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Rückblick

Als der große Kanal geflutet wurde

Beilngries stand am 31. Juli 1992 deutschlandweit im Blickpunkt. Zeitzeugen erinnern sich an die Flutung des RMD-Kanals.
von Johann Grad

Geschafft, das Wasser strömt! Der Traum wurde wieder wahr: Nordsee und Schwarzes Meer sind verbunden. Fotos: RMD AG
Geschafft, das Wasser strömt! Der Traum wurde wieder wahr: Nordsee und Schwarzes Meer sind verbunden. Fotos: RMD AG

Beilngries.„Der 31. Juli 1992? Einer der bedeutendsten Tage für Beilngries, bedeutender als die Kanaleröffnung“, sagt Helga Sillner, damals Stadträtin und Zeitzeugin wie auch Georg Wagner, der zustimmend nickt. Auch Angelika Hahn bestätigt diese Aussage.

Wie war es damals? Die Zeitzeugen Siegfried Gallus (v.l.), Josef Keckl, Angelika Hahn, Helga Sillner und Georg Wagner erinnern sich. Foto: Grad
Wie war es damals? Die Zeitzeugen Siegfried Gallus (v.l.), Josef Keckl, Angelika Hahn, Helga Sillner und Georg Wagner erinnern sich. Foto: Grad

Tatsächlich war die Altmühlstadt in aller Munde, auf den Bildschirmen präsent, in den Nachrichten war davon zu hören, in den Zeitungen stand vom Ereignis seitenweise am nächsten Tag. Für das große Medienecho sorgten die vielen Presseleute, die es in die Stadt und hinaus zum fast fertigen Kanal getrieben hatte. Viel Prominenz rückte an, und noch viel mehr gewöhnliches Volk.

Das Eis gab es in die hohle Hand

Und warum der ganze Aufruhr in der Altmühlstadt? Ein Damm quer durch den Rhein-Main-Donau-Kanal trennte Wasser und trockenes Land. Zwei große Bagger standen auf dem Wall und eine mächtige Rohrleitung wölbte sich darüber. Bürgermeister Willy Muschaweck, Dr. Konrad Weckerle und Diplom-Ingenieur Hans Peter Seidel von der RMD-AG, der bayerische Wirtschaftsminister Gustl Lang schwangen Reden vom Jahrhundertereignis, hoben die Bedeutung der Großschifffahrtsstraße für Bayern hervor und sprachen von Impulsen für den Tourismus und für den Handel zwischen Ost- und Mitteleuropa.

Die Zeitleiste zeigt die Entwicklung des RMD-Kanals:

Zeitzeuge Siegfried Gallus, damals zuständig für die Bewirtung der 450 Ehrengäste und von Tausenden Normalbürgern, erinnert sich, dass alles schnell aufgebaut werden musste. Baufirmen schotterten und planierten das Gelände, ein Bierzelt samt Infrastruktur kam darauf, wegen der Sonne spannte man noch einen riesigen Fallschirm vor dem Zelteingang auf. Es gab viel zu tun und am Nachmittag des 31. Juli war alles an die Frau und den Mann gebracht. Zum Schluss hatte man noch Speiseeis, aber keine Waffeln mehr. Also kam das Eis in die hohle Hand und wurde schnell verzehrt.

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Nach den Reden kam der große Augenblick: Minister Gustl Lang und Ministerialdirektor Heinz Contzen aus Bonn drückten vor vielen Kameralinsen in zwei Baggern Hebel, Knöpfe und Pedale, die großen Schaufeln schlugen genau um 11.20 Uhr eine Bresche in den Damm und Wasser stürzte in den trockenen Kanalteil. Auch aus den dicken Rohren strömte Wasser, das unbedingt ins Schwarze Meer wollte. Schulkinder sangen Lieder, die Blaskapelle schmetterte Märsche, Stadtpfarrer Michael Harrer segnete Leute und Wasser und viele Kinder ließen weißblaue Luftballons steigen. Dann strömte alles an die Biertische, kein Wunder bei der Hitze.

Wie sich der Güterverkehr auf dem Kanal entwickelt hat, zeigt die Grafik:

„Der RMD AG pressierte es, der Kanal sollte im Herbst in Berching eröffnet werden, für Beilngries gab es die Flutung des Kanals als Schmankerl“, meint Josef Keckl. Der Wasserbauer stand damals als Bauleiter an vorderster Front.

Kanal hat einiges gebracht

Im Gespräch der Zeitzeugen taucht noch so einiges auf. Der Streit um das Lagerhaus der Firma Brand erhitzte die Gemüter aufs Äußerste, doch die RMD AG hielt sich da heraus, so Keckl. Den Verlust des Ottmaringer Moores diskutieren die Zeitzeugen ebenfalls. Beilngries habe dem Kanal aber auch einiges zu verdanken, so Helga Sillner. Die RMD AG brauchte Gelände, ein großes Stück vom Stadtwald wurde verkauft und mit dem Geld entstanden das Senioren- und das Pflegeheim. „Die Feuerwehr bekam eine Drehleiter, um bei einem Schiffsuntergang die Leute retten zu können“, erinnert sich Wagner.

Die Flutung lockte Tausende von Schaulustigen nach Beilngries. Foto: RMD AG
Die Flutung lockte Tausende von Schaulustigen nach Beilngries. Foto: RMD AG

Die Kommunen waren darauf bedacht, ja nicht zu kurz zu kommen. Alle wurden möglichst gleich behandelt, so Keckl. Helga Sillner, die als Reiseleiterin oft am Kanal entlang fährt, sieht den Kanal positiv und bezeichnet die Stecke bis Kelheim als „weltoffenes Tal“.

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