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Taekwondo

Olympiasieger ist ein Nürnberger

Der 23-jährige Servet Tazegül wurde in Nürnberg geboren, er lebt und trainiert auch dort. Sein Verein ist der KSC Leopard in der Südstadt. Die Medaille holte er für die Türkei.

Servet Tazegul feiert seinen Sieg. Foto: AP

Nürnberg.Wenn ein Nürnberger bei den Olympischen Spielen Gold gewinnt, herrscht im Deutschen Haus in London normalerweise Partystimmung. Diesmal Fehlanzeige. Wurde er vergessen? Nein.

Denn der glückliche Gewinner ist Servet Tazegül – und er ist für die Türkei gestartet. Für das Land seiner Väter hat er die erste Goldmedaille dieser Olympischen Spiele gewonnen.

Aber zur Hälfte ist das Edelmetall auch deutsch. Denn der Taekwondo-Kämpfer ist in Deutschland geboren, trainiert und lebt in Nürnberg. „Er ist eigentlich ein richtig deutscher Junge. Ich kenne ihn schon lange“, sagte Bundestrainer Carlos Esteves. „Wir sind superstolz auf ihn.“

Tainer schwärmt: „Ein Vorbild“

Ein wenig Trauer beschleicht Esteves, dessen Mutter Spanierin ist und der mit sechs Jahren nach Deutschland kam, schon. „Es wäre natürlich schön gewesen, wenn er diese Goldmedaille für uns gewonnen hätte. Aber das ist leider nicht zu ändern.“ Tazegül sei ein „feiner Kerl, ein Vorbild für andere Sportler“, lobt Esteves den Charakter des 23 Jahre alten Olympiasiegers.

Als Tazegül fünf Jahre alt war, begann er mit Taekwondo in seinem Heimatverein KSC Leopard Nürnberg. Das Domizil des Clubs befindet sich in der Südstadt, in der Nähe des Annaparks. Irgendwann war es soweit, dass er sich für eine Nationalität entscheiden musste: Deutschland oder Türkei. „Als Kind wollte ich schon für Deutschland starten, später nicht mehr“, bekennt der Weltmeister, der bei den Olympischen Spielen vor vier Jahren in Peking Bronze gewonnen hatte. „Damals war ich noch nicht in der Verantwortung. Ich hätte bestimmt versucht, ihn zu überreden“, meint Esteves.

Offiziell wird in London Tazegüls Heimatclub mit Gaziosmanpasa Belediye Genclik SK Istanbul angegeben. Was irgendwie nicht stimmt, auch wenn der Europameister ab und an zu Trainingslagern in die Heimat seiner Vorfahren reist. Die Nürnberger Leoparden sind sein sportlicher Fixpunkt.

Sein Coach beim KSC ist der bayerische Landestrainer Nurettin Yilmaz, ebenfalls mit türkischen Wurzeln. Er aber ist Deutscher. Wie auch Vereinskameradin Sümeyye Manz, geborene Gülec. Die türkisch-stämmige Athletin, die in London nicht über die erste Runde hinauskam, startet für die deutschen Farben.

Der Triumph in London ist dem 1,80 Meter großen Athleten nach Überzeugung seiner Trainer und Freunde mehr als zu gönnen. Wochen zuvor war er in ein Loch gefallen.

Medaille der toten Mutter gewidmet

„Meine Mutter ist vor zwei Monaten gestorben. Das war eine schwere Zeit. Ich wollte unbedingt Gold für sie gewinnen“, berichtet Tazegül. Das Prachtstück um seinen Hals widmete er denn auch seiner Mutter.

Servet Tazegül hatte sich am Donnerstagabend in London gegen den Iraner Mohammad Bagheri Motamed in der Gewichtsklasse bis 68 Kilogramm mit 6:5 in Finale durchgesetzt. Für Tazegül ist es nach Bronze in Peking und dem WM-Titel 2011 der größte Erfolg seiner Karriere. In London gewann der 23-Jährige vor Terrence Jennings aus den USA und Rohullah Nikpah aus Afghanistan.

Tazegüls internationale Karriere war übrigens von Anfang an hervorragend. Gleich bei seinen ersten internationalen Titelkämpfen, der Juniorenweltmeisterschaft 2004 in Suncheon, gewann er in seiner Gewichtsklasse den Titel. Ein Jahr darauf konnte er in Baku auch den Junioreneuropameistertitel erringen. Der Durchbruch in die internationale Spitze im Erwachsenenbereich gelang Tazegül schließlich im Jahr 2008. (dpa/mz)

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