MyMz
Anzeige

Rechtskolumne

Ärger mit der Reservierung

Böse Zungen behaupten, Reservierungen seien der Deutschen liebster Sport im Urlaub. Manchmal haben damit auch Richter zu tun.
von Rechtsanwalt Geedo Paprotta

Sie reservieren die  besten Liegestühle frühmorgens mit einem Handtuch – so lautet das Klischee über deutsche Urlauber. Foto: Monika Skolimowska/dpa
Sie reservieren die besten Liegestühle frühmorgens mit einem Handtuch – so lautet das Klischee über deutsche Urlauber. Foto: Monika Skolimowska/dpa

Neumarkt.Sommerzeit, Reisezeit, Reservierungszeit. Denn ganz ehrlich – ohne geht’s heutzutage nicht mehr. Uns Deutschen wird gern vorgehalten, wir seien in Sachen „Reservierung“ besonders findig. Tja, ohne Fleiß … kein Platz in der ersten Reihe am Strand! Es ist eine Frage der Mentalität, ob man sich den Wecker im Urlaub auf halb sechs stellt, um sein Handtuch schon mal auf einen der vorderen Liegestühle zu dekorieren. Reserviert! Erholung kann stressig werden…

In einem Land der Reservierungsprofis prüfen auch die Gerichte das Thema auf hohem Niveau. Zum Beispiel das Landgericht Frankfurt. Da hatte ein Verlag für die Buchmesse eine Reihe von Zimmern in einem Hotel reserviert. Zurück kam, per Fax (der Fall spielte in den 2010ern, da hatte man sowas noch) eine „Reservierungsbestätigung“. Allerdings stand kein Preis drauf. Die Verlagsmenschen tummelten auf der Messe und wohnten in dem Hotel – nur kamen weniger, als reserviert, und die reisten auch noch später an und früher ab. Das Hotel verlangte aber den vollen Preis für die „Reservierung“. Der Verlag argumentierte vor Gericht, die Reservierungsbestätigung sei doch unverbindlich gewesen! Das wichtigste, der Preis nämlich, habe gefehlt und der Preis gehöre zu den „essentialia negotii“, dem Kern des Rechtsgeschäfts. Lateinischer Schmarrn, sagten die Richter (auf hessisch). Wer pauschal Zimmer bucht, der geht vom üblichen Preis aus. Immerhin: für die ungenutzten Tage zog das Gericht zehn Prozent Eigenersparnis und sogar 50 Prozent vom Frühstückspreis ab (Az. 2/01 S 52/04).

Mehr Teile der Kolumne „Paprottas Paragrafen“ finden Sie hier.

Mit Reservierungen kann man sich sein ganzes Leben befassen und sogar noch darüber hinaus. Ein Ehepaar hatte ein Grab auf einem jüdischen Friedhof reserviert. Der Gatte hatte es auch schon bezogen. Die Erben der Ehefrau allerdings bekamen Post, dass die Mutter nicht mit hineindürfe. Die Friedhofssatzung sah nämlich vor, dass Angehörige anderer Religionsgemeinschaften in den jüdischen Gräbern nicht liegen sollen. Das Oberverwaltungsgericht Münster aber sorgte dafür, dass das Paar auf ewig vereint wurde. Die Totenwürde habe insoweit Vorrang vor dem Selbstverwaltungsrecht der Kultusgemeinde (Az. 19 A 1970/14). Sehr romantisch!

Ähnlich romantisch hatte es sich wohl auch ein Mann vorgestellt, der ein Musical mit Übernachtung für zwei gebucht hatte. Er erhielt daraufhin auch eine Reservierungsbestätigung für zwei Plätze, einen für die Freundin, einen für sich. So weit, so gut. Dummerweise waren die sehr weit auseinander! Der Mann trat von der Buchung zurück, die Sache ging vor das Landgericht Frankfurt a. M., wo der Veranstalter argumentierte: Zwei Plätze gebucht, zwei Plätze geliefert – wo ist das Problem? Doch das Gericht erkannte das Problem sehr wohl: Wenn ein Paar ein Musical bucht, will es natürlich zusammensitzen. Das muss man nicht extra dazu buchen! (Az. 2/24 S 282/96). Nichts ist doch romantischer, als eine gelungene Reservierung für zwei.

Mehr Nachrichten aus der Region Neumarkt finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht