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Rechtsprechung

Autofahrer machen im Winter viel falsch

Ein Neumarkter Rechtsanwalt erklärt, was Autofahrer bei Schnee und Eis unbedingt vermeiden sollten – sonst wird es teuer.
Von Geedo Paprotta, Rechtsanwalt

Die Frontscheibe des Autos muss komplett freigekratzt sein. Ein kleines Loch oder nur die Hälfte reicht nicht. Foto: Marks/dpa
Die Frontscheibe des Autos muss komplett freigekratzt sein. Ein kleines Loch oder nur die Hälfte reicht nicht. Foto: Marks/dpa

Neumarkt.Der Winter meint es heuer ernst mit uns! Zwar gibt’s immer wieder einmal milde Pausen, aber danach kommen Kälte, Eis und Schnee dann umso dicker. Gerade für Autofahrer ist das – vorsichtig formuliert – eine „Herausforderung“. Ich meine gar nicht den Teil, wo man wegen der riesigen Schneemassen am Straßenrand keinen Parkplatz mehr findet oder alles steht, weil Schnee die Fahrbahn einspurig macht und ein Bus durch will.

Nein. Der Ärger fängt ja schon an, wenn man morgens aus dem Haus kommt und anstelle seines Autos nur einen unförmigen weißen Hügel findet. Und jetzt? Ich will hier nicht den Oberschneelehrer herauskehren – aber jetzt machen die meisten von uns eine ganze Menge falsch. Erstmal den Motor anstellen, damit die Kiste warm wird und man die Scheiben leichter freikratzen kann, oder?

§ 30 StVO besagt dummerweise: „Bei der Benutzung von Fahrzeugen sind unnötiger Lärm und vermeidbare Abgasbelästigungen verboten. Es ist insbesondere verboten, Fahrzeugmotoren unnötig laufenzulassen (…)“ Wer es sich trotzdem nicht verkneifen kann, muss mit einem Verwarnungsgeld von zehn Euro rechnen. Bei Lkw allerdings ist das Warmlaufen technisch notwendig und daher nicht vermeidbar.

Wenn das mobile Iglu dann endlich rollt und wir ein kleines rundes Bullauge auf der Windschutzscheibe freigeschabt haben, geht der Ärger bereits weiter. § 23 StVO sagt nämlich: Wer ein Fahrzeug führt, ist dafür verantwortlich, dass seine Sicht nicht durch den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt wird.

Die Polizei macht bei Kontrollen hier keine Gefangenen. Es ist ganz egal, ob es nur einen Sehschlitz gibt oder ob die Scheibe zur Hälfte frei gekratzt ist: Sie muss vollständig eisfrei sein, sonst kostet das zehn Euro.

Richtig ungemütlich wird es, wenn die Schneehaube während der Fahrt vom Dach herunterrutscht! Verliert ein Fahrzeug bei der Fahrt Schnee oder Eis vom Dach, begeht der Fahrer nach § 23 StVO eine Verkehrsordnungswidrigkeit. Es droht ein Bußgeld zwischen 25 Euro (wenn nichts passiert ist) und bis zu 80 Euro und drei Punkten bei einer Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit. Werden Personen verletzt oder gar getötet, sind wir bei fünf Punkten.

Außerdem klappen wir dann das Strafgesetzbuch auf: § 229 (fahrlässige Körperverletzung) und § 222 (fahrlässige Tötung). Dummerweise bemerkt man das abrutschende Eis ja nicht immer gleich, aber das macht es auch nicht besser: Entfernt sich der Iglutransporter nach einem Unfall, der durch abgerutschtes Dacheis verursacht wurde, vom Unfallort, ohne zugunsten der anderen Unfallbeteiligten die Feststellung seiner Person zu ermöglichen, so reden wir über Fahrerflucht, oder wie es die Juristen nennen: § 142 StGB, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort.

Helfen würde dagegen zweierlei: Entweder eine Standheizung im Auto – oder die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Naja, daheim den Ofen einschüren und im Bett bleiben geht freilich auch.

Alle Teile der Rechtskolumne von Geedo Paprotta lesen Sie hier

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