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Justiz

Mann zückte im Taxi Skalpell

Weil er die Fahrt nicht bezahlen wollte, soll ein 22-Jähriger den Fahrer angegriffen haben. Das Urteil steht noch aus.
Von Nikolas Pelke

Der 22-jährige Angeklagte mit seinem Verteidiger Malte Magold beim Prozessauftakt am Montag in Nürnberg  Foto: Nikolas Pelke
Der 22-jährige Angeklagte mit seinem Verteidiger Malte Magold beim Prozessauftakt am Montag in Nürnberg Foto: Nikolas Pelke

Nürnberg.Die Vorwürfe klingen genauso wahnwitzig wie ungeheuerlich: Weil er den Fahrpreis für die nächtliche Taxifahrt von Nürnberg in den Landkreis Roth nicht bezahlen wollte, soll ein 22-Jähriger im April 2019 versucht haben, den Fahrer mit einem Skalpell zu töten. Für den geplanten Mord soll der Mann den Taxifahrer zunächst an einen abgelegenen Ort gelotst haben. Dort habe der Mann dann die scharfe Klinge gezückt, um laut Anklageschrift erstens „den Fahrpreis nicht entrichten zu müssen“ und zweitens „ungestört die Tageskasse des Taxifahrers“ entwenden zu können.

Seit Montag muss sich der 22-Jährige vor der 16. Strafkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth wegen gefährlicher Körperverletzung mit versuchtem besonders schwerem Raub verantworten. An einem Freitagabend im April 2019 soll der Angeklagte kurz nach 23 Uhr am Nürnberger Hauptbahnhof in das Taxi eingestiegen sein. Rund 60 Euro sollte die rund 45-minütige Fahrt kosten. Gegen Mitternacht sollen Täter und Opfer am Zielort angekommen sein.

Heimtückischer Angriff

Doch anstatt die fällige Rechnung zu begleichen, soll der Fahrgast in einer abgelegenen Seitenstraße plötzlich ein scharfes Messer gezückt und damit auf den Mann hinter dem Steuer eingestochen haben. Während des heimtückischen Angriffs soll der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft geschrien haben: „Ich bring dich um. Gib dein ganzes Geld her.“ Mit der gefährlichen Waffe soll der Täter versucht haben, den Kopf des Geschädigten zu treffen.

Durch eine schnelle Armbewegung sei es dem Taxifahrer gelungen, den Angriff abzulenken. Durch die blitzschnelle Reaktion habe das Opfer „nur“ eine Stichwunde im linken Oberarm davongetragen. Beim Zustechen sei die Klinge des Skalpells abgebrochen. Wohl weil der Angreifer das Malheur mit dem Messer in der Hektik nicht mitbekommen hat, soll der Mann anschließend noch mit dem Plastikgriff des Skalpells gegen den Kopf des Geschädigten eingeschlagen haben, so dass dieser mindestens drei Kratzwunden am Kopf davongetragen haben soll. In diesem Moment soll der Taxifahrer mit Verweis auf Frau und Kinder den brutalen Angreifer um Gnade gefleht haben.

Nur weil der 22-jährige Messerstecher laut Staatsanwaltschaft fälschlicherweise wohl davon ausgegangen sei, auch so an das Geld des Taxifahrers zu kommen, soll der Täter von seinem Opfer auf dem Fahrersitz abgelassen haben. Diese Gelegenheit soll der Fahrer zur Flucht genutzt haben. Der Angreifer soll sich ebenfalls aus dem Staub gemacht haben. Wenige Zeit später klickten die Handschellen. Seitdem hat der Angeklagte in der U-Haft auf seinen Prozess gewartet.

Auf Strafrahmen geeinigt

Zum Auftakt des Verfahrens hat sich der jugendlich wirkende Bursche relativ reumütig gezeigt. Gleich nach der Verlesung der Anklage hat Verteidiger Malte Magold ein Rechtsgespräch vorgeschlagen. Am Rande der Verhandlung ist bekanntgeworden, dass wohl die harte Drogensucht für das Verhalten verantwortlich gewesen ist.

Hinter verschlossenen Türen einigten sich Staatsanwalt und Verteidigung auf einen Strafrahmen zwischen fünfeinhalb und sechs Jahren. Der junge Mann müsse nach dem Prozess eine zweijährige Entziehungskur absolvieren, um von den harten Drogen loszukommen, sagte Magold. Durch die Anrechnung der neunmonatigen U-Haft könne sein Mandant nach der Entziehungskur im besten Fall ohne weiteren Gefängnisaufenthalt direkt mit einem Neustart seines Lebens beginnen. Das Urteil soll spätestens am Mittwoch gesprochen werden.

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