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Kommunalpolitik

Ries eckt an, dabei will er direkt sein

Der FLitZ-Kandidat bei der Neumarkter OB-Wahl sieht sich keineswegs als der Nörgler, als den ihn viele gerne abstempeln.
Von Lothar Röhrl

Dieter Ries und sein einziges Wahlgeschenk: eine Gratis-Parkkarte mit seinem Konterfei. Sie gilt auf dem Gloßner-Gelände (Herzwirtsgasse). Foto: Röhrl
Dieter Ries und sein einziges Wahlgeschenk: eine Gratis-Parkkarte mit seinem Konterfei. Sie gilt auf dem Gloßner-Gelände (Herzwirtsgasse). Foto: Röhrl

Neumarkt.Warum wurde von Ihnen noch kein Wahlplakat gesichtet?

Das hat zum einen finanziellen Grund. Denn ich bezahle meinen Wahlkampf selbst. Der zweite Grund: Das Platzieren von Plakaten ist sehr zeitaufwendig – angefangen bei der Gestaltung durch einen Grafiker und dann müssen sie ja noch aufgestellt werden. Dafür ist ein kleiner Verein wie FLitZ nicht so stark aufgestellt.

Was sagen Sie dazu, wie das bei Ihren Mitbewerbern aussieht?

Man wird von Plakaten erschlagen. Weil eben auch noch parallel Bundestagswahl ist, fällt die Fülle enorm aus. Ich habe den Eindruck, dass deshalb keiner mehr auf sie schaut.

Bei unserer Leser-Umfrage zur OB-Wahl haben wir nach den Kompetenzen der Kandidaten gefragt. Bei Ihnen
hieß es: „Kommunalpolitisch erfahren, aber zu kritisch und zu wenig tolerant“
oder „Der ewige Nörgler“. Was sagen Sie zu dieser, Ihrer Außenwirkung?

Wir arbeiten seit Jahren daran, dass wir aus dieser Ecke „Verhinderer, Blockierer“ herauskommen. Und dass wir von den Menschen dieser Stadt positiver wahrgenommen werden. Ich persönlich bin kommunalpolitisch erfahren, weil ich seit fast 40 Jahren in einer Landkreisgemeinde als geschäftsleitender Beamter tätig bin. Damit beherrsche ich das ganze Spektrum einer Stadt- und Gemeindepolitik aus dem „Effeff“. Nörgler, zu kritisch: Na ja. Aber wenn man nicht zu kritisch ist, übersieht man leicht etwas – wie etwa beim Kino-Spot des OB, bei dem die Urheberrechte der Stadtwerke eine Rolle spielen. spielen. Auch das Open-Air-Kino ist eine quasi städtische Veranstaltung. Hier wird meines Erachtens die Chanchengleichheit der Wahl verletzt. Ich warte noch immer jeden Tag darauf, was die Kommunalaufsicht dazu feststellt. Da hätte es wenig Sinn, wenn erst nach dem Wahltag 24. September festgestellt würde: Ein Verstoß gegen das Wahlrecht liegt vor.

Über Sie ist auch geschrieben worden: Ein guter Verwaltungsfachmann, ein erfahrener Beamter. Jetzt gehen Sie sehr gegen die Neumarkter Verwaltung vor. Was läuft hier schlechter als anderswo? Was würden Sie als OB ändern?

Es geht nicht um einen Vorwurf gegen die Verwaltung, sondern die Verwaltungsspitze. Der Spruch heißt: Der Fisch fangt vom Kopf her zum Stinken an. Wenn hier Fehler gemacht werden, zieht sich das von oben nach unten durch. So etwa bei Anweisungen des Oberbürgermeisters, die dann vollzogen werden müssen. Es ist eine grundsätzliche Geschichte, wie man auf Anregungen der Verwaltung eingeht und wie man deren Bedenken berücksichtigt. Und es geht um Offenheit und Transparenz gegenüber den Bürgern, denn im Rathaus werden nur Angelegenheiten der Bürger behandelt. Warum soll der Bürger nicht mitreden und nicht bestimmen können?

Sie wurden von Lesern als Aufpasser bezeichnet und Ihr Einsatz für Demokratie wurde gelobt. Ist dieser
eine Art Steckenpferd von Ihnen? Zeigen Sie gar, welche Empathie sie dafür haben?

Als langjähriger Beamter habe ich immer versucht, Recht und Gesetz zu beachten. Manchmal muss man kompromissfähig sein; immer muss man wissen, was man tut. Wenn ich was nicht ganz richtig mache, muss ich wissen, warum ich es nicht ganz richtig gemacht habe. Im weitesten Sinn ist mein Einsatz als Stadtrat nicht Hobby. Ja: Er ist Ausdruck meiner Empathie zugunsten der Demokratie.

Ihr Name wird auch in die Nähe des Umwelt- und Verbraucherschutzes gebracht. Ehrt Sie das?

Ich denke schon. Ich setze mich sehr stark für Nachhaltigkeit ein. Ich bin aber nicht unbedingt der Öko-Freak. Ich fahre zwar ein Elektrorad und ein Elektro-Hybrid-Auto und habe meine Stromtankstelle auf dem Dach und einen Akku-Speicher im Keller. Ich habe Nachhaltigkeit bei der Stadt vermisst, als die Flugreise nach Südafrika unternommen worden ist und es den Gegenbesuch zum Volksfest gegeben hat. Nachhaltigkeit muss sich im gesamten Handeln der Stadt ausdrücken. Das hätte sie bei der Wohnanlage am Deininger Weg beweisen können. Etwa, indem sie das Ganze in Holzbauweise ausgeführt hätte und nicht bloß in herkömmlicher Weise, bei der Holzbretter darauf geklebt werden.

Oft war bei den Lesern die Bemerkung „Kenne ich nicht“ über Sie zu lesen. Wie würden Sie sich selbst
charakterisieren?

Schwierig. Eigenlob stinkt ja bekanntlich. Ich bin kritisch in meiner Haltung, geradlinig in meiner Ausdrucksweise. Weil ich so direkt bin, ecke ich natürlich oft einmal an. In der mündlichen Ausdrucksweise nehme ich mich in der Regel etwas zurück. In der schriftlichen formuliere ich für gewöhnlich härter.

Ich habe Sie heuer beim Neumarkter Volksfest gleich zweimal gesehen. Ansonsten sind Sie in Neumarkt als Gast selten zu sehen. Deshalb könnte der Verdacht aufkommen, Sie meiden den Kontakt zu Neumarkter Bürgern?

Ich bin in erster Linie Familienmensch; mit der Familie bin ich auch ab und zu in einer Gaststätte zum Essen. Ich spiele beim SV Pölling Tennis in der Mannschaft. Es stimmt aber: Ich gehe nicht recht oft in eine Wirtschaft. Andererseits stellt es sich vonseiten der Einladenden so dar, dass sie einen Verhinderer, einen Blockierer nicht dabei haben wollen – wie neulich bei einer Veranstaltung von „aktives Neumarkt“ und IHK.

Johann Georg Gloßner hatte Ihnen bei der Nominierungsveranstaltung gewünscht, dass Sie seinen Stimmenanteil bei der Wahl 2011 verdoppeln. Trauen Sie sich also sieben Prozent zu?

Wir sind ja drei Kandidaten. Damit hat jeder die Chance auf rund 33 Prozent plus/minus X. Bei mir sind es halt minus 30 bis minus 28 Prozent. Sieben Prozent für mich halte ich für eher nicht wahrscheinlich.

Mit welchen drei, vier Themen wollen Sie besonders punkten?

Offenheit und Transparenz ist das eine wichtige Thema, natürlich auch das Trinkwasser, das schon lange Jahre währende Thema „Straßenausbaubeiträge“ und die Entwicklung der Altstadt. Bei den Ausbaubeiträgen bin ich sehr gespannt, ob den Anliegern der Eberhard-Faber-Straße tatsächlich der niedrigere Beitragssatz von 51 Prozent gewährt wird. Das müsste er, denn am Tag vor der Sondersitzung gab es die letzten Bauarbeiten; eigentlich müsste dafür noch eine Rechnung gestellt worden sein. Ein Beitrag ist erst zu erheben, wenn die letzte Rechnung bei der Stadt eingegangen ist. Ich würde Anliegern gegebenenfalls raten, sich deren Eingangsdatum mitteilen zu lassen. Bei Kalk im Trinkwasser sollte eine zentrale Enthärtungsanlage noch nicht vom Tisch sein.

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