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Main-Donau-Kanal

Ein klares „Ja“ für den Kanal

Die Bürgermeister in den Landkreisen Kelheim und Neumarkt befürworten den Kanal. Sie sagen: Die Vorteile überwiegen.
Von Dagmar Fuhrmann, Katrin Böhm und Beate Weigert

Der Kanal aus der Vogelperspektive – hier in Berching. Foto: Dr. Satzl
Der Kanal aus der Vogelperspektive – hier in Berching. Foto: Dr. Satzl

Neumarkt.In vier Gemeinden im Landkreis Neumarkt und drei Kommunen im Landkreis Kelheim gibt es Häfen, Länden oder Anlegestellen. Unser Medienhaus hat bei den Bürgermeistern der Gemeinden beziehungsweise Städten nachgefragt, wie sie den Bau des Main-Donau-Kanals heute beurteilen.

Kelheim

Horst Hartmann Foto: Stadt Kelheim
Horst Hartmann Foto: Stadt Kelheim

Der Hafen Kelheim ist in den Augen von Bürgermeister Horst Hartmann ein Vorteil für die Stadt und die gesamte Region. „Leider verzeichnen die Gütertransporte derzeit rückläufige Ergebnisse, für Flusskreuzfahrten und Touristen hat der Kanal aber eine starke Anziehungskraft.“ Hartmann erinnert sich noch gut an die Mahner zu Zeiten des Kanalbaus. „Viele befürchteten eine nicht wiedergutzumachende Naturzerstörung. Und wenn man heute durch die Landschaft fährt, fügt sich der Kanal so ein, als wäre er schon immer da gewesen.“ Er sei aus dem Erscheinungsbild Kelheims nicht mehr wegzudenken und „gehört zur Kreisstadt wie die Befreiungshalle“.

Auf unserer interaktiven Grafik sehen Sie das Hafengebiet Kelheim-Saal.

Mühlhausen

Dr. Martin Hundsdorfer Foto: Böhm
Dr. Martin Hundsdorfer Foto: Böhm

Dr. Martin Hundsdorfer ist seit 2008 Bürgermeister in Mühlhausen, ein Jahr zuvor wurde die Lände am neuen Kanal eingeweiht. „Der neue Kanal ist für uns eine Erfolgsgeschichte. Er stützt unseren Wirtschaftsstandort enorm – darauf sind wir stolz“, sagt er. Seine Gemeinde lebe von ihrem Dasein als Wirtschaftsstandort – dazu trage die Lände seit 2007 einen wichtigen Teil bei. Sicherlich sei der Bau des Kanals ein nicht zu unterschätzender Eingriff in die Landschaft gewesen, „aber meiner Ansicht nach wurde das gut gelöst“, sagt Hundsdorfer, der selbst Landschaftsarchitekt ist. Dies gelte auch für die Bebauung der Lände – wer diese als Problem sehe, müsse schon „auf sehr hohem Niveau“ jammern.

Hier gibt‘s das Wichtigste zum Kelheimer Hafen im Schnelldurchlauf:

Video: Weigert

Saal an der Donau

Christian Nerb Foto: Archiv/Schmidl
Christian Nerb Foto: Archiv/Schmidl

Als Realschüler bekam Christian Nerb den Kanalbau in Riedenburg direkt mit. Als Jugendlicher habe er den schweren Eingriff in die Natur gesehen, heute empfindet Saals Bürgermeister den Kanal als „sehr gelungen und als wichtigen Faktor für Altmühltal und Region, wirtschaftlich wie touristisch“. Wer etwa von Randeck herunterblicke, sehe, dass er sich sehr gut ins Tal einfüge. Den Saaler Hafen wertet Nerb als „großen Gewinn“, weil er viele Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen bringt, die zum Wohlstand der Gemeinde beitragen. Das heutige Hafengebiet war früher Müllhalde. Die Felder drumherum waren oft überschwemmt, so dass die Ernte zerstört wurde. Nerb „bewundert den Mut, des damaligen Landrats, den Hafen anzulegen.“

Dietfurt

Carolin Braun Foto: ufb
Carolin Braun Foto: ufb

Für „in jeder Hinsicht wichtig“ hält Dietfurts Bürgermeisterin Carolin Braun den neuen Kanal: touristisch wie wirtschaftlich, wenngleich dieser Zweig seit Jahren nicht mehr so floriert wie man sich das wünschen würde – hier setzt Braun auf Besserung durch den längst geplanten Donau-Ausbau. Abgesehen davon habe sich die Hochwasserproblematik in Dietfurt durch den Kanal entspannt. Natürlich sei der Eingriff in die Natur durch den Kanal als Wasserstraße da, „aber es ist bei uns sehr gelungen“. Wermutstropfen sei, dass es seit zwei Jahren keine Personen-Schifffahrt mehr in Dietfurt gebe. „Das ist traurig, weil auch immer wieder danach gefragt wird.“

Beilngries

Alexander Anetsberger Foto: Fuhrmann
Alexander Anetsberger Foto: Fuhrmann

Alexander Anetsberger ist seit 2014 Bürgermeister, hat den Kanalbau als Student mitbekommen. Zu Bauzeiten habe er den Eingriff schon sehr tiefgreifend empfunden. „Heute genießen wir es, dass wir am Kanal entlangradeln können und es gibt eine Personenschifffahrt, die auch ganz lustig ist“, sagt Anetsberger. Beilngries profitiere von den Kabinenschiffen. Die Fahrgäste werden von Kelheim aus mit Bussen nach Beilngries gefahren und besuchen Familien. Auch den Yachthafen empfinde er als Bereicherung, ebenso wie die Radfahrer, die über den Hafen nach Beilngries kommen. Die Ausflugsschiffe seien am absteigenden Ast. „Wir versuchen, den Unternehmern Ideen zu liefern.“

Berching

Ludwig Eisenreich Foto: Fuhrmann
Ludwig Eisenreich Foto: Fuhrmann

Bürgermeister Ludwig Eisenreich sieht Berching als die Stadt an, deren Entwicklung „sicherlich am meisten vom Main-Donau-Kanal beeinflusst wurde“. Zunächst habe es viele Jahre Stillstand gegeben und dann den Aufbruch. Die intensiven Diskussionen und Verhandlungen sowie die Proteste der Naturschützer im Vorfeld hatten eine an die Landschaft angepasste Bauweise mit begleitenden „Altwässern“ und „Nebenarmen“ und einen attraktiven Stadtdurchgang zur Folge. Heute sei der Kanal nicht mehr wegzudenken Die Radwege entlang des Kanals, die jährliche Großveranstaltung „Kanal im Feuerzauber“, die Personenschifffahrt, der Wohnmobilstellplatz und die Wasserstraße seien touristische Attraktionen.

Auf unserer interaktiven Grafik sehen Sie die Lände Riedenburg.

Riedenburg

Siegfried Lösch Foto: Stadt Riedenburg
Siegfried Lösch Foto: Stadt Riedenburg

Die Lände Riedenburg entwickelt sich sehr erfreulich, so Bürgermeister Siegfried Lösch. Ebenso der Tourismus mit Radlern und Ausflugsschiffen. Der Güterumschlag im gesamten Gebiet des Hafenzweckverbands Kelheim könnte sicher besser sein. Lösch findet, dass man die zwei Seiten des Kanals sehen müsse. Die Stadt habe dadurch indirekt gewonnen. Sie erhielt ein komplett neues Gesicht und ist die regelmäßigen Hochwasser los. Vom Boom der Flusskreuzfahrtschiffe habe die Stadt bislang wenig. Verhandlungen mit Reedereien, um das zu ändern, seien ein „mühseliges Geschäft“. Der Preis für den Kanal war mit Blick auf die immensen Einschnitte in die Landschaft womöglich zu hoch. „Doch nun müssen wir das Beste daraus machen.“

Sie wollen mehr über die Häfen in Mühlhausen und Dietfurt wissen? Lesen Sie hier weiter!

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