Chemnitz gefahren. „Es muss einen Aufstand der Anständigen geben“, fordert Heßlinger. Schon vor der Bundestagswahl, als die AfD in Neumarkt eine Wahlkampfveranstaltung abgehalten habe, sei sie mit anderen dagegen auf die Straße gegangen.

Warum er heute nach Velburg gekommen sei? „Weil ich Nazis scheiße finde“, nimmt Wolfgang Fick aus Pyrbaum kein Blatt vor den Mund. Er hält eine Fahne der Grünen hoch – genauso wie Markus Reischl, der aus Dietfurt hergefahren ist. „Das war mir wichtig“, sagt er. Die Mehrheit der Deutschen spreche sich gegen einen Rechtsruck aus, insofern bildeten sie die Mehrheit. Das müsse sich aber auch in der Öffentlichkeit zeigen.

Dr. Roland Schlusche hielt eine kurze Ansprache. Der Grünen-Stadtrat hatte die Aktion initiiert.
Dr. Roland Schlusche hielt eine kurze Ansprache. Der Grünen-Stadtrat hatte die Aktion initiiert.

„Ich finde es sehr schön, dass alle Parteien zusammenhalten, wenn es um so ein Thema geht“, sagt Christel Neufert aus Parsberg. Auch sie ist Mitglied bei den Grünen. Doch nicht nur Vertreter der Grünen und der SPD zeigen an diesem Abend Flagge – auch Vertreter der Freien Wähler und der CSU sind gekommen. „Wir stehen hier für unsere Grundwerte“, sagt Dr. Peter Burnickl, Vorsitzender des CSU-Ortsverbands Velburg. Am Freitag sei Dr. Schlusche auf ihn zugekommen, ob sich die CSU der Kundgebung anschließe. „Wir haben das kurz innerhalb der Partei abgestimmt und waren uns sofort einig.“ Burnickl ergreift dann auch neben Schlusche kurz das Wort, um vor den Demonstranten zu sprechen. „Grantl’n ja – Hetz’n nein!“, endet er und verweist auf eines der Plakate und Transparente.

Ein Video von der Demonstration sehen Sie hier:

Demonstration gegen AfD in Velburg

Michael Seitz gehört keiner Partei an. „Ich bin heute dabei, weil ich definitiv gegen Rechts bin“, sagt er. Er ist nicht allein gekommen, sondern hat seine Familie mitgebracht. Auch seine Tochter. Auch wenn sie erst in die erste Klasse gehe, habe er ihr doch erklärt, worum es an diesem Abend gehe. Er wolle nicht, dass die AfD in Velburg etwas zu melden habe. Deshalb habe er sich spontan entschlossen, an der Kundgebung teilzunehmen, als er am Wochenende davon gehört habe.

Kraus: Stolz auf seine Bürger

Bürgermeister Bernhard Kraus hat eigentlich Urlaub und eigentlich auch etwas anderes vor. „Ich habe dann umdisponiert“, sagt er. „Es war mir wichtig, hier dabei zu sein.“ Und er sei stolz auf seine Velburger, gibt er zu. „Ich bin jedem dankbar, der von seinem Sofa zuhause aufgestanden ist“, zitiert er die Worte des deutschen Außenministers Heiko Maas, der die Bequemlichkeit der Deutschen angeprangert hatte, nachdem es zu den fremdenfeindlichen und rechtsextremen Aktivitäten in Chemnitz gekommen war.

Auf Facebook wurde intensiv diskutiert:

„Man muss dieser Partei gegenübertreten, die dafür verantwortlich ist, dass völkisch-autoritäres Vokabular wieder gesellschaftsfähig geworden ist“, kritisiert Kraus die AfD. Die AfD verdrehe Fakten, verfälsche die Geschichte, träten die Menschenwürde mit Füßen. „Die Geschichte lehrt uns, dass radikale Parteien immer zu einer Willkürherrschaft führen.“

Spätestens seit die AfD gemeinsam mit Pegida in Chemnitz auf die Straße gegangen sei. Kraus weiß, dass bei der Bundestagswahl auch in seiner Stadt die AfD etliche Stimmen bekommen hat. „Das ist sehr beschämend“, sagt er und fügt an: „Was müssen das für Menschen sein?“

Vor dem Gasthof, in dem die AfD ihre Wahlkampfveranstaltung abhielt, kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung, die sich jedoch sofort auflöste, als ein Polizist sich näherte.
Vor dem Gasthof, in dem die AfD ihre Wahlkampfveranstaltung abhielt, kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung, die sich jedoch sofort auflöste, als ein Polizist sich näherte.

Nach Schlusches Rede machen die Demonstranten weiter Lärm – eine Botschaft an die AfD-Vertreter und -Anhänger, deren Veranstaltung mit dem Landtagskandidaten Werner Meier und MdB Peter Boehringer im Gasthof nebenan um 19 Uhr begonnen hat. Abgesehen von einem verbalen Scharmüzel am Rande, das sich schon auflöst, als sich ein Polizist nähert, bleibt alles friedlich. Die gut ein Dutzend beamten halten sich im Hintergrund. „Ich finde es superklasse“, freut sich Dr. Schlusche. Er habe 50 Personen erwartet und sei überrascht, dass es nun fast dreimal so viele geworden seien.

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