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Politik

Er ist der Fünf-Prozent-Kandidat

FLitZ-Kandidat Dieter Ries ist klar, dass er die Wahl am 24. September nicht gewinnen wird – trotzdem ist er dabei.
von Bettina Dennerlohr und Josef Wittmann

„Für ein lebens- und liebenswertes Neumarkt“ ist Dieter Ries’ Wahlkampfslogan. Wie er dieses Ziel erreichen will, erläutert der OB-Kandidat von FLitZ an diesem Samstag auf Flyern und im persönlichen Gespräch.Foto:Dennerlohr
„Für ein lebens- und liebenswertes Neumarkt“ ist Dieter Ries’ Wahlkampfslogan. Wie er dieses Ziel erreichen will, erläutert der OB-Kandidat von FLitZ an diesem Samstag auf Flyern und im persönlichen Gespräch.Foto:Dennerlohr

Neumarkt.„Willkommen in der Wahlkampfzentrale“ – mit diesen Worten bittet Dieter Ries in sein Haus. Dass hier ein Wahlkämpfer wohnt, lässt sich schon von außen erkennen: In der Einfahrt steht ein Anhänger samt Aufbau, von dem aus Ries’ Konterfei um Stimmen wirbt. „Der wird später noch zum Einsatz kommen“, sagt der FLitZ-Vorsitzende im Inneren seiner „Wahlkampfzentrale“. Rund um den ausladenden Esstischs der Ries stapeln sich Flyer und Prospekte des Oberbürgermeisterkandidaten. „Die OB-Wahl ist eben doch eine Personenwahl“, sagt Ries.

An jedem Morgen startet Dieter Ries mit der Tageszeitung. Foto: Dennerlohr
An jedem Morgen startet Dieter Ries mit der Tageszeitung. Foto: Dennerlohr

Bei ihm und seiner Frau Sonja ist bereits das Frühstück politisch: Beide diskutieren, was sie gemeinsam in der Zeitung lesen. Dieter Ries startet mit dem Lokalteil, Sonja Ries mit dem Überregionalen. In der Mitte wird getauscht. „Wir sind sehr oft einer Meinung – aber manchmal ist meine Frau sogar noch kritischer als ich“, sagt Dieter Ries und lacht. „Ich bin ein politischer Mensch, halte mich aber lieber im Hintergrund“, sagt Sonja Ries. Ein öffentliches Amt wie ihr Mann habe sie nie angestrebt, lieber unterstütze sie ihn nun in seinem Wahlkampf.

An diesem Samstagmorgen ist das Ehepaar Ries allerdings politisch auf einer Linie: Trump und Erdogan lehnen beide ab, vom TV-Duell Merkel-Schulz versprechen sie sich wenig und Leugner des Klimawandels sind für sie Scharlatane. Leserbriefe lesen beide besonders gerne: „Mich interessiert die Meinung von anderen Menschen immer“, sagt Dieter Ries. Nur mit der umfangreichen Berichterstattung über Fußball kann er nichts anfangen – denn dem deutschen Volkssport Nummer eins zieht Ries jederzeit das Tennis vor.

Ries sieht sich nicht als Blockierer

Auch sonst haftet ihm in Neumarkt der Ruf an, durchaus kontroverse Meinungen zu vertreten. Damit habe er kein Problem sagt Ries: „Eine gute Opposition ist überlebenswichtig für die Demokratie.“ Einige hätten ihn dagegen in „die Ecke Verhinderer/Blockierer“ gestellt. „Da will ich raus. Bei 40 Stadträten können zwei von FLitZ gar nicht blockieren, sondern nur versuchen, eine Diskussion anzuregen“, sagt Ries. In die Diskussion will Ries an diesem Samstag auch mit den Wählern kommen. Dafür haben er und seine Frau Flyer und Handzettel vorbereitet, die sie vor dem Rathaus verteilen wollen. Natürlich kommt auch der Hänger mit dem überlebensgroßen Wahlplakat mit.

So informieren sich die Neumarkter über die Wahl:

Neumarkt bereitet sich auf den großen Wahltag vor

Ries’ Erwartungen an diesen Tag sind überschaubar: „Recht viel bewegt man mit Infoständen nicht.“ Die meisten seien sich schon ungefähr im Klaren darüber, wenn sie wählen wollen. Dennoch parkt Ries seinen Anhänger auf der Marktstraße und baut ein Tischchen vor dem Rathaus auf. Dort sind an diesem Samstag diverse Kommunalpolitiker in Rudelstärke vertreten. Um die Aufmerksamkeit der Passanten buhlen sie mit Stiften, Ballons, kleinen Spielzeugen, Kaffee oder Gebäck. Auch Ries hat ein Goodie für seine potenziellen Wähler dabei: Mit den Tickets, die er und seine Frau verteilen, können die Passanten einmal kostenlos auf dem Parkplatz seines FLitZ-Parteigenossen Johann Georg Gloßner parken. Rund 4000 Tickets will das Ehepaar Ries im Laufe des Wahlkampfes unter die Neumarkter bringen.

Die Parkkarten nutzen Sonja und Dieter Ries geschickt als Türöffner im Gespräch mit den Passanten: Wer ein Ticket mitnimmt, darf nicht ohne einen der großformatigen Ries-Flyer weitergehen. Dabei kommt es auch zu kuriosen Begegnungen: Eine ältere Dame fragt Ries, ob er denn der Herr Flitz sei. Die meisten Passanten wissen dagegen offenbar, wer Ries ist. Viele stecken Ticket und Flyer ein, bedanken sich und gehen ihrer Wege. Immer wieder entwickeln sich aber auch politische Diskussionen. Ein Mann will beispielsweise wissen, ob FLitZ für oder gegen eine Öffnung der Marktstraße ist. Ein anderer interessiert sich dafür, wie Ries über den Neuen Markt denkt. Eine Dame bemängelt, dass viele Fußgängerampeln zu kurze Grünphasen haben.

Immer wieder wird Ries auch gefragt, welche Chancen er sich bei der OB-Wahl ausrechnet. „Theoretisch stehen die Chancen für jeden von uns bei 33 Prozent – plus oder minus X. Bei mir wird es eher minus sein“, sagt Ries dann. Drei bis fünf Prozent hat er sich als Ziel vorgenommen, als Wahlsieger vermutet er Amtsinhaber Thomas Thumann mit 55 bis 58 Prozent der Stimmen. Als Underdog sieht sich Ries aber nicht. Dieses Bild passe nicht zu ihm, findet der 63-Jährige: „Ich will den Neumarktern eine Stimme geben, die kritisch wählen. Fünf Prozent wären etwa tausend Menschen und auch die sollen jemanden wählen können“, sagt Ries.

Am 13. September organisiert unser Medienhaus eine Podiums-Diskussion mit den Kandidaten.

Immer an seiner Seite sind an diesem Vormittag Sonja Ries und Hans-Jürgen Madeisky, selbst FLitZ-Mitglied und langjähriger früherer Stadtrat. „Wir haben schon bei Regen und Schnee zusammen Flyer verteilt“, sagt Ries über Madeisky und ihre gemeinsame politische Arbeit. Dann breitet der OB-Kandidat einen alten Flächennutzungsplan der Stadt Neumarkt aus und zeigt ihn seinem Gegenüber. Auf der Karte hat Ries vermerkt, welche Gebiete er schon mit Flyern versorgt hat und welche noch offen sind. Ganz aktuell ist der Plan allerdings nicht. „Vor einigen Jahren habe ich den noch von der Stadt bekommen. Heute sind dort solche Dokumente nicht mehr zugänglich“, sagt Ries, während Madeisky verständnisvoll nickt. Dass beide mit der Informationspolitik der Neumarkter Stadtverwaltung nicht einverstanden sind, haben sie bereits öfter kund getan.

Ries bekommt Unterstützung von Hans-Jürgen Madeisky. Foto: Dennerlohr
Ries bekommt Unterstützung von Hans-Jürgen Madeisky. Foto: Dennerlohr

Wie es in Verwaltungen zugeht, weiß Ries durchaus, schließlich hat er 40 Jahre lang in einer gearbeitet: Nach der Ausbildung in der gehobenen inneren Verwaltung war er geschäftsleitender Beamter in Seubersdorf. Er hat Bürgermeister und Gemeinderäte beraten, den laufenden Betrieb betreut und mehr als 300 Paare getraut. Seit gut einem Jahr befindet er sich nun in der Freistellungsphase der Altersteilzeit. Und auch wenn das Wort „Unruhestand“ oft bemüht wird – bei Ries trifft es zu. „Die Arbeit ist seither fast mehr geworden. Aber wer die Arbeit scheut, der sollte nicht Kommunalpolitiker werden“, findet Ries. Seine Morgenroutine hat er aus seiner Zeit als Berufstätiger beibehalten: Aufstehen, eine Stunde Zeit für Frühstück und Zeitung lesen, danach geht es weiter mit dem Tagespensum. Das einzige Zugeständnis an den Ruhestand ist die Uhrzeit: Statt um halb sieben steht Ries nun um halb acht auf. Einfach mal auszuschlafen, das käme für ihn nicht in frage, sagt Ries: „Wenn man bis 10 Uhr schläft, dann ist ja quasi der halbe Tag untätig vergangen.“ Eine Aussicht, die ihn offenbar ehrlich empört.

Nach drei Stunden auf dem Marktplatz ist dieser Wahlkampfvormittag für Ries beendet. Im Rathaus schließen sich hinter den Stadträten die Türen des Sitzungssaales – um sich eine halbe Stunde später unverrichteter Dinge wieder zu öffnen: Die nichtöffentliche Sitzung wurde vertagt. Ries, der mit mindestens zwei Stunden gerechnet hatte, nutzt die gewonnene Zeit, um in seiner Wahlkampfzentrale alias Küche auf seinem Laptop Stellungnahmen und Eingaben zu formulieren.

Zwei Generationen treffen aufeinander, als Dieter Ries gegen seinen Enkel Felix antritt. Foto: Wittmann
Zwei Generationen treffen aufeinander, als Dieter Ries gegen seinen Enkel Felix antritt. Foto: Wittmann

Gegen 14.40 Uhr schwingt sich Ries auf sein E-Bike und radelt zum Sandplatz des SV Pölling. Für eine gute Dreiviertelstunde hat der Wahlkampf Pause. Früher schlug Ries mehrmals pro Woche auf und spielte am Wochenende mit seinem Bruder Squash. Letzteres hat er inzwischen aufgegeben. „Die Knie“, sagt Ries. Ein bisschen stolz ist er aber darauf, in seinem Verein Platz 2 der Rangliste zu belegen. Sein Lieblingsgegner ist inzwischen aber sein zehnjähriger Enkel Felix. Jedes Wochenende treten die beiden gegeneinander an. Noch könne er da seine Erfahrung ausspielen, sagt Ries: „Aber die Zeit spielt natürlich für den Jungen.“ Das Match heute ist trotz Wahlkampf seit langem vereinbart, denn: „Politik ist nicht das Einzige, was man so treibt.“ Einen Sieger gibt es am Ende der Partie nicht: „Das Ergebnis ist nicht so wichtig.“

Ries ist ein Familienmensch

Dass Ehefrau Sonja („Ohne sie ginge gar nichts.“), die beiden Kinder und die vier Enkel wichtige Fixpunkte in Ries’ Leben sind, wird an diesem Samstag deutlich – auch wenn er selbst es so direkt nie ausspricht. Was er dagegen sagt ist beispielsweise, dass es ihn wurmt, einmal in 40 Jahren seinen Hochzeitstag vergessen zu haben. Als es darum geht, mit seiner Enkelin Computerzeiten zu verhandeln, lenkt Ries so schnell ein, wie er es wohl noch nie während einer Stadtratssitzung getan hat. „Ich bin aber auch oft streng“, sagt Ries, lächelt aber dabei.

Unser Spezial zur OB-Wahl in Neumarkt finden Sie hier.

Kein Wunder also, dass auch der Wahlkampf im Hause Ries Familiensache ist. Am Nachmittag gehört Ries wieder der Kommunalpolitik. Zuhause kuppelt er den Hänger mit dem überlebensgroßen Wahlplakat an den roten Familien-Mitsubishi. Während die anderen Kandidaten von zahlreichen Wahlplakaten herablächeln, setzt Ries auf den mobilen Wahlkampf. „Wenn ich mit dem Hänger die Marktstraße rauf und runter fahre, rumpelt das so, dass sogar die Leute in der Eisdiele aufschauen“, sagt er. Seit Mittwoch ist er damit auf Tour durch Höhenberg, Frickenhofen und Lähr. Heute geht’s in die Hasenheide.

Der Wahlkampf geht weiter. Foto: Wittmann
Der Wahlkampf geht weiter. Foto: Wittmann

Unterwegs passierte der Hänger an jeder Ecke die Konterfeis der beiden anderen OB-Kandidaten. In der Nürnberger Straße kommt es zur frontalen Begegnung mit dem Wahlkampfflitzer des CSU-Kandidaten. Man grüßt sich.

Es ist kalt und die Hasenheide menschenleer. Das Wahlkampfteam, bestehend aus dem Ehepaar Ries und Enkelin Lara beschließt, das mitgebrachte Infomaterial in den Briefkästen zu verteilen. Insgesamt 18 000 Faltblätter hat Ries für diesen Wahlkampf aus seiner eigenen Tasche finanziert. Die Bürger werden sie ebenso in ihren Briefkästen finden wie die Gloßner-Parktickets. Schließlich bekommt eine Hasenheiderin, die ihren Hund Gassi führt, bekommt das Wahlgeschenk persönlich und freut sich sichtlich. „Die meisten Bürger sagen: ‚Ihr seid wichtig und wir brauchen Euch.‘ Aber wo sie ihr Kreuzl machen, das weiß man ja nicht‘“, schmunzelt Ries. Es beginnt zu regnen und der Wahlkampf wird auf den nächsten Tag verschoben. Am Abend ist Ries wieder Privatmann. Geplant hat er ein Fischessen in Berngau.

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