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Kanal-Jubiläum

Fest mit Blick auf Licht und Schatten

Riedenburg feierte zwei Tage lang die Vollendung des Main-Donau-Kanals vor 25 Jahren. Und blickte auf Verwerfungen zurück.
Von Petra Kolbinger

  • Die Wasserlaufbälle sorgten bei Benutzern wie Zuschauern für Spaß. Foto: Kolbinger
  • Viele Friedens-Wünsche von den Schülern Foto: Kolbinger

Riedenburg.25 Jahre Main-Donau-Kanal: Riedenburg hat dieses Jubiläum am Wochenende gebührend gefeiert. Das Wetter war vor allem am Samstag perfekt – und doch war nicht alles eitel Sonnenschein. Noch heute spaltet das Mammutbauwerk die Gegner und Befürworter, wenn auch nicht mehr gar so tief. So war das Bauwerk 25 nach Fertigstellung Anlass zum Genießen.

„Da war doch mal…“ Foto: Kolbinger
„Da war doch mal…“ Foto: Kolbinger

Kulinarisches aus allen Anrainerländern, historische und aktuelle Bilder, Erinnerungen ans idyllische Altmühltal, ein Vergleich der Fischfauna einst und heute, Musik, Spiel und Spaß. Stadtarchivar Maximilian Halbritter kuratierte eine große Ausstellung von Gemälden, Stichen und Drucken zur „Altmühlromantik“.In einem Bildhauersymposium setzten sich Günter Schinn, Peter Hanus, Julia Dietrich und Michael Königer mit dem Kanal auseinander. Eine der Hauptattraktionen am Stadtweiher waren die Wasserlaufbälle, mit denen die Kinder buchstäblich „übers Wasser gehen“ konnten. Das amüsierte auch die Zuschauer, denn: Die Schwerkraft forderte ihren Tribut und ließ die Wasserläufer unfreiwillig Purzelbäume schlagen.

Die Wasserlaufbälle sorgten bei Benutzern wie Zuschauern für Spaß. Foto: Kolbinger
Die Wasserlaufbälle sorgten bei Benutzern wie Zuschauern für Spaß. Foto: Kolbinger

Am Samstag Abend brachten die H@tphones den Marktplatz zum Kochen. Kühle Getränke der örtlichen Brauereien , kulinarische Schmankerl aus allen Kanal-Anrainerstaaten, gute Gespräche – ideale Bedingungen für einen rundum genussvollen Sommerabend. Das Kanaljubiläum war ein willkommener Anlass für ein zweitägiges Fest voller Attraktionen.

So stellt Franz Lindner stellt in seiner Wanderausstellung in Vorher-Nachher-Bildkombinationen die Veränderungen durch den Bau des Main-Donau-Kanals gegenüber. Bis 28. Juli können sich gerade diejenigen dieses Zeitdokument in der Raiffeisenbank (Marktplatz, zu den üblichen Geschäftszeiten) ansehen, die das Altmühltal vor dem Kanal nicht mehr kennen.

Stadtarchivar Maximilian Halbritter führte viele Vernissage-Gäste durch seine Ausstellung „Altmühlromantik“ 100 Originalgemälde, Grafiken, Aquarelle und Stiche zeigen im Haus des Gastes am Marktplatz die unwiederbringlich verlorene Landschaftsidylle vor dem Kanalbau (bis 27. Juli).

Max Halbritter (2. v. re.) bei der Vernissage im Alten Rathaus. Foto: Kolbinger
Max Halbritter (2. v. re.) bei der Vernissage im Alten Rathaus. Foto: Kolbinger

Der Riedenburger Bildhauer und Künstler Günter Schinn hat ein Bildhauersymposium organisiert. Die entstandenen Werke wurden am Samstag feierlich enthüllt und der Stadt übergeben. Sie werden am Stadtweiher zu sehen sein. Schinns Skulptur zeigt in der unteren Ebene das Altmühltal, überlagert von dem Tal, das die künstliche Wasserstraße durchschneidet.

Der „Totentanz im Altmühltal“ war im Jahr 1979 eine Protestaktion der Wolfratshausener Künstlergruppe „Schwarzmaler gegen den Kanal. Der Ihrlersteiner Künstler Peter Hanus ließ sich durch Schlagzeilen während der Planungs- und Bauphase des Kanals zu seinem Werk

inspirieren.

Der Riedenburger Bildhauer und Künstler Günter Schinn mit seinem Werk Foto: Kolbinger
Der Riedenburger Bildhauer und Künstler Günter Schinn mit seinem Werk Foto: Kolbinger

Künstler Michael Königer hat sich beim Bildhauersymposium mit dem Kanalbau auseinander gesetzt und darin „nichts Schönes und nichts Gutes“ entdecken können: „Für mich ist der Kanal etwas Abstruses, Monströses, das das Tal durchschneidet“, sagt er. Das spiegelt sein Werk wieder. „Landschaft plus massiver Eingriff ist gleich Verletzung und Verformung!“

Viele Festbesucher warfen auch einen Blick auf eine Freiluft-Ausstellung mit Bildern vom „alten“ Riedenburg und imposanten Bilder von der Großbaustelle, die das Altmühltal für immer veränderte. Ob zum Guten oder zum Schlechten – das wird noch immer kritisch diskutiert. Wenngleich sich Kanal-Befürworter und -Gegner nicht mehr gar so unversöhnlich gegenüber stehen.

Den „Stadtstrand“ unterdessen hätten viele gerne auf Dauer behalten. Er entpuppte sich als ideale Ruheoase, vor allem für junge Eltern, die im Liegestuhl bei einem kühlen Drink Seele und Beine im bequemen Liegestuhl baumeln lassen konnten, während der Nachwuchs sich in der Riesen-Buddelkiste austobte.

Beliebte Oase: der „Stadtstrand“ Foto: Kolbinger
Beliebte Oase: der „Stadtstrand“ Foto: Kolbinger

Zur Eröffnung des Main-Donau-Kanals 1992 sagte der damalige bayerische Ministerpräsident Max Streibl: „Dieser Kanal soll eine europäische Wasserstraße sein, die 15 Nationen verbindet in Frieden, in Freiheit und Wohlstand“. In Erinnerung daran schickten nun die Schüler/innen der Grund- und Mittelschule Riedenburg beim Kanalfest Friedenswünsche in den Himmel.

Eine Feier für ein Bauwerk

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