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Erster Weltkrieg

Kriegsbeginn: Bürger horten Silbergeld

Die unsichere Zukunft schürt bei den Neumarktern die Angst vor einer Entwertung des Papiergelds. Auch die Temperaturwerte sinken am 6. August 1914.

So sah eine Mark im Deutschen Reich aus. Foto: dpa

Neumarkt.Der Krieg ist erst wenige Tage alt. Noch sind die späteren Schrecken wohl für die meisten Menschen nicht vorstellbar. Das Wetter dieser Tage nimmt aber die Entwicklung der kommenden Jahre symbolisch vorweg. Gewittrige Störungen meldet das Tagblatt bei 22 Grad. Wesentlich kälter ist das Wasser im Neumarkter Freibad. Nur hartgesottene Schwimmer dürften sich bei 16 Grad Wassertemperatur ins Becken gewagt haben.

Dass aber nicht nur wettermäßig Spannung in der Luft liegt, zeigen andere Meldungen in der Tagblatt-Ausgabe vom 6. August 1914. So berichtet die Zeitung von einem Vorfall in Kastl, der die Nervosität und Angst vor feindlichen Spionen zeigt, die herrscht. Ein Auto mit zwei Personen sei in Kastl angehalten worden, berichtet die Heimatzeitung. Wie sich herausgestellt habe, seien die Papiere der beiden Personen falsch gewesen.

Für eine gewisse Nervosität in der Bevölkerung spricht auch eine Meldung des Rentamtes. Demnach hat dieses in den vergangenen zehn Tagen 32 000 Mark Silbergeld ausgegeben. Es ergeht die amtliche Aufforderung an die Neumarkter Bürger, Bargeld nicht zu horten.

Die Angst vor der unsicheren Zukunft, die die Menschen zum Anhäufen von physischen Werten veranlasst, wird jedoch an diesem Tag noch weiter befeuert. Aus dem Tagblatt erfahren die Neumarkter mit zwei Tagen Verspätung, dass auch Großbritannien und sein weltumspannendes Empire am 4. August dem Deutschen Reich den Krieg erklärt haben. Nun ist auch die letzte europäische Großmacht in den Krieg verstrickt.

Es werden noch mehr Neumarkter Männer in den Krieg ziehen. Das weiß offensichtlich auch der Fotograf Stegmeier in der Bahnhofstraße, der darin eine Geschäftsmöglichkeit erblickt. Eine Anzeige im Tagblatt wirbt bei Einberufenen und deren Verwandten, auf dem Weg zum Zug, der die Männer in den Krieg bringen soll, noch schnell ein Erinnerungsfoto machen zu lassen.

Nach Feiern ist den Menschen verständlicherweise nicht zumute. Die Mühlhausener Kirchweih, die am 9. August hätte stattfinden sollen, fällt daher 1914 aus, wie eine Meldung verkündet.

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