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Maschkerer trugen Fasching zu Grabe

Gemäß des Brauches verbrannten die Dietfurter eine Strohpuppe. Kurz vor Mitternacht gelobten sie, am 11.11. den Fasching wieder auferstehen zu lassen.

Das Begräbnisinstitut zog durch die Gaststätten. Kurz vor Mitternacht wurde eine Strohpuppe verbrannt. Foto: ufb

Dietfurt.Die närrische Zeit ist seit Aschermittwoch Geschichte. Letzter Akt in der Faschingshochburg Dietfurt war das Verbrennen einer Puppe. Damit sollte deutlich gemacht werden, dass die närrische Zeit vorbei ist. Das Ritual am Faschingsdienstag verlief nach altem Brauch.

Während beim Chinesenfasching Tausende von auswärts nach Dietfurt kommen, sind die Dietfurter am Faschingsdienstag eher unter sich. Nach gutem Brauch suchte ab dem Vormittag des letzten Faschingstages der Leichbitter viele Häuser auf, um zum abendlichen Kehraus und „Staatsbegräbnis“ für den Fasching einzuladen. Soweit bekannt ist, gibt es den Leichbitters nur in Dietfurt.

Alle Familien konnte der Leichbitter freilich nicht aufsuchen – da hätte er schon ein paar Tage früher mit seinem Rundgang beginnen müssen. Ein fester Termin aber war eine Visite im Rathaus bei Bürgermeister Franz Stephan. Er freute sich darüber, vor allem auch deshalb, weil „das Leich einsagen“ wie in alter Zeit gepflegt werde. Er wünschte sich, dass dieser Brauch erhalten bleibt wie der der China-Diplomaten. Zu den festen Einrichtungen am Faschingsdienstag gehörte auch der Kinderfasching im Gasthaus Bräu Toni.

In guter Tradition traf sich dann ab 18 Uhr das „Chinesische Begräbnisinstitut“ im Hause des früheren Kaisers Bo-Da-Washy, um sich von dessen Frau Rosa Geyer weiße Gesichter und Tränen schminken zu lassen. Eine knappe Stunde saßen die rund 20 Personen in der Maske, dann suchten sie mit dem Leichbitter alle Gaststätten auf, um das nahe Ende des Faschings zu beklagen. Der „Oberpfarrer“ (Erich Moser) teilte mit: „das Ende des Faschings tut uns zwar Leid wir hatten aber auch eine schöne Zeit“. Mit seinem Kollegen (Martin Huber) lieferte er gleich die entsprechenden Beweise.

Beide hatten Ereignisse der vergangenen Tage humorvoll aufbereitet und trugen sie in Versen vor. So sorgten sie in den übervollen Gaststätten für Stimmung und ernteten viel Beifall. Natürlich stand auch die Kommunalwahl auf dem Programm, dazu hieß es: „Die Wahlen stehn vor der Tür, 100 Leit stehn auf dem Wahl-Papier, mia sengs freundlich grüßen, winken und lacha, 80 davon werdn am 16. März a langs Gsicht macha“.

Die Tour durch alle Lokale war für die Teilnehmer wie immer anstrengend und lief exakt nach Zeitplan, denn um 23.30 Uhr mussten die Teilnehmer an der Scheipplbrücke sein, wo sich ein Trauerzug formierte. Der zog in Begleitung einer Musikgruppe zum Marktplatz, wo der letzt Akt, die Einäscherung des Faschings in Form einer großen Strohpuppe, erfolgte. Etwa 600 Maschkerer, Kostümierte und Unverkleidete beteiligten sich am Geschehen. Zur vorgetragenen Abschiedsrede konnte sie nochmals richtig lachen. Im kräftigen Chor gelobten die Anwesenden, sich so weit zu bessern, dass sie im Herbst ab dem 11.11. wieder faschingsnarrisch sein werden.

Weil die Puppe heuer schneller verbrannte als in den vergangenen Jahren und noch ein paar Minuten bis Mitternacht waren wurde noch die Chinesen-Hymne angestimmt und bis zum Aschermittwoch geschunkelt. Danach suchten nach altem Brauch viele nochmals die Gaststätten auf um die neue Zeit, streng fleischlos, mit einem Fischessen zu beginnen. (ufb)

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