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Politik

Wahlkampfgetöse ums Bürgerhaus

Einig waren sich Neumarkts Stadträte im Lob für die Pläne für Pöllings Dorfzentrums. Wem das Lob gebührt, war umstritten.
von Wolfgang Endlein

An dieser Stelle in Pölling soll das Gemeindehaus entstehen, das im Stadtrat einmal mehr Thema war. Foto: Endlein
An dieser Stelle in Pölling soll das Gemeindehaus entstehen, das im Stadtrat einmal mehr Thema war. Foto: Endlein

Neumarkt.Dr. Werner Mümmler hatte recht, als er in der jüngsten Sitzung des Stadtrates feststellte: „Heute ist ein Tag des Lobes“. Tatsächlich fanden viele Stadträte lobende Worte für die am Mittwoch vorgestellte neueste Wendung in den Planungen für ein Gemeindehaus in Pölling.

Allen voran Richard Graf – Vorsitzender des Pöllinger Heimatvereins, Stadtrat, aber eben auch OB-Kandidat der CSU – hatte sich „begeistert“ gezeigt und viel Dank an viele Seiten verteilt. Auch an die Stadtverwaltung – ohne allerdings explizit den Namen von deren Chef und seinem Konkurrenten in der anstehenden OB-Wahl, Oberbürgermeister Thomas Thumann (UPW), zu nennen.

UPW will OB auch bedacht wissen

Was UPW-Fraktionsvorsitzender Dr. Werner Mümmler insbesondere in Zeiten des Wahlkampfes so natürlich nicht stehen lassen wollte. Er holte dies nach, dankte auch ausdrücklich dem OB aus den eigenen Reihen und ritt nebenbei noch eine Attacke gegen den Pöllinger Heimatverein und damit auch dessen Vorsitzenden. Was wiederum Ursula Plankermann (SPD) zu einer Replik anspornte, in der sie Mümmlers Äußerungen mit dem Prädikat „peinlich“ belegte.

In der Folge entspannte sich in diversen Redebeiträgen eine Diskussion darüber, wer wann in welchem Maße den Anstoß zu dem Projekt in Pölling gegeben und es zum jetzigen Status verholfen hat. Geklärt wurde das in der Sitzung erwartungsgemäß nicht. Fest steht nur: Der Wahlkampf hat auch im Stadtrat Einzug gehalten.

Bei allem Wahlkampfdonner waren die Stadträte aber über alle Parteien hinweg dennoch in der Lage, sich mit einstimmigen Entscheidungen für die von der Stadtverwaltung vorgestellte neue Vorgehensweise auszusprechen. Diese basiert auf der Aussicht nun doch erhebliche Fördermittel zu erhalten, nachdem zunächst Gelder aus der Städtebauförderung unerreichbar schienen. Möglich macht dies ein neu aufgelegtes Förderprogramm von Bund und Freistaat.

Über die neue Entwicklung hatte die MZ bereits vor zwei Wochen erstmals berichtet. Den entsprechenden Artikel finden Sie hier.

Insgesamt könnte sich die Entwicklung aus Sicht von OB Thumann letztlich sogar als ein Gewinn erweisen. Denn obschon die Regierung die Stadt zu einer höherwertigeren und raumgreifenderen Planung des Umfeldes eines künftigen Gemeindehauses aufgefordert hat, die entsprechend auch mehr Kosten nach sich ziehen wird, stehen zugleich wesentlich höhere Fördersummen in Aussicht. Bei rund 3,1 Millionen Euro an förderfähigen Kosten könne die Fördersumme bis an die zwei Millionen Euro heranreichen, erklärte der OB.

Wobei dies alles unter Vorbehalt zu sehen sei, wie Oberbürgermeister Thumann betonte. Die Regierung könne nichts zusichern, außer den Antrag der Obersten Baubehörde vorzulegen, die letztlich über Anerkennung des Antrags und die Verteilung der Gelder entscheide. Um überhaupt bis dorthin zu kommen, hat die Stadt den Antrag bereits einreichen müssen, was die Stadträte rückwirkend und einstimmig unterstützten.

Das Pöllinger Gemeindehaus sorgt schon seit langer Zeit immer wieder für Diskussionen. In anderen Stadtteilen kamen die hohen Kosten nicht gut an. Lesen Sie hierzu diesen Artikel. Später folgte über die Finanzierung ein streit zwischen CSU und UPW vor dem Hintergrund der anstehenden OB-Wahl. Dieser Artikel zeigt, worum es geht.

Teil dieses Antrags sind auch erweiterte Pläne für die Gestaltung des Umfeldes rund um das künftige Bürgerhaus. Das neue Förderprogramm lege nämlich stärker die Betonung auf Freiflächen und deren qualitätsvolle gestalterische Ausstattung, wie Christopher Härtl vom Bauamt erklärte.

Granitpflaster für zwei Straßen

Für die erweiterten Pläne bedeutet das, dass die St.-Martin-Straße und die Bergstraße in den als neue Dorfmitte gestalteten Raum zwischen neuem Wohngebäude im Süden, künftigen Bürgerhaus und Kirche integriert werden sollen. Sie sollen in einheitlichem Granitsteinpflaster barrierefrei gestaltet werden, das auch bis zur Kirchentür reichen soll. So soll der Platzcharakter gefördert werden und zudem durch den Belagwechsel von Asphalt auf Pflaster für eine Temporeduzierung bei Autofahrern gesorgt werden. Der Dorfplatz selbst soll eine wassergebundene Decke erhalten, um „die Versiegelung zu reduzieren und den ländlichen Charakter zu stärken“.

Als „Einrichtung“ für den Raum zwischen den Gebäuden sind neben Baumreihen – unter anderem entlang des neuen Wohnhauses und der St.-Martin-Straße – auch ein Brunnen vor dem Bürgerhaus und diverse Sitzgelegenheiten – unter anderem unter der Platane und am künftig begrünten Kriegerdenkmal – gedacht.

Teil der erweiterten Pläne, ist auch ein Spielplatz, der im Südosten auf einem Grundstück der Kirchenstiftung entstehen soll. Durch einen Grünstreifen soll er von der Dorfmitte aus fußläufig erreichbar sein.

Wie Thumann betonte, seien dies erste Planungen, die noch Änderungen erfahren könnten. Eines steht hingegen schon jetzt fest: Der angepeilte Zeitpunkt für eine Einweihung im Sommer 2018 könne nicht eingehalten werden, wie der OB erklärte. Schließlich müsse, um in den Genuss der Förderung zu kommen, ein umfangreiches Verfahren absolviert werden. Was Richard Graf so kommentierte: „Pölling kann das verkraften“.

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