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Rechtskolumne

Ärger auf der Urlaubsreise

Rauchverbot, Baustellen, Ungeziefer – das kann die Entspannung vermiesen. Unser Rechtsanwalt erklärt alles über Reisemängel.
Von Rechtsanwalt Geedo Paprotta

Urlaubsreisen sollen der Entspannung dienen – doch immer wieder treffen sich Touristen und Reiseveranstalter danach vor Gericht. Foto: Jens Kalaene/dpa
Urlaubsreisen sollen der Entspannung dienen – doch immer wieder treffen sich Touristen und Reiseveranstalter danach vor Gericht. Foto: Jens Kalaene/dpa

Neumarkt.Urlaubszeit, Reisezeit! Und was gehört zu einer anständigen Urlaubsreise dazu? Natürlich: ein anständiges Urlaubsbudget um Spaß zu haben. Da gibt es einerseits die traditionellen Geldquellen, die wir alle kennen. Die Oma steckt einem einen Hunderter zu, der Arbeitgeber überweist Urlaubsgeld und selber hat man sich Monat für Monat ein bisschen was auf die Seite gelegt. Aber zunehmend gibt es auch einen Faktor, den mancher aus seiner Urlaubsplanung gar nicht mehr wegdenken möchte: den Reisemangel.

So ein anständiger Reisemangel, eine Kakerlake im Bad vielleicht oder eine Baustelle vor dem Balkon mit fehlendem Meerblick, kann schon mal 15 Prozent oder mehr Rabatt auf den Reisepreis bringen. Findige Urlauber haben ihre Reisemangel-Rechtsprechungstabelle deshalb immer im Koffer, gleich neben der Sonnencreme. Und denen muss man nicht noch extra die goldene Regel der Reisemängelrüge erklären: Nie an der Rezeption, sondern immer direkt beim Veranstalter beschweren!

Ein Urlauber hatte eine Reise auf die Insel Jamaika gebucht. Vor Ort wollte sich der Mann dann erstmal ein leckeres Zigarettchen am Strand anzünden, aber nichts da mit der Urlaubsfreude! Hatten diese Ex-Piraten doch, kaum als er die Reise gebucht hatte, ein allgemeines Strandrauchverbot verhängt, das in ganz Jamaika galt! Das ist ein Reisemangel allererster Kajüte? Von wegen. Das Amtsgericht Hannover entschied gegen den Reisenden. Ein plötzliches und ungeplantes Rauchverbot, das sei kein Reisemangel, sondern vielmehr allgemeines Lebensrisiko, argumentierte der Richter. Ähnlich wie Lungenkrebs, möchte man dem Raucher gern ergänzend zurufen (Az. 567 C 9814/15). Das war dann wohl ein Griff ins Klo.

Einen solchen – quasi im wahrsten Sinne des Wortes – klagte ein anderer Urlauber vor dem Landgericht Köln ein. Für 6143 Euro hatte der Betroffene einen Fünf-Sterne-Luxus-Türkeiurlaub am Strand gebucht. Rauchen wollte der Urlauber nicht, er wollte vielmehr ins Meer! Dorthin wollte dummerweise auch der Inhalt der kaputten örtlichen Kläranlage und so … bekam der Urlaub ungewollten Lokalkolorit. Und der Kläger und seine Familie bekamen schweren Brechdurchfall. Dafür aber wurde vom Landgericht auch den Reisemangel-Jackpot ausgeschüttet: 100 Prozent des Reisepreises zurück und obendrauf noch 500 Euro Schmerzensgeld pro Familienmitglied. Hier kann man von den Profis lernen (Az. 2 O 56/15)!

Aber nicht dass Sie glauben, Montezumas Rache sei jetzt der idiotensichere Weg zum lukrativen Reisemangel! Ein Kläger vor dem Amtsgericht Rostock kam drei Tage wegen „Magen-Darm“ nicht vom Topf in seiner Kreuzfahrtschiffkabine und konnte deshalb auch an den Landgängen nicht teilnehmen. „Na und?“, sagte der Richter und dann kam wieder der Spruch, den wir schon kennen: Brechdurchfall ist „allgemeines Lebensrisiko“! Immerhin ließ der Kreuzfahrt-Veranstalter kulanzhalber 200 Euro an den unglücklichen Mitreisenden rüberwachsen (Az. 47 C 210/14). A bissl was geht immer, sagt der Reisemangelprofi aus Erfahrung.

Mehr Teile der Kolumne „Paprottas Paragrafen“ lesen Sie hier.

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