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Haberer zogen lärmend durch Breitenbrunn

Kein Missgeschick des vergangenen Jahres ließen die finsteren Gesellen unerwähnt. Was bei den Zuschauern in Breitenbrunn für viel Belustigung sorgte.
Von Georg Lenz

Haberermeister Thomas Wittmann führte die Haberer an. Foto: Lenz

Breitenbrunn.„Die Haberer kommen!“ Dieser in früheren Zeiten gefürchtete Warnruf hallte am Faschingsdienstag wieder lautstark durch die traditionsbewusste Marktgemeinde. Breitenbrunn pflegte mit dem alljährlichen Haberfeldtreiben althergebrachtes Brauchtum. Gleichzeitig wurde damit das Ende des Faschings eingeläutet.

Den historischen Vorbildern folgend, zogen abenteuerlich vermummte Gestalten mit rußgeschwärzten Gesichtern durch den Ort und verursachten dabei einen Heidenlärm. Angeführt vom Haberermeister Thomas Wittmann und gefolgt von einer großen Schar Schaulustiger wurden die armen „Sünder“ wortgewaltig „aufs Korn“ genommen.

Jeder, der im vergangenen Jahr irgendwie aufgefallen war, wurde lautstark öffentlich an den „Pranger“ gestellt. Beim schadenfrohen Publikum blieb dabei kein Auge trocken. Die verhängten „Strafen“ für die „Missetäter“ fielen aber durchweg recht „gnädig“ aus. Das wachsame Auge des Gesetzes in Gestalt der Gendarmerie verhinderte schlimmere „Auswüchse“.

Zur streng geregelten Zeremonie gehörte am Bärbelbrunnen vorweg der Haberer-Schwur, der strikt zur Verschwiegenheit verpflichtete. Sehr zur Gaudi des zahlreichen Publikums hatte der Haberermeister in der „Anklageschrift“ eine ganze Litanei von Missgeschicken vermerkt, die er dann mit sichtlichem Genuss verbreitete. Nach jeder „Schandtat“ fragte er in die Runde: „Haberer, is‘ woahr? „Woahr is‘, schallte es zurück.

Nichts war den Haberern im Vorjahr verborgen geblieben. So kamen auch verschluckte Gallensteine, die fernsehreife Verfolgungsjagd des Müllautos, die aus schwäbischer Sparsamkeit beim Stammtisch erfolgte „Neuauflage“ der Stempelkarte nach altem Muster, ein „freilaufendes“ Garagentor, sowie eine Presse-„Ente“ bei der SRK oder das geschäftstüchtige Pfand für die Schokobecher zugunsten der Garde ans Licht der Öffentlichkeit.

Das Haberfeldtreiben hat seinen Ursprung am Anfang des 18. Jahrhunderts im bayerischen Oberland. Damals tobte der „Spanische Erbfolgekrieg“ und Bayern hatte unter dessen schlimmen Folgen und dem kaiserlich-österreichischen Protektorat schwer zu leiden. Verrat war an der Tagesordnung. So versammelte sich zwischen Inn und Isar eine Gruppe aufrechter Männer, um diese Übeltäter öffentlich als hundsgemeine Lumpen anzuprangern und Volksjustiz zu üben.

Obwohl der Geheimbund der Haberer zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der Bildfläche verschwand, hat sich die Faszination des Verschwörerischen, der Vermummung, der Schmähreden sowie des Lärmmachens bis heute erhalten und belebt immer wieder erneut die Fantasie.

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