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Neumarkt
Mittwoch, 23. Mai 2018 24° 8

Brauch

Haberer hielten in Breitenbrunn Gericht

Die Gruppe zog rußgeschwärzt und lärmend durch den Ort. Verkündet wurden die „Verfehlungen“ einiger Mitbürger.
von Ines Greiner

Am Bärbelbrunnen schworen die Haberer ihren Eid, der sie bei Todesstrafe zum Schweigen verpflichtet. Foto: Greiner

Breitenbrunn.Eine lange Geschichte hat der Brauch des Haberfeldtreibens in Breitenbrunn. Seit 1930 wird er hier gepflegt. Dabei werden auch einzelne Bürger aufs Korn genommen. Die Haberfeldgeschichten sollen allerdings so lustig vermittelt werden, dass der Betroffene selbst mitlachen kann. Das erklärt Matthias Kellermeier, Vorsitzender der Haberer. Ursprünglich hätten die Haberer bei ihrem Treiben aber auf gesellschaftliche Missstände oder die Unsitte einer bestimmten Person hingewiesen. Die Betreffenden wurden von den Dorfbewohnern ins sogenannte Habererfeld getrieben.

Der Mythos lebt weiter – so auch heuer am Faschingsdienstag. Ab 15 Uhr lief die Haberergruppe mit ungefähr 40 Haberern vom Sammelpunkt am Sportplatz zum Bärbelbrunnen. Allesamt hatten sie geschwärzte Gesichter, blickten finster und ernst drein und schwangen allerlei lärmende Instrumente wie Rasseln, Töpfe, Pfannen und Blechgeschirr. Das zahlreich wartende Publikum verfolgte vom Marktplatz aus das Geschehen. Schon von weitem her hörte das Publikum die Gruppe kommen und beobachtete, wie die Haberer um die Ecke an der Kirche marschierten und beim Bärbelbrunnen stehenblieben.

Unverbrüchliches Schweigen

Gemeinsam sagten alle Beteiligten den Haberereid auf, der bei Todesstrafe zum Schweigen verpflichtete: „Mir schwörn bei unserem Habererleben, unverbrüchliches Schweigen zu wahren über den Habererbund und über das heutige Treiben. Koa List und koa Gewalt, koa Zuchthaus, koa Tod soll uns bewegen, diesen Schwur zu brechen.“

Minuten langes Lärmen läutete dann das eigentliche Gaudium ein. Der Anführer, der sogenannte „Haberfeldmeister“, war an den weißen Gockelfedern an seinem Hut zu erkennen. Thomas Wittmann hatte diese Aufgabe übernommen. Er prangerte lautstark im Namen Karls des Großen die diversen „Verfehlungen“ an. Rüge um Rüge wurde so vorgetragen. Jedesmal fragte der Vorleser: „Is des wahr?“ Darauf antworteten die Haberer: „Ja, wahr is!“.

So erfuhren die Zuhörer unter anderem, dass ein Trio der Feuerwehr mit dem Auto auf dem Weg zum Skitagesausflug nach Österreich gewesen war – allerdings ohne die im Nachbarland vorgeschriebene Vignette. Auch der Bürgermeister bekam sein Fett weg: So verkündeten die Haberer, ihm sei am letzten Tag einer Wallfahrt das Weizen aus der Hand gefallen. „Drum den Rat: Mit dem Geld in der Gemeinde kannst machen, was du magst, nur ist gewiss: Die Verschwendung des Bayerischen Lebenssaftes namens Bier hat ein End. Sonst nehmen die Haberer des in die Hand“, hieß es beim Treiben.

Schauspiel vorbereitet

Wer ins Fettnäpfchen getreten war, wurde von den Haberern mit Ruß bemalt. Schließlich gab es auch noch eine schauspielerische Leistung: Rene Ferstl spielte den Bauern, der aus Angst vor den Haberern sichtlich zitterte. Er wurde beschuldigt, er habe das Tor auf dem Bolzplatz beschädigt. Hilfe nahte in Gestalt der Gendarmen, gespielt von Andreas Plankl und Manuel Wolf. Sie holten den Bauern aus dem Wirtshaus, während sich die Haberer versteckten – doch plötzlich kamen sie aus ihrer Deckung hervor und drängten die Gendarmen samt Bauer ins Wirtshaus. Zwei weitere Geschichten wurden noch gespielt – zu den Klängen von Gitarre, Bariton und Quetschn.

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