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Kaiserkrönung von 1954 auf Schallplatte

Vor 60 Jahren hatte der Bayerische Rundfunk eine Fünf-Minuten-Reportage über Dietfurts Chinesenfasching gemacht. Davon existiert eine Platte.

Auf dieser Platte ist die Kaiserkrönung festgehalten. Foto: ufb

Dietfurt.Der Chinesenfasching am Unsinnigen Donnerstag steht heuer unter dem Motto „60 Jahre Kaiserei – Stadt und Land ois is dabei!“ Damit soll auf die erste Kaiserkrönung hingewiesen werden, die Bayrisch China 1954 erlebte und die ein großes Interesse gefunden hat.

Dieses Ereignis hat der Bayerische Rundfunk für so bedeutsam erachtet, dass er damals schon vom Geschehen in der 7-Täler-Stadt berichtete. Die fünf Minuten Reportage wurde auf eine Schellackplatte gebrannt, kam dann nach Hamburg, landete schließlich in Paris und befindet sich jetzt in den Händen eines Dietfurters.

Nicht erst in den vergangenen Jahren, auch früher schon erregten die Dietfurter mit ihrem Chinesenfasching Aufsehen. 1954 kam erstmals ein Team des BR, um ganz Bayern über etwas Außergewöhnliches, die Krönung eines Kaisers inmitten des weiß-blauen Freistaates, zu informieren. Im Vergleich zu heute war dafür damals ein großer personeller und technischer Aufwand erforderlich.

Dank Gerhard Borchert, Redakteur der Süddeutschen Zeitung – der Münchener hat Mühlbach als Altersruhesitz gewählt – erlebte vor etwa 20 Jahren die Übertragung der Kaiserkrönung im Radio eine Renaissance. Borchert, leidenschaftlicher Schallplattensammler, bekam wie so oft einen Katalog mit Angeboten von Platten-Raritäten. Darin fand er in der Rubrik „Wortaufnahmen“ den Hinweis, dass sich in Paris eine Schallplatte mit dem Vermerk „Kaiserkrönung 25. Februar 1954“ befindet.

In Hamburg und Paris

Obwohl es keine weiteren Infos gab, vermutete der Wahl-Mühlbacher, dass es sich dabei um die Kaiserkrönung in Dietfurt handeln könnte. Er recherchierte und fand heraus, dass die Platte von Sammlern zuerst nach Hamburg und später in die Nähe von Paris gekommen ist. Er bestellte den Tonträger, der bald darauf per Post nach Mühlbach kam. Borchert hatte mit seiner Annahme recht und weihte Anton Bachhuber ein, der 1975 Kaiser von Bayrisch China war. Für ihn gab es nichts anderes, als das einmalige Dokument von Borchert zu kaufen und gut aufzubewahren.

Da Bachhuber kein geeignetes Gerät hatte, um die Platte abzuspielen, wandte er sich an Max Krieger in Riedenburg, Inhaber des dortigen „klingenden Museums“, der auch Besitzer eines hochmodernen Tonstudios ist. HiFi-Experte Krieger sagte seine Hilfe zu und zeigte sich vom guten Zustand der mit Zelluloidlack überzogenen Aluminiumscheibe überrascht. „Die ist ein wertvolles Unikat. Ich rate davon ab, sie öfters wieder abspielen zu lassen, denn irgendwann ist die Aufnahmen kaputt.“

Krieger benützte deshalb einen schonenden Tonabnehmer und freute sich mit Bachhuber über die gute Qualität der Reportage von der Kaiserkrönung. Um sie zu sichern, ließ Bachhuber die Aufnahme auf CDs brennen. Eine davon überließ er dem städtischen Archiv.

Nach „60 Jahren Kaiserei“ sind nicht nur die Original-Platte sondern auch die CDs ein unwiederbringliches Dokument. Wer die Aufnahme hört, kommt ins Schwärmen, ebenso wie der RB-Reporter Michael, der auf dem Tonträger zu hören ist: Er lobt „Dietfurt im Altmühltal, über dem heute ein Chinesischer Hauch liegt“ und beschreibt den hier gebotenen Fasching als echte Besonderheit. Mit euphorischer Stimme ruft er ins Mikrofon: „Zu Tausenden sind die Leute gekommen, aus Beilngries, Riedenburg, Hemau und Umgebung.“

Das erste Kaiserlied

Dann interviewt er Bürgermeister Hans Meister. Vom ihm will der BR-Reporter wissen, ob sich die Dietfurter ärgern, wenn sie als Chinesen verspottet werden. Meister lacht: „Im Gegenteil, wir freuen uns darüber.“

Dann hört man Prinzessin Lisbeth (Elisabeth Mühlbauer, verheiratete Werner) und Prinz Carolus (Karl Werner), wie sie dem angehenden Kaiser Ma-Ler-Gie (Malermeister Egid Prock) huldigen. Und schließlich bekommt man mit, wie Prinz Carolus, begleitet von launigen Worten und Jubelrufen des Chinesenvolks, dem Kaiser die Krone aufs Haupt setzt.

Außerdem ist auf der Platte noch eine Besonderheit dokumentiert: das erste Kaiserlied. Den Text schrieb Schwester M. Valeria Beckenbauer, Oberin der Dietfurter Schulschwestern. Mit voller Inbrunst wurde das Lied nach der Melodie „Alle Vöglein sind schon da…“ angestimmt und von den Tausenden Zuschauern gesungen. Die Umrahmung oblag der Stadtkapelle unter der Leitung von Kapellmeister Karl Reinsch.

Um vor 60 Jahren eine große singende Gemeinde auf dem Stadtplatz zu haben, mussten die Kinder im Kindergarten und in der Schule das Kaiserlied lernen. Ein Original des Liedes (mit einer Schreibmaschine geschrieben, deren Buchstaben schlecht angeschlagen haben) hat Anton Bachhuber in seinem kleinen Archiv. Der Text von damals würde auch heute noch passen, wenn man die in Klammern gesetzte Worte verwenden würde.

1. Unser Kaiser lebe hoch, Kaiser der Chinesen! Alle haben große Freud über deine(n) Krönung (Festtag) heut. Herrschen sollst nach altem Zopf, bleib uns lang erhalten!

2. Bayrisch China immerdar, goldnes Reich der Mitte. Leben sollst viel tausend Jahr, blühen herrliche immerdar, Bayrisch China, schönes Land, lange, lebe, lange!

3. Unser Pfinsta ist ja heut, es wissen dies doch alle Leut. Unser Kaiser Ma-Ler-Gie (Ko-Houang-Di) ist ja unser größtes Vieh. Närrisch ist die ganze Stadt, wenn sie auch viel Sorgen hat. (ufb)

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