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Analyse

Thumann: Der Wähler hat auch abgestraft

Der wiedergewählte Neumarkter OB freut sich über 2908 Stimmen mehr als 2011. Unterdessen lässt schon die nächste Wahl grüßen.
Von Lothar Röhrl

Theoretisch könnte Thomas Thumann einmal sogar Theo Betz (23 Jahre) mit der Amtszeit als OB übertrumpfen. Der 52-Jährige ist jetzt für sechs weitere Jahre Hausherr des Rathauses. Macht er diese voll, übertrumpft er Alois Karl (15) und zieht mit Kurt Romstöck (18) gleich.Foto: Röhrl
Theoretisch könnte Thomas Thumann einmal sogar Theo Betz (23 Jahre) mit der Amtszeit als OB übertrumpfen. Der 52-Jährige ist jetzt für sechs weitere Jahre Hausherr des Rathauses. Macht er diese voll, übertrumpft er Alois Karl (15) und zieht mit Kurt Romstöck (18) gleich.Foto: Röhrl

OB: Zufriedenheit und eine Vorfreude

Mit 68,77 Prozent ein Zehntel mehr als am 25. September 2011 (68,67 Prozent). Aber dank der höheren Wahlbeteiligung (74,1 Prozent) dieses Mal 15 981 Stimmen für ihn nach 13 073 vor sechs Jahren. Ein sehr zufriedener Thomas Thumann präsentierte sich am Montagnachmittag unserem Medienhaus. In seiner Bilanz wollte er nicht nur seinen Wählern danken, sondern auch den rund 330 Wahlhelfern und den zahlreichen Mitarbeitern der Stadt in der Wahlleitung. „Ich habe allerhöchsten Respekt dafür“, sagte Thumann.

Vom Ergebnis zeigte er sich überrascht. Zwar sei er mit dem ruhigen Gefühl in den Wahltag gegangen, dass er die absolute Mehrheit wohl schaffen werde. Was aber dann mit der Wiederholung seines 2011-Resultats heraus gekommen sei, wertete er nicht nur als Riesenbestätigung. Er wertete es auch als Missbilligung des in der letzten Phase des Wahlkampfs eingetretenen „sehr unfairen“ Stils seiner beiden Gegenkandidaten. Der Wähler habe die Beleidigungen gegen Mitglieder der Verwaltung und damit auch gegen ihn selbst missbilligt und abgestraft. Und ihm den Auftrag zum „Weiter.machen“ – so sein Slogan – gegeben. Allerdings werde er sich das im wahrsten Sinn des Wortes noch ein paar Tage aufheben. Thumann wolle nun ein paar Tage frei machen. Denn er wolle seiner Gattin Carolin zur Seite stehen, die in den kommenden Tagen ihr zweites Kind entbinden wird.

Carolin Thumann für Fall der Fälle umsorgt

Ungeachtet des nahen Termins wollte sich Carolin Thumann am Sonntagabend nicht entgehen lassen, was sich so tut. Mit Tochter Valentina (3) kam sie an der Seite ihres als OB wiedergewählten Ehemanns ins Rathaus. Mit diesem strahlte sie fast um die Wette aus Freude über den unerwartet klaren Sieg. Das sei nach der harten Schlussphase des Wahlkampfes eine Erlösung gewesen, sagte sie unserem Medienhaus. Denn die Geschehnisse hätten sie sehr aufgeregt. Daher war in ihrer Nähe mit Kerstin Hartmann eine mit ihr auch persönlich eng verbundene Person – und Hebamme. Kerstin Hartmann bekannte uns gegenüber: „Ich wäre auch so gekommen.“ Aber sicher war in diesem Fall sicher.

Thumann siegte in Grafs Hochburg

Das war eindeutig: In keinem der 38 Stimmlokale, die am Sonntag in Neumarkt offen hatten, konnte Richard Graf Platz eins erringen. In Pölling, wo Graf sich so für ein „Bürgerhaus“ eingesetzt hatte, kam er zwar auf knapp unter und knapp über 40 Prozent und damit sein bestes Abschneiden. Doch Thomas Thumann schnitt jeweils um zehn bis 17 Prozentpunkte besser ab. Der Amtsinhaber hatte nicht einmal in seinem eigenen Stimmlokal Grundschule Holzheim (78,86 Prozent) den besten Wert. Besser waren noch Feuerwehrhaus Höhenberg (83,92 Prozent) und Mittelschule an der Woffenbacher Straße (81,56 Prozent). Übrigens: Dieter Ries fuhr in der Mädchenrealschule mit 9,59 Prozent seinen persönlichen Bestwert ein.

UPW und CSU peilen neues Ziel an

Abrechnung noch am Wahlabend selbst mit dem jeweiligen Hauptgegner CSU beziehungsweise UPW, aber auch gleich ein Blick voraus zur nächsten großen Kommunalwahl in Neumarkt, der Stadtratswahl voraussichtlich im März 2020. Um diese beiden Aspekte ging es unserem Medienhaus in Fragen an UPW-Fraktionschef Dr. Werner Mümmler und an den CSU-Stadtverbandsvorsitzenden Marco Gmelch. Mümmler freute sich über den großen Vertrauensbeweis an die Adresse von Thomas Thumann. „Und das nach dem härtesten Wahlkampf in den letzten 30 Jahren. Das Ergebnis ist auch eine Botschaft an alle, die kurz vor der Wahl mit einer Schmutzkampagne gegen Thomas Thumann noch Stimmen für sich gewinnen wollten.“ Ein solches Ansinnen wies Marco Gmelch weit von sich. Kritisches Nachhaken müsse in einer Demokratie erlaubt sein. Die Einführung des Begriffs „Schmutzkampagne“ sei ein Wahlkampfmittel der UPW gewesen.

Schnell ließen Mümmler und Gmelch erkennen, dass sie sich schon Gedanken über die Stadtratswahl 2020 gemacht haben. Zur Erinnerung: Bei diesen seit 2008 drei Jahre nach der OB-Entscheidung stattfindenden Wahlen ist es unterschiedlich ausgegangen. 2008 lagen CSU und UPW mit je 15 Räten gleich auf; seit 2011 ist die vor 2008 früher oft mit absoluter Mehrheit ausgestattete CSU mit 16 Räten drei Sitze besser platziert als die UPW.

Für seine Freien Wähler gab Dr. Werner Mümmler das Ziel einer deutlichen Verjüngung aus. „Wir haben ein hohes Durchschnittsalter erreicht.“ Mümmler ließ erkennen, dass es noch an einer ausreichenden Zahl jüngerer Bewerber für den Stadtrat fehle. Ein mit 69 Prozent wiedergewählter Oberbürgermeister könnte sich als gute Lokomotive erweisen.

Verjüngung sei für die CSU kein Thema, denn diese seit schon längst eingeleitet worden – sagte dazu Marco Gmelch. Der von ihm geleitete Stadtverband habe sich komplett erneuert. Vor allem sei es gelungen, dass die Neumarkter CSU nach Außen geschlossen auftrete. Im übrigen teilte Marco Gmelch die Meinung des CSU-OB-Kandidaten Richard Graf, dass sein Abschneiden nichts mit dem schlechten Resultat der CSU im Bund zu tun hatte. Gmelch: „Das sind zwei unterschiedliche Baustellen.“

SPD wird wieder Kandidaten stellen

„Das Zünglein an der Waage wären wir nicht gewesen. Aber es wird sicher nicht dauerhaft sein, dass wir keinen Kandidaten stellen“ – für die Neumarkter SPD kommentierte auf unsere Bitte Ursula Plankermann, die Vorsitzende von deren Fraktion im Stadtrat, den Ausgang. „Thomas Thumann hat meine Hochachtung. In der Klarheit und mit der riesigen Mehrheit habe ich das nicht erwartet“, fügte sie an. Allerdings verteidigte sie auch entschieden, dass die SPD gemeinsam mit CSU und FLitZ zuletzt in Sachen „Straßenausbaubeiträge“ eine Allianz gebildet hatte. „Das war eine Allianz bei einem Sachthema“, betonte Plankermann. Dabei sei es gegen die Haltung der UPW und nicht gegen die Person des Oberbürgermeisters gegangen. „Trotz des großen Erfolges sollte er sich überlegen, ob er bei diesem Thema die richtigen Berater hat“, stellte Plankermann fest.

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