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OB-Wahl

Bürgernähe ist für Graf das Leitthema

Der OB-Kandidat der CSU ist kein Jurist. Warum der Neumarkter darin einen Vorteil sieht, erklärt er im MZ-Interview.
von Wolfgang Endlein

Richard Graf ist optimistisch, was seine Chancen bei der Oberbürgermeister-Wahl im September anbelangt. Foto: Röhrl
Richard Graf ist optimistisch, was seine Chancen bei der Oberbürgermeister-Wahl im September anbelangt. Foto: Röhrl

Neumarkt.Herr Graf, was schlaucht mehr: Wahlkampf oder Volksfest?

Definitiv Volksfest. Es ist eine intensive Zeit, zumal als Volksfestreferent. Ich versuche vormittags und auch abends da zu sein, um viele Eindrücke mitzunehmen und ich suche viele Gespräche – natürlich insbesondere mit möglichst vielen Bürgern.

Es könnte schlechtere Jobs geben für Kandidaten als den des Volksfestreferenten…

Es ist eine gute Plattform. Aber es ist auch etwas, was einem liegen muss.

Wenn es so viel Spaß macht, könnten Sie ja auch Festreferent bleiben, falls Sie zum Oberbürgermeister gewählt werden.

Es ist sinnvoll, das Amt zu trennen. Das Volksfest ist wertvoll genug, dass es die volle Aufmerksamkeit von einer Person erfährt. Aber auch als OB wäre ich genauso oft draußen, wie jetzt (lacht).

Nun gibt es aber auch manche, die eh davon überzeugt sind, dass Richard Graf sowieso keine Chance hat. Was entgegnen Sie solchen Stimmen?

Dann sage ich: Schau mer mal.

Sie halten es also mit Franz Beckenbauer. Aber was konkret gibt Ihnen den Optimismus?

Ich rechne mir in der konservativen Wählerschicht in Neumarkt, die ich als groß einschätze, durchaus Zuspruch aus. Weil ich auch Zuspruch erfahre, der mir sagt, dass es viele gibt, die einen Wechsel wünschen.

Nichtsdestotrotz geht es Neumarkt, wenn man die Zahlen zugrunde legt, bestens. Das macht es für Sie nicht leichter.

Die Diskussion erfahre ich immer wieder. Aber dieses subjektive Wohlbefinden rührt von Faktoren her, für die die Kommune nichts kann. Ob das der niedrige Zins ist, die niedrige Arbeitslosigkeit oder das Steueraufkommen. Das sind äußere Rahmenbedingungen, über die wir sehr froh sind als Stadt. Verantwortlich ist der aktuelle OB dafür aber nicht.

Thomas Thumann würde aber sagen: Ich habe daran mitgewirkt.

Dann darf ich an dieser Stelle ironisch sagen: Er hat es nicht verhindert. Ein Teil des Jobs eines OB ist es – salopp ausgedrückt – dafür zu sorgen, dass der Laden läuft. Der zweite und wichtigere Teil ist der Blick nach vorne. Das strategische Denken. Die wichtigsten Entscheidungen, die wir als Kommune treffen, haben lange Vorlaufzeiten. Beispielsweise braucht es für eine Umgehungsstraße viele Jahre Arbeit und es kann sein, dass der OB den Erfolg seiner Mühen gar nicht mehr erntet. Wir müssen langfristig denken. Da sehe ich Missstände.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Das Flugfeld zum Beispiel. Man hat es versäumt, sich frühzeitig Gedanken zu machen, was man dort machen will und vor allem sich um die Beschaffung der Flächen zu kümmern. Der Rathauschef muss persönlich zu den Besitzern gehen, wenn es sein muss auch mehrfach.

Dem amtierenden OB werfen Sie bei verschiedenen Themen mangelhafte Kommunikation vor und betonen damit auch die Bedeutung des Themas für sich. Wie stellen Sie sich Ihre Amtsführung vor?

Bürgernähe ist das, was sich bei mir überall durchzieht. Das fängt damit an, dass ich versuche, in Lösungen zu denken und nicht in Paragrafen. Natürlich muss Recht eingehalten werden, aber erst muss die Lösung angeschaut werden und dann auf das rechtliche Rahmenwerk. Wenn man so denkt, ergibt sich auch Bürgernähe. Ich sehe eine Verwaltung, egal ob im Unternehmen oder in einer Kommune, prinzipiell als Servicecenter für Kunden. Bürger sind Kunden.

Was im Umkehrschluss bedeutet, dass Sie die aktuelle Verwaltung für nicht sehr bürgernah halten?

Was nicht an den Mitarbeitern liegt. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Verwaltungsmitarbeiter gut ausgebildet und motiviert sind. Aber sie arbeiten innerhalb der Grenzen, die ihnen von der aktuellen Rathausspitze vorgegeben werden.

Das wirft die Frage auf, wie Sie als OB und Verwaltungschef arbeiten würden?

Mit einem Kompromiss aus Weichei und Diktator. Man muss Aufgaben an seine Mitarbeiter delegieren, aber auch klare Leitplanken vorgeben, innerhalb derer gearbeitet wird. Ohne diese Planken geht es irgendwo hin. Dann bin ich als Chef zwar nett und angesehen, aber ich komme nicht vorwärts. Sind die Planken zu eng gesetzt, fühlen sich alle eingeengt.

Beim Ganzjahresbad sind die Planken gesetzt – und Sie haben im Stadtrat daran mitgewirkt. Jetzt kritisieren Sie aber die Entscheidung. Warum?

Damals habe ich die Entscheidung gerade noch so mitgetragen, weil ich grundsätzlich für ein Ganzjahresbad bin. Es tut der Stadt gut. Allerdings unter der Prämisse, dass das Projekt 40 Millionen Euro kostet und ausreichend Parkplätze vorhanden sind.

Das ist Ihrer Meinung also beides nicht mehr so gewährleistet?

Man sieht an den neuen Plänen fürs Parkdeck, dass die Einschätzung des OB falsch war. Würde ich heute nochmal abstimmen müssen, würde ich nicht mehr zustimmen.

Ein anderes heißes Thema ist die Forderung von Bürgern nach einer zentralen Enthärtungsanlage für das Trinkwasser. Wie stehen Sie dazu?

Es ist vielen Bürgern ein großes Anliegen, dass es verdient, ernsthaft im Stadtrat geprüft zu werden. Wäre eine zentrale Enthärtung juristisch notwendig? Nein. Wir haben ein exzellentes Wasser. Einzig der Kalkanteil ist ein Problem für Leitungen und Geräte. Dabei geht es aber nicht so sehr um die Härte, sondern darum, wie schnell das Wasser Kalk ausflockt. Was wiederum von vielen komplexen Aspekten abhängt. Ich persönlich halte es daher für sehr wahrscheinlich, dass eine zentrale Enthärtung ökonomisch und ökologisch sinnvoll ist. Ich bin aber nicht so vermessen zu sagen, dass wir es auf jeden Fall machen sollten. Was wir aber tun sollten, ist, es ernsthaft im Stadtrat zu prüfen.

Was wären für Sie weitere wichtige Herausforderungen als OB?

Wir brauchen mehr Wohnraum und wir müssen Firmenabwanderung verhindern, wozu wir als Stadt ein besseres Grundstückmanagement brauchen. Wir müssen auch die Innenstadt voranbringen. Ich bin für die Senkung und – wenn es juristisch möglich ist – Abschaffung der Straßenausbaubeiträge, ich bin für Fußball-Kunstrasenplätze und den Ausbau des Radwegenetzes. Und ich will dort mehr Transparenz in die Arbeit der Stadt bringen, wo es möglich ist.

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