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Erster Weltkrieg

Kriegsbeginn: Die Gerüchteküche brodelt

Tag zwei des Weltkriegs bringt Verunsicherung in der Neumarkter Bevölkerung. Die Behörden warnen: Wer Gerüchte streut, den erwarten harte Strafen.
von Wolfgang Endlein

Für die deutschen Soldaten geht es in den Krieg. Foto: dpa

Neumarkt.Extrablätter haben laut Tagblatt vom 3. August bereits die Nachricht von einer Mobilmachung und der Kriegserklärung Deutschlands an Russland in Neumarkt verkündet. Warum das Tagblatt aber am 2. August in großen Buchstaben auf Seite eins nur von einer Kriegsgefahr schreibt und die Mobilmachung nicht erwähnt, ist 100 Jahre später nicht mehr zu rekonstruieren.

Fest steht, dass die Neumarkter auf Seite zwei in großen Buchstaben „Im Namen Sr. M. des Königs“ die Bekanntmachung über die Verhängung des Kriegszustandes lesen können. In weiteren amtlichen Meldungen wird daraufhingewiesen, dass dies nicht gleichbedeutend mit dem Kriegsausbruch ist. Vielmehr handle es sich um einen rechtlichen Mechanismus, durch den Rechte der Verwaltung auf das Militär übergehen und vorausgreifende Maßnahmen für einen möglichen Krieg getroffen werden.

Letztere erläutern weitere Bekanntmachungen. So ist allen voran das Tagblatt selbst von der Verhängung des Kriegszustandes betroffen. So heißt es: „Das durch Allerhöchste Verordnung verhängte Verbot von Presseveröffentlichungen über Truppenbewegungen und Verteidigungsmittel ist genauestens zu beachten“. Fortan dürften nur noch Pressemitteilungen des Generalstabs oder durch diesen zensierte Berichterstattertexte gedruckt werden.

An die Neumarkter Bevölkerung enthalten die amtlichen Verlautbarungen insbesondere den strengen Hinweis, dass es bei Strafe verboten sei, Gerüchte zu streuen.

Der Stadtmagistrat, gleichbedeutend mit dem heutigen Stadtrat, trifft derweil Maßnahmen, um kriegswichtige Infrastruktur zu schützen. Ein bewaffneter Zivilschutz, dessen Männer an einer weiß-blauen Armbinde zu erkennen sind, soll Bahngleise, Telegrafen- und Telefonleitungen bewachen.

Die dramatischen Entwicklungen der vergangenen Tage und Wochen halten die Menschen auch in Neumarkt nicht ab, ihr persönliches Glück zu suchen. So ist in der Ausgabe vom 2. August unter Anzeigen zu lesen: „Heirat. Oekonomssohn, 35 Jahre, katholisch, 4000 Mark Erbteil, wünscht in Neumarkt oder Umgebung in ein Geschäft oder ein schönes Anwesen einzuheiraten.“ (en)

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