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OB-Wahl

Amtsinhaber setzt auf Akten-Merksystem

Das Tagblatt stellt die drei Kandidaten Thomas Thumann, Richard Graf und Dieter Ries vor. Den Auftakt macht Thumann.
Von Lothar Röhrl

  • Dieser Schreibtisch ist seit dem 5. Dezember 2005 der Arbeitsplatz von Neumarkts Oberbürgermeister Thomas Thumann. Foto: Röhrl
  • Dagmar Heiler ist Thumanns engste Mitarbeiterin. Foto: Röhrl

Neumarkt.Als Thomas Thumann an jenem Morgen des 5. Dezember 2005 das Rathaus betritt, blitzt es wie bei einem Gewitter. Die Neumarkter Medien wollen dabei sein, wenn der Mann das macht, wovon er wohl 24 Stunden nur in seinen kühnsten Träumen zu hoffen gewagt hatte: Oberbürgermeister der Stadt Neumarkt zu werden. An diesem 5. Dezember ist er es tatsächlich. Gut 13 Stunden vor seinem viel beachteten ersten Schritten ins Rathaus war Thumann Hauptperson des größten politischen Erdbebens gewesen, das es bis dahin in der Nachkriegsgeschichte der Stadt Neumarkt gegeben hatte: Ein Kandidat der UPW/Freien Wähler und nicht der CSU gewinnt eine Wahl zum Oberbürgermeister. Exakt 4241 Tage später hat unser Medienhaus Thomas Thumann einen „Amtstag“ lang begleitet.

Es war ein Tag mit zwei Besonderheiten: Erstens regnete es wie schon lange nicht mehr in Neumarkt. Und zweitens stand er am Nachmittag ganz im Zeichen der Vorbereitungen auf eine Sitzung des Stadtrats, die wegen ihrer Länge und der Fülle von heiß umstrittenen Themen noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.

So informieren sich die Neumarkter über die Wahl:

Neumarkt bereitet sich auf den großen Wahltag vor

Erst aber ging es für Thomas Thumann auf eine Weise los, die der bald dreifache Vater schon kennt: der Gang in eine Grundschule. An diesem Vormittag ging es für Thomas Thumann bei seinem ersten Außentermin nach einer kurzen Stippvisite im Rathaus nach Sindlbach in die Chunradus-Grundschule. Dort war Preisverleihung für die besten Grundschulen, die heuer am Wettbewerb „Waldjugendspiele“ teilgenommen hatten.

Öko im Wald und auch im Auto

Der Oberbürgermeister war mit eingeladen worden, weil die Stadt ihren Stadtwald für die Spiele zur Verfügung gestellt hatte. Seit vielen Jahren veranstalten die Landesforstbetriebe der Bundesländer in Kooperation mit verschiedenen Trägern die Waldjugendspiele. Öko – das sieht der Oberbürgermeister einer Stadt, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben hat, wohl als Auftrag und Motto zugleich. Denn: Statt einer PS-starken, mit herkömmlichem Kraftstoff betriebenen Dienstlimousine lenkte er einen BMW i3 nach Sindlbach. Das ist ein Elektroauto.

Der OB trifft in der Chunradus-Grundschule Bergs Bürgermeister Helmut Himmler, den Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Harald Gebhard und Landrat Willibald Gailler. Foto: Röhrl
Der OB trifft in der Chunradus-Grundschule Bergs Bürgermeister Helmut Himmler, den Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Harald Gebhard und Landrat Willibald Gailler. Foto: Röhrl

Dort wurde er nicht nur von Bergs Bürgermeister Helmut Himmler mit einem breiten Lächeln empfangen. Einen herzlichen Händedruck tauschte Thumann auch mit Landrat Willibald Gailler aus. Wie gut sich der CSU-Kreischef und das UPW-Stadtoberhaupt verstehen, wurde nicht nur bei dieser Begrüßung deutlich. Das „Du“ gehört bei beiden schon lange fest zu ihrem Umgangston.

Bei dem anschließenden Termin habe er mit großem Interesse den Vortrag einer Abiturientin des Ostendorfer Gymnasiums gehört, pickte sich Thumann den für ihn interessantesten Punkt der Veranstaltung heraus. Lea Lukas hatte sich in ihrer Seminararbeit mit dem Thema „Wie erkläre ich Kindern den Klimawandel?“ beschäftigt.

Um Kinder ging es dann auch im zweiten Außentermin dieses Tages: Seit Thomas Thumann Oberbürgermeister ist, fällt ihm auch die Rolle des Schirmherren bei jedem Kinderbürgerfest des Neumarkter Tagblatts zu. In dieser Eigenschaft war der OB ab 10.30 Uhr Gast der Präsentationsveranstaltung des Neumarkter Tagblatts. Dieses Mal füllte er seine Schirmherr-Rolle auch im wahrsten Sinn des Wortes auf den paar Metern von seinem Auto ins See-Café aus. Wegen des Wetters war die Veranstaltung von der LGS-Arena dorthin verlegt worden. Diese Präsentation war als Ankündigung für das 20. Kinderbürgerfest gedacht, das am 10. September und damit genau zwei Wochen vor der OB-Wahl über die Bühne gehen wird.

Der Schirmherr gratuliert dem KiBü. Foto: Röhrl
Der Schirmherr gratuliert dem KiBü. Foto: Röhrl

Der Moderator der Präsentation, Stephan Zenger vom Regensburger „Clowntheater Spectaculum“, hatte sich für Thumann etwas besonderes ausgedacht: Er wollte testen, wie gut der Schirmherr als Jongleur ist. Zenger und seine Assistentin Tina gaben Thumann nach und nach ein dünnes Stöckchen mit je einem sich drehenden bunten Teller an dessen Kopfseite in die Hand. Vier waren es schließlich. Und der OB gab eine gute Figur dabei ab: Denn ohne ein Zittern dazu hielt er die Teller am Drehen. Der Applaus der geladenen Gäste war ihm sicher. Und eine Belohnung gab es für ihn dann auch noch obendrein: Denn zu der Präsentation wurden Weißwürste gereicht. Das war ein Dankeschön an alle, die als Sponsoren, Akteure und Organisatoren Jahr für Jahr das Gelingen des mit Abstand größten Kinderfestes im Landkreis Neumarkt garantieren.

Die zweite Hälfte dieses Amtstages ging dann dort über die Bühne, wo ein Oberbürgermeister meist vermutet wird: In seinem Amtszimmer im ersten Stock des Rathauses. Bevor wir dort hinein gelassen werden, begrüßt uns Dagmar Heiler. Immer charmant, aber auch bestimmend und konsequent: Heiler verkörpert den Prototyp einer Chef-Sekretärin. Seit jenem ersten Montag im Dezember 2005 begleitet sie Thumann in dieser Funktion. An unserem Tag mit dem OB war Dagmar Heiler nachmittags allein im Büro. Ihre Kollegin Irene Fiehl ist nur halbtags tätig. Nachmittags ist meist Heiler im Büro. Aber auch sie arbeitet nicht in Vollzeit.

Thumann hatte vor einigen Tagen mit einem Wahlfilm für Aufmerksamkeit gesorgt.

Immer wieder kommen wir uns im OB-Amtszimmer wie im Neumarkter Bahnhof vor. Denn ab und zu signalisiert Heiler Personen, die einen Termin mit dem Neumarkter Oberbürgermeister vereinbart haben, Signalfarben von Grün über Gelb bis Rot. Denn es gibt zwar einen Zeitplan, doch immer wieder passiert es in diesen Nachmittagsstunden, dass er nicht eingehalten werden kann. Und das auch, weil wir dazwischen fragen dürfen. Ganz so Luft, wie wir das dem Oberbürgermeister angekündigt hatten, sind wir dann doch nicht gewesen. Journalistische Neugierde brach sich ihre Bahn, sobald es in den Stunden dieses Nachmittags eine Nachfrage wegen eines Begriffs geben sollte. Eines aber war fester Bestandteil dieses Besuches: Die Zusicherung, keine Details festzuhalten und damit einen Artikel zu formulieren. Und ganz schnell aus dem Kopf zu bringen waren: Namen und damit jene Neumarkter, die etwa eine Bauvoranfrage gestellt beziehungsweise einen Bauantrag eingereicht haben.

Die einzige Ausnahme begann an diesem Nachmittag mit der Bitte an Werner Dietrich, das Amtszimmer zu betreten. Grünes Licht für den Leiter des Straßenbauamts. Er stellte dem Oberbürgermeister vor, was dieser tags darauf bei einem extra für Neumarkts Medien angesetzten Termin vorstellen wollte. Denn 75 Minuten vor Beginn der Sitzung des Stadtrats sollte es um ein Parkdeck an der Sandstraße gehen. Dieses würde alle Zweifel an der ausreichenden Zahl von Parkplätzen im Bereich rund um das Ganzjahresbad beseitigen – so lautete die Überlegung von Dietrich.

Sitzung wurde vorbereitet

Damit konnte er in diesen Minuten des frühen Nachmittags den Oberbürgermeister überzeugen. Beide sprachen ab, wie den Medien die Vorüberlegungen und dann auch der fertige Plan am Tag darauf vorgestellt werden. Damit nicht genug: Auch die Stadträte sollten bei einem Tagesordnungspunkt über die Pläne informiert werden. Mehr war damit nicht geplant. Denn erst im Herbst – vielleicht bei der nächsten regulären Sitzung am 18. Oktober – soll dem Gremium ein entscheidungsreifer Entwurf vorgelegt werden.

Mit Werner Dietrich geht es um die Vorbereitung der Stadtratssitzung. Foto: Röhrl
Mit Werner Dietrich geht es um die Vorbereitung der Stadtratssitzung. Foto: Röhrl

Kaum hat Dietrich das Büro verlassen, switched Heiler dazwischen. Sie mahnt ihren Chef, dass der ein wichtiges Telefonat wegen eines weiteren Tagesordnungspunktes der Stadtratssitzung führen soll. Thumann bedient sich dafür eines Telefons mit Festnetzanschluss, das es so schon wohl am 5. Dezember 2005 in diesem Büro gegeben hatte. Thumanns Miene verrät: Bei diesem einen Thema ist er sich mit seinem Gesprächspartner absolut einig. Nur so viel sei an dieser Stelle verraten: Es geht um die Standortfrage für eine Institution, mit der Neumarkt in der Zukunft bei jungen Menschen punkten will.

Dann sieht es dramatisch aus, als fast pünktlich um kurz nach dem für 15.30 Uhr anvisierten Zeitpunkt des Treffens Helmut Senft Grün fürs Betreten des OB-Büros bekommen hat. Denn der Leiter des Bauordnungsamtes der Stadtverwaltung hat einen dicken Packen Ordner dabei. Senft ist anzusehen, dass er gerne in diesen Wochen so schwer schleppt. Denn die Ordner zeigten: In der Stadt Neumarkt tut sich einiges. Seit zwei Jahren würden zunehmend private Investoren Neumarkts Innenstadt entdecken. Und gar seit einem Jahr zeichne sich verstärkt Interesse an Vorhaben in der Altstadt ab. Gerade in der Klostergasse werde sich einiges tut, verriet der Leiter des Bauordnungsamtes.

Harald Senft hat zur Besprechung einen ganzen Ordnerstapel mitgebracht. Foto: Röhrl
Harald Senft hat zur Besprechung einen ganzen Ordnerstapel mitgebracht. Foto: Röhrl

Doch Senft will Herr der Planung sein. Immer wieder wurde klar, dass jede noch so optimistische Planung an einem Grundsatz scheitern muss: „Neumarkt lebt von der Kleingliedrigkeit“. Senft begründete damit, dass ihm das über viele Jahrzehnte gewachsene Erscheinungsbild von Straßenzügen über alles geht. Damit haben auch Experimente und Ausnahmen keine Chance.

Arbeit als Anwalt wirkt noch nach

Viele Zahlen, viele Daten, viele Aussagen – und Thomas Thumann? Er machte sich keine Notizen! „Erstaunlich: Wie können Sie sich das alles merken?“, wollten wir wissen. Das gelinge, weil er als Rechtsanwalt über ein Akten-Merksystem gelernt habe, sich viel merken zu können – kam als Antwort zurück. Zur Erklärung: Bis zu seiner Wahl zum Neumarkter Oberbürgermeister war Thomas Thumann als Rechtsanwalt tätig. In einer Kanzlei in Pyrbaum war der heute 52-Jährige als Spezialist für Familienrecht zuständig.

Unser Medienhaus lädt die Leser zu einer Podiumsdiskussion mit den OB-Kandidaten ein.

Doch von Familie war Thomas Thumann an diesem einen Tag noch lange keine Spur. Denn die Runde mit Stadtbaumeister Matthias Seemann schloss die Gespräche mit den Amtschefs an diesem Nachmittag ab. Eine Runde mit dem Mann, dessen Entscheidungen den großen Rahmen für die bauliche Entwicklung der Stadt setzt. „Bei mir kommen die großen Bauvorhaben an, welche Bauherren für die Stadt Neumarkt geplant haben.“ Ein erstes Anbahnen – ehe das Projekt in die Stadtplanung weiter wandert. Über mangelnde Beschäftigung könnten sich Hochbau- und Tiefbauamt der Neumarkter Stadtverwaltung nie beklagen – lautete das Resuments der beiden, bevor wir uns aus dem OB-Amtszimmer verabschieden.

Für Thomas Thumann ist damit das zweite Drittel dieses Tages zu Ende. Nach Außenterminen und Runden mit den Amtschefs geht es abends mit Wahlkampf weiter. In Wolfstein ist Termin. Und dann erfahren die Besucher, dass Thumann seine Amtszeiten in Kapitel einteilt. Für die Jahre 2017 bis 2023 hat er sich eine „Phase der Kreativität“ vorgenommen. Also einiges tun, um auch den Status der Stadt Neumarkt zu zementieren. Und einiges zu schaffen, was Neumarkt bisher noch nicht hat. Dafür bietet sich etwa Kultur an. Ideen plus Termine dafür hat er derzeit zur Genüge.

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