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Paprottas Paragrafen

Ballspielen ist gefährlich

Haften Kinder, wenn beim Spielen ein Ball ins Gesicht geht? Diese Frage beantwortet Geedo Paprotta in seiner Kolumne.
Geedo Paprotta, Rechtsanwalt

Beim Spielen im Garten fliegt schnell mal ein Ball aufs angrenzende Grundstück. Nachbarn müssen das hinnehmen. Foto: Christin Klose/dpa
Beim Spielen im Garten fliegt schnell mal ein Ball aufs angrenzende Grundstück. Nachbarn müssen das hinnehmen. Foto: Christin Klose/dpa

Neumarkt.Eines ist sicher: Tief in uns Menschen muss es eine genetische Disposition geben, die uns für Ballspiele begeistert. Vor allem Kinder. Wo solche Leidenschaften hinführen, wissen wir alle: Natürlich vor Gericht.

Denn Ballspielen ist sowas von gefährlich! Da stand zum Beispiel ein Siebenjähriger vor dem OLG Nürnberg. Er hatte mit einem Kumpel herumgebolzt, obwohl der Papa seines Kumpels ihm das ausdrücklich verboten hatte, weil dort gläserne Laternen herumhingen. Sie kennen vielleicht „Murphys Gesetz“? Es besagt: „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“ Und raten sie mal, was passiert ist? Klar: Volltreffer gegen eine Lampe und ein Splitterregen. Aber Murphys Gesetz sagt ja, dass wirklich alles schief geht, was schiefgehen kann. Deshalb erwischte den Kumpel ein Splitter genau im Auge. Die Richter beim OLG waren knallhart: Der Siebenjährige ist ausreichend einsichtsfähig und wusste, dass es verboten war. Das ihm bekannte Risiko verwirklichte sich wegen seines grob fahrlässigen Handelns. Und deshalb haftete der Knirps in Höhe von 10 000 Euro Schmerzensgeld (Az. 5 U 130/06).

Als Inhaber einer Anwaltskanzlei ist Geedo Paprotta hautnah dran am Gerichtsalltag. In unserer Kolumne beschäftigt er sich jeden Montag mit einem anderen juristischen Thema.
Als Inhaber einer Anwaltskanzlei ist Geedo Paprotta hautnah dran am Gerichtsalltag. In unserer Kolumne beschäftigt er sich jeden Montag mit einem anderen juristischen Thema.

Dieser Fall aber ist natürlich eine haarsträubende Ausnahme, wie das OLG Oldenburg klarstellt. Bei einer Konfirmationsfeier wurde ein Tennisball herumgeworfen. Ausgerechnet der Konfirmand selbst warf einem seiner erwachsenen Gäste den Ball versehentlich ins Gesicht: die Brille des Mannes brach, er verletzte sich am Auge – und wollte ebenfalls 10 000 Euro. Das Gericht befand jedoch: Wenn man sich unter ballspielende Kinder mischt, muss man mit allem rechnen und wies die Klage ab (Az. 6 U 170/15).

Am Schluss noch der Klassiker: Die Kinder schießen den Ball in Nachbars Garten. Dürfen sie über den Zaun klettern und ihn sich wieder holen? Das Landgericht München II sagt: Brav klingeln und den Nachbarn um Rückgabe des Balles bitten. Selbst wenn es ein schrecklich böser Nachbar ist, vor dem alle Kinder Angst haben. Das Gericht ergänzte : Der Nachbar ist verpflichtet, den Ball herauszugeben (Az. 5 O 5454/03).

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