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Politbande will in Nürnberger Stadtrat

Kreative sammeln Unterschriften für ihre Wahlliste. Dafür gehen sie ungewöhnliche Wege und veranstalten Partys.
Von Nikolas Pelke

Theobald Fuchs will mit der Politbande mehr Freiräume für Kreative in Nürnberg schaffen. Foto: Politbande
Theobald Fuchs will mit der Politbande mehr Freiräume für Kreative in Nürnberg schaffen. Foto: Politbande

Nürnberg. Unter dem Motto „Deine Stimme für die freie Szene“ will sich die Politbande in der Stadt Nürnberg für die Entwicklung einer „nachhaltigen, sozialen und kulturell blühenden Stadtgesellschaft“ einsetzen. Die „Politbande“ braucht bis zum 3. Februar mindestens 610 Unterschriften, um zur Kommunalwahl zugelassen zu werden. Theobald Fuchs ist promovierter Physiker und arbeitet in Nürnberg als Autor und Wissenschaftler. Auf der Wahlliste der Politbande steht Theobald Fuchs auf Platz 4 der Kandidaten für den Nürnberger Stadtrat. Im Interview mit der Mittelbayerischen spricht er über die Ambitionen der Liste.

Herr Fuchs, wie viele Unterschriften fehlen noch für die Zulassung zur Kommunalwahl?

Momentan haben wir genau 239 Unterschriften für unsere neue Wahlliste gesammelt.

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Woher wissen Sie das so genau?

Das weiß ich immer ganz genau, weil man im Internet auf der Homepage des Wahlamtes den aktuellen Unterstützerstand für neue Wahllisten praktisch in Echtzeit nachsehen kann.

Also genau 239. Das bedeutet allerdings, dass noch ein paar Unterschriften fehlen.

Ja, wir brauchen genau 610 Unterschriften, um mit der Politbande für die Kommunalwahl am 15. März in Nürnberg zugelassen zu werden.

Wie steht es um Ihre Nerven? Haben Sie schon Panik angesichts der fehlenden Unterschriften?

Nein (lacht). Noch sind wir ganz entspannt. Aber im Ernst: Wir sammeln ernsthaft erst seit zwölf Tagen. Wir haben also noch genügend Zeit, die nötigen Unterschriften zu bekommen. Ein Selbstläufer ist die Sache allerdings nicht.

Was macht die Sache so schwierig?

Das Problem ist, dass die Unterstützer unserer neuen Politbande ihre Unterschrift persönlich bei der Stadt zum Beispiel im Rathaus abgeben müssen. Inklusive Ausweis natürlich. Dummerweise sind die Öffnungszeiten gelinde gesagt nicht ganz einfach. Besonders für Berufstätige und Nachtschwärmer sind die Öffnungszeiten von Bürger- und Einwohnerämtern ziemlich ungünstig.

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Was haben Sie sich einfallen lassen, um den städtischen Öffnungszeiten eine lange Nase zu zeigen?

Wir veranstalten jetzt Unterschriften-Partys. Dazu treffen wir uns am Nachmittag im Filmhaus-Café. Dort sprechen unsere Kandidaten über unsere Ziele. Und dann wandern wir gemeinsam ganz vergnügt zum Rathaus zum gemeinsamen Unterschreiben. Auf dem Weg vom Filmhaus zum Rathaus sprechen wir natürlich noch möglichst viele potenzielle Unterstützer spontan auf der Straße an. Die nächste Unterschriften-Party findet übrigens am Mittwoch statt.

Können Sie eigentlich ungestört sammeln oder gibt es Konkurrenz von anderen neuen Wahllisten?

In Nürnberg werben insgesamt fünf neue Wahllisten um die Unterstützung der Bürger. Ich glaube, die Bayernpartei hat derzeit um die zwölf Unterschriften ergattert – Nürnberg ist halt doch Franken (lacht).

Apropos Unterstützung: Welche Ziele verfolgt Ihre Politbande konkret?

Wir wollen mehr Freiräume für Kreative in der Stadt schaffen. Dazu wollen wir die bürokratischen Hürden für die unabhängigen Initiativen in der Stadt deutlich verkleinern. Wir wollen einfach nicht mehr hinnehmen, dass immer mehr kreativen Ideen an der engstirnigen Rathauspolitik scheitern.

Höre ich in Ihren Worten eine leise Kritik an der Amtsführung von Oberbürgermeister Ulrich Maly heraus?

Die bisherige Administration hat sich in meinen Augen zu sehr aufs Verwalten verlegt und hat dabei das aktive Gestalten im Sinne einer vielfältigen und diversen Stadtbevölkerung vernachlässigt. Dabei ist ganz viel kaputt gegangen für die freie Kreativszene, wie das ehemalige Quelle-Gebäude oder das KOMM. Von den vernachlässigten Radwegen, den inflationären Hotelbauten, der schleppend stattfindenden Digitalisierung oder den kaputten Nebenstraßen ganz zu schweigen. Maly hat sicher ein tolles Charisma. Aber aus meiner Sicht ist die Bilanz, wenn ich an die letzten 15 Jahre zurückdenke, erstaunlich mager.

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Das hört sich relativ dramatisch an.

Ist es auch. Früher ist Nürnberg ein Magnet gewesen. Heute wandern die jungen Kreativen nach Berlin oder Leipzig ab. Für eine zukünftige Kulturhauptstadt ist das fatal. Uns geht es darum, dass die Stadt der freien Szene nicht mehr den Rücken zukehrt. Und den Kreativen obendrein noch so viele Steine in den Weg legt. Am besten wäre es, wenn die Stadt helfen würde, Steine aus dem Weg zu räumen. Wir haben übrigens nichts gegen die Mitarbeiter in der Verwaltung. Wir haben einfach nur das Gefühl, dass in dieser Stadt auf der obersten Ebene nur mit viel Geld etwas läuft. Deshalb wollen wir mehr Kompetenz und mehr Transparenz in die Stadtverwaltung tragen.

Welche Chancen rechnen Sie sich aus, falls Sie an dem Urnengang im März tatsächlich teilnehmen dürfen?

Wir wollen mindestens einen Stadtrat oder eine Stadträtin stellen. Zwei oder drei wären freilich noch besser. Dafür werden wir pro Sitz je nach Wahlbeteiligung wohl rund 2500 Stimmen benötigen. Doch zunächst müssen wir zur Wahl überhaupt erst einmal zugelassen werden. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass uns das auch gelingt.

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