MyMz
Anzeige

Handwerk

In Neumarkt eröffnet ein Messerschleifer

Julian Botzenhart und seine Lebensgefährtin sind noch keine 40. Auch sonst passen sie nicht in die Klischees dieser Zunft.
Von Lothar Röhrl

Julian Botzenhart und seine Lebensgefährtin Tanja Litzelman haben sich auf alles rund um Messer und an andere scharfe Küchengeräte spezialisiert. Foto: Röhrl
Julian Botzenhart und seine Lebensgefährtin Tanja Litzelman haben sich auf alles rund um Messer und an andere scharfe Küchengeräte spezialisiert. Foto: Röhrl

Neumarkt.Messerschleifer: Das hört sich nach aussterbendem Beruf an. Dazu gibt es ein Bild im Kopf, bei dem jemand ein Messer bei heftigem Funkenflug über einen rotierenden Stein wetzt. Von wegen: Julian Botzenhart erfüllt keines dieser Klischees. Mit seinen 37 Jahren ist er weit vor dem Berufsaus entfernt. Und wehe, wenn auch nur ein einziger Funken fliegt. „Dann macht der Schleifer was verkehrt“, erklärt Botzenharts Lebensgefährtin Tanja Litzelman. Beide haben am Freitag in der Kastengasse 38 die „Schleiferei Aumühle“ eröffnet. Beide setzen um, was ein einmonatiger Test heuer Mitte des Jahres im Pop-Up Store in der nahen Klostergasse gezeigt hat: Es gibt Riesenbedarf an fachkundigem Schleifen von Messer und Scheren, wie sie im Haushalt gebraucht werden.

Die Tatsache, dass dieses neue Geschäft nur donnerstags (17 bis 19 Uhr), freitags (9.30 bis 18 Uhr) und samstags (8.30 Uhr bis 14 Uhr) offen hat, weist auf eine Besonderheit der beiden Unternehmer hin: Die Schleiferei betreiben sie im Nebengeschäft. Julian Botzenhart ist gelernter Maschinenbauer - und damit schon lange mit dem Werkstoff „Stahl“ vertraut. Tanja Litzelman ist die überwiegende Arbeitszeit einer Woche im Vertrieb eines Unternehmens tätig.

Rund um die Aumühle

  • Wissensvermittlung:

    Einmal im Monat wird Julian Botzenhart ein Seminar über die Messerschleiferei halten. Dieses ist kostenlos. Interessenten erfahren alles rund um Klingen und Schleifmethoden.

  • Jeder Teilnehmer

    eines Seminars kann zu schärfende Messer und Scheren mitbringen; deren Schleifen kostet den üblichen Preis.

  • Erstes Seminar

    ist am Freitag, 29. November, ab 18 Uhr. Infos und Anmeldungen (für jeweils maximal acht Personen) sind über Telefon 094 95/90 37 000 oder E-Mail schleiferei.aumuehle@icloud.com möglich.

Die Vorgeschichte dazu, dass es jetzt diese Schleiferei gibt, begann mit dem Erwerb einer kleinen Schafherde. Julian Botzenhart wollte mit den zwölf Tieren, die beide im Breitenbrunner Ortsteil Aumühle, alles machen können, was Schäfer mit ihnen auch normalerweise machen: Scheren und Schlachten. Doch scharfe Messer waren zunächst nicht vorhanden, Wohl aber die Vorliebe Julian Botzenharts für „Stahl“. Bei einem alten Schäfer, den er in der Nähe von Fürth kennenlernte, lernte Botzenhart auch alles kennen, was ein gutes Schneidewerkzeug ausmacht. Die Verarbeitung von Stahl, die beste Geometrie einer Klinge und die unterschiedlichen Methoden beim Scharfmachen: Das empfand Botzenhart als spannend.

Warnung vor Minderwertigem

Und er erlernte auch den Respekt vor handwerklich einwandfrei produzierten Messern. Inmitten einer Flut von Produkten, die direkt aus China kommen oder in Einzelteilen dort hergestellt werden, entschied sich Botzenhart zur Förderung von zwei kleinen deutschen Firmen. Diese haben in der deutschen Klingenstadt schlechthin ihren Firmensitz: in Solingen. Weil Botzenhart den Absatz der deutschen Produkte fördern möchte, hat er deren Verkauf sowie den Absatz von Accessoires wie hölzerne Schneidebrettern zur einer Hälfte des Geschäftsgebarens gemacht. Das Schleifen von Messern ist die andere Hälfte.

Ihn erschrecke immer wieder, wie zerschunden bis zerstört die Klingen vieler Messer sind, die Kunden zu ihm bringen. „Es wird so vieles verkehrt gemacht. Manches liegt schlicht an den verwendeten Schleifsteinen.“ Wer beim Kochen ein gut-funktionierendes Messer einsetzen will, sollte beim Schleifen nicht sparen – lautet Botzenharts Rat.

Schleifer zunehmend gesucht

Der junge Schleiferei-Inhaber bedauert, dass es nicht viel Nachwuchs in seiner Zunft gibt. Dabei habe dieser Beruf durchaus Perspektive. Sie werde sogar immer besser. Immer mehr werden daheim zu Köchen. Die vielen Kochsendungen im Fernsehen lassen grüßen. Der Wert hochwertiger Lebensmittel werde auch zunehmend gesehen. Und deshalb soll das Umsetzen von Rezepten in der eigenen Küche nicht an Messern scheitern. Diese Denkweise vieler sei Grundlage seiner Geschäftsidee gewesen.

Julian Botzenhart weiß, dass er nicht der einzige Scheren- und Messerschleifer in der Stadt und im Landkreis Neumarkt ist. Etwa in Neumarkt gibt es mit Reimund Geiger (Regensburger Straße 21 schon lange einen Branchenkollegen. Geiger hat zudem Kunden aus der Industrie. Botzenhart spezialisiert sich auf Privatkunden. Die dürfen auch Rasenmähermesser und Gartenscheren bringen.

Alles begann im Pop-Up Store

Die ein oder anderen Kunden in Neumarkt haben die „Aumühle“-Betreiber Botzenhart und Litzelman schon. Die ergaben sich bei einigen Auftritten auf dem Neumarkter Bauernmarkt. Dass jetzt gleich ein Geschäft daraus geworden ist, hat mit dem „Pop-Up Store“ im Frühjahr zu tun. Zwei Wochen von Ende Mai bis Anfang Juni hatte der Marketingverein „aktives Neumarkt“ das Anwesen Klostergasse 7 der Schleiferei Aumühle reserviert. „Ich bin dem Christian Eisner noch heute sehr dankbar für diese Möglichkeit. Denn sie hat uns gezeigt, dass die Neumarkter unsere Geschäftsidee begrüßen“, sagte Botzenhart am Tag der Eröffnung des als „dauerhaft“ gedachten Ladens in der Kastengasse 38 über den „aktives Neumarkt“-Geschäftsführer.

Mehr aus Neumarkt und Umgebung:

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht