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Resümee

Die Riedenburger Runderneuerung

Der Kanal hat die Stadt völlig verändert. Ein Gewinn, der aber nicht alle Sorgen löst, bilanziert Altbürgermeister Schneider.
Von Martina Hutzler

„Wir bekamen die einmalige Chance, das Stadtbild neu zu gestalten“: Altbürgermeister Schneider blickt zufrieden auf den Kanalbau zurück. Foto: Hutzler
„Wir bekamen die einmalige Chance, das Stadtbild neu zu gestalten“: Altbürgermeister Schneider blickt zufrieden auf den Kanalbau zurück. Foto: Hutzler

Riedenburg.Ein Flussbett läuft leer, ein Kanal füllt sich, eine „neue“ Altstadt entsteht: Der Main-Donau-Kanalbau hat Riedenburg vor 20, 30 Jahren so grundlegend gewandelt, wie es heutzutags kaum mehr eine Stadt erlebt. Trotzdem sind es auch pragmatische Detail-Erkenntnisse, die der damalige Dritte, Zweite und ab 1984 Erste Bürgermeister Michael Schneider in den Jahren ab 1973 gewonnen hat. Etwa zu DIN-Normen (dehnbar) und zu Sitzungssälen (weniger dehnbar)…

„Wir bekamen die einmalige Chance, das Stadtbild neu zu gestalten“: Altbürgermeister Schneider blickt zufrieden auf den Kanalbau zurück. Foto: Hutzler
„Wir bekamen die einmalige Chance, das Stadtbild neu zu gestalten“: Altbürgermeister Schneider blickt zufrieden auf den Kanalbau zurück. Foto: Hutzler

Fundamentale Fronten vermag der heute 70-Jährige auch im Rückblick nicht auszumachen in seiner Heimatstadt: „Klar, Hoffnungen und Ängste“ habe das Bauprojekt bei den Bürgern ausgelöst. „Aber es war auch klar: Der Kanal ist Bundes- und Landessache, der Protest dagegen ebenso. Kommt der Kanal, wird er an der Stadt vorbeiführen und den Wasserspiegel um vier Meter senken“.

Der inzwischen verstorbene Anton Mayer (links) aus Oberhofen, Mitbegründer der Bürgerinitiative „Rettet das Altmühltal“, hat seiner Heimat und dem Altmühltal in zwei Büchern ein Denkmal gesetzt. Das zweite übergab er 2009 an den damaligen Bürgermeister Michael Schneider. Foto: Kolbinger
Der inzwischen verstorbene Anton Mayer (links) aus Oberhofen, Mitbegründer der Bürgerinitiative „Rettet das Altmühltal“, hat seiner Heimat und dem Altmühltal in zwei Büchern ein Denkmal gesetzt. Das zweite übergab er 2009 an den damaligen Bürgermeister Michael Schneider. Foto: Kolbinger

Bei der Sinn-Frage hat sich der Vollblut-Kommunalpolitiker nicht aufgehalten. Sondern versucht, in dem Millionen-Spiel das aus seiner Sicht Beste für Riedenburg herauszuholen bei Bund, Land und Rhein-Main-Donau-AG (RMD). So wurden die Planungs- und Baujahre des Kanals die turbulenten Lehrjahre des heutigen Altbürgermeisters. Auf Anraten der Regierung von Niederbayern lobte man einen städtebaulichen Wettbewerb aus. Mit den Gewinnern Grabow und Aufmkolk kam es zu einer Art Aufgabenteilung: In Stadtverwaltung und Stadtrat wurde um Details und die praktische Umsetzung gerungen; die externen Experten – später stießen weitere Planungsbüros hinzu – waren für die großen Visionen zuständig. Richtig so, findet Schneider: „Sie hatten einfach einen anderen Blick auf die Stadt“.

Michael Schneider Foto: Hutzler
Michael Schneider Foto: Hutzler

„Die auswärtigen Experten hatten einfach einen anderen Blick auf die Stadt als wir“

Alt-Bürgermeister Michael Schneider

Der Stadtweiher etwa war ihre Idee – ursprünglich war dort nur ein nacktes Betonbecken geplant, als Geschiebe-Fang für die Schambach. „Wir selber wären auch nicht auf die Idee mit der Bebauung gekommen“, sagt der 30 Jahre lang amtierende Bürgermeister über den wohl markantesten Vorschlag der Planer: die Uferpromenade. Ihre Idee: „Riedenburg war immer eine Stadt am Wasser. Wenn durch den Kanalbau das Wasser wegrückt, führen wir die Stadt eben wieder ans Wasser heran, mit Hilfe einer neuen Bebauung“, schildert Schneider. Die Kanaltrasse verläuft nämlich nördlicher – Richtung Jachenhausener Berg – als einst der Fluss.

„Wenn durch den Kanalbau das Wasser wegrückt, führen wir die Stadt eben wieder ans Wasser heran“: Wo in der  Bauphase des Kanals noch die Altmühl floss, steht heute die Uferzeile. Links die Stabbogenbrücke im Rohbau, die heute den Kanal überspannt;  daneben die alte Altmühl-Brücke. Foto: Max Halbritter
„Wenn durch den Kanalbau das Wasser wegrückt, führen wir die Stadt eben wieder ans Wasser heran“: Wo in der Bauphase des Kanals noch die Altmühl floss, steht heute die Uferzeile. Links die Stabbogenbrücke im Rohbau, die heute den Kanal überspannt; daneben die alte Altmühl-Brücke. Foto: Max Halbritter

So wurde das einstige Altmühl-Bett zu Bauland, die Häuserzeile rundet heute Riedenburgs Altstadt ab. Und wird vom Kanal in etwas engerem Radius umkurvt, als es die DIN-Norm erlaubte. „Meines Wissen einzigartig in Deutschland“, schildert Schneider schmunzelnd – nur so war die Stabbogen-Brücke unterzubringen. Ausgerechnet an ihr stritten sich die Riedenburger Jahre lang ab.

Wo und wie viele Kanal-Brücken? Dieser erbitterte Streit führte sogar den damaligen Verkehrsminister Werner Dollinger (li.) nach Riedenburg zu Bürgermeister Michael Schneider (vorne rechts). Foto: Schneider
Wo und wie viele Kanal-Brücken? Dieser erbitterte Streit führte sogar den damaligen Verkehrsminister Werner Dollinger (li.) nach Riedenburg zu Bürgermeister Michael Schneider (vorne rechts). Foto: Schneider

Anfangs nämlich planten die Kanal-Bauer als einzige befahrbare Verbindung von Alt- und Neustadt die heutige Schambach-Brücke. Die Altstadt-Geschäftsleute tobten: Sie wollten (und bekamen das mit der Stabbogen-Brücke dann auch) die befahrbare Brücke an alter Stelle, die den überörtlichen Verkehr wie bisher in den Ort holt. Dort nur noch eine Fußgängerbrücke? Oder doch zwei fahrzeugtaugliche Kanal-Übergänge? Ob dieser Frage entstand sogar eine Bürgerinitiative und, im Jahr 1984, die mit 400 Teilnehmern wohl größte Bürgerversammlung der Stadtgeschichte.

Es war die Zeit, in der die 1982 gebildete Unions-FDP-Koalition endgültig beschloss, den Kanal fertigzubauen. Die vorherige sozialliberale Koalition hatte ihn noch kippen wollen. Dies ignorierend, hat Schneider mit Hilfe von Landkreis und Bezirksregierung die Riedenburger Runderneuerung vorangetrieben: Bebauungspläne für die Uferzeile, Talaue, St. Anna-Park, Wiesgasse und Altstadt wurden entwickelt – das geplante große Raiffeisenbank-Gebäude am Marktplatz löste gleich noch eine Großdemo aus, die sogar eine Stadtratssitzung platzen ließ: Der Saal war überfüllt…

Generalsanierung für die Stadt

Die Altstadtsanierung brachte Bauvorhaben für rund sechs Millionen D-Mark ins Rollen – gut vier Millionen flossen als staatliche Förderung, erinnert sich Schneider. Wasser- und Abwasser-Infrastruktur wurden erneuert; es lief die Flurbereinigung an, „das hat uns den Badesee St. Agatha ermöglicht“. All dem gingen „recht zähe Verhandlungen“ voraus: mit Bürgern, mit der RMD AG, mit vielen Behörden. Der Kanalbau brachte Grundstückskäufe und -tausche im Millionen-Maßstab mit sich zwischen Stadt, Staat und Bürgern – auf die Weise etwa kam Riedenburg zum heutigen Volksfest- und Campingplatz, der TSV zu seinem Sportgelände.

Hier sehen Sie Bilder, die Riedenburg vor, während und nach dem Kanalbau zeigen:

Riedenburg im Zeichen des Kanalbaus

Dankend abgelehnt hat die Stadt indes das RMD-Angebot, die (insgesamt vier) Kanal-Brücken im Gebiet der Großgemeinde zu übernehmen, gegen eine Millionenzahlung: So einen „Klotz am Bein“? Nein, danke, „so schlecht ging’s uns auch wieder nicht“. Zumal sich die Stadt unter anderem mit der Zwischenlagerung des Kanal-Erdaushubs im alten Jachenhausener Steinbruch ein hübsches Sümmchen verdiente.

Riedenburg heute: Der Main-Donau-Kanal prägt die Stadt und ihr Umland. An der Brückenfrage schieden sich einst die Geister – herausgekommen sind letztlich zwei Brücken für die Kernstadt: die Richtung  Schambach-Tal (re.) und die Stabbogenbrücke. Foto: Dr. Stefan Satzl
Riedenburg heute: Der Main-Donau-Kanal prägt die Stadt und ihr Umland. An der Brückenfrage schieden sich einst die Geister – herausgekommen sind letztlich zwei Brücken für die Kernstadt: die Richtung Schambach-Tal (re.) und die Stabbogenbrücke. Foto: Dr. Stefan Satzl

„Viel Arbeit, aber es war ein gewisser Reiz dabei“, bilanziert Michael Schneider in seiner unprätentiösen Art diese Jahre. Wehmut ob dem, was verschwand, mag bei dem 70-Jährigen kaum aufkommen. Dass mit dem Kanal die alljährlichen Altmühl-Hochwässer, bis in die Altstadt hinein, passée waren, „war vielleicht die größte Errungenschaft“. Aus Schneiders Sicht hat sich der Kanalbau „für Riedenburg rentiert: „Wir bekamen die einmalige Chance, das Stadtbild neu zu gestalten.“ Vor den aktuellen Problemen bewahrt dies die Dreiburgen-Stadt trotzdem nicht, sinniert der Polit-Pensionär: „Wie lässt sich eine Altstadt entwickeln, welche Funktion kann sie heute übernehmen? Das ist europaweit ein Problem der Städte“.

Alle Beiträge rund um das Kanal-Jubiläum finden Sie hier!

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