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Rechtskolumne

Bitte keine Abenteuer auf Zebrastreifen!

Der Neumarkter Rechtsanwalt zeigt Beispiele auf, bei denen sich Fußgänger gehörig daneben benommen haben.
Von Rechtsanwalt Geedo Paprotta

Nicht in jeder Situation schützt ein Zebrastreifen den Fußgänger. Foto: Ronald Wittek, dpa
Nicht in jeder Situation schützt ein Zebrastreifen den Fußgänger. Foto: Ronald Wittek, dpa

Neumarkt.Was sieht aus wie ein weißes Pony, hat aber schwarze Streifen? Wenn sie jetzt vorschnell „Zebra“ sagen, dann sind Sie vermutlich kein Jurist! Natürlich ist „Zebra“ eine denkbare Option. Sie werden aber zugeben, dass es sich tatsächlich auch um ein weißes Pony mit schwarzen Streifen handeln könnte. Oder sogar um ein schwarzes Pony mit weißen Streifen. Nur weil etwas wahrscheinlich ein Zebra sein dürfte, kann man sich da noch lange nicht sicher sein. Und da wären wir auch schon beim Thema: Zebrastreifen sind nicht sicher! Verinnerlichen Sie das bitte unbedingt!!!

Die nachfolgenden Urteile werden Ihnen zeigen, dass diese Erkenntnis dazu geeignet ist, Ihre Lebensqualität erheblich zu steigern. Nehmen wir zum Beispiel diesen Fall, den das Oberlandesgericht Hamm zu entscheiden hatte. Ein Autofahrer näherte sich einem Zebrastreifen mit halsbrecherischer Geschwindigkeit. So empfand es jedenfalls die Dame, die klägerischerseits vor Gericht von dem Autofahrer Schmerzensgeld verlangte. Kein allzu abwegiger Gedanke, möchte man meinen, denn immerhin hatte dieser Rowdy sie glatt über den Haufen gefahren! Noch dazu mit einem Anhänger hintendran (wobei das für den Fall von eher untergeordneter Bedeutung war).

Plötzlich verließ sie den Gehweg

Was gibt es da zu streiten, fragen Sie? Nun, zunächst einmal stellte sich bei Gericht heraus, dass der Pkw wohl nur mit etwa 30 km/h unterwegs war, obwohl 50 erlaubt war. Und dann waren die Richter doch verblüfft darüber, wie die Dame den Zebrastreifen genutzt hatte: Bis kurz vor dem Eintreffen des Autos stand sie nämlich eher desinteressiert am Straßenrand. Erst als der Unfallgegner ganz nah dran war, sprang sie überraschend auf die Fahrbahn. Da halfen ihr die Streifen natürlich auch nicht. Weder physikalisch, noch juristisch. Das Auto konnte nämlich unmöglich so schnell bremsen. Und, so die Richter, musste es auch nicht, denn der Fahrer konnte unmöglich damit rechnen, dass die Dame lebensmüde ist.

Geedo Paprotta widmet sich dieses Mal einem Streitthema: Wann schützt ein Zebrastreifen Fußgänger eben nicht.
Geedo Paprotta widmet sich dieses Mal einem Streitthema: Wann schützt ein Zebrastreifen Fußgänger eben nicht.

Deshalb bekam sie auch nur ein gestreiftes Pony zugesprochen. Nein, das ist gelogen. Sie bekam gar nichts (Az. 6 U 39/03). Gerichte sind mit Zebrastreifenrasern ohnehin scheinbar sehr gnädig. Ein 80-jähriger Autofahrer stand vergangenen Herbst vor dem Strafrichter am Amtsgericht Frankenthal, weil er angeblich wie eine gesengte Sau auf eine verängstigte Dame zu gedonnert war, die gerade ihren schüchternen Hund über den Zebrastreifen balancieren wollte. Die Dame schilderte, dass sie das arme Tier ruckartig am Hals zurück habe reißen müssen, sonst wäre alles aus gewesen.

Freispruch statt Knast

Der Richter befand zunächst, der alte Mann stünde mit einem Bein im Knast. Dann allerdings schilderte ein Zeuge, das ganze habe sich praktisch in Zeitlupengeschwindigkeit abgespielt und zwischen Hund und Auto seien mehrere Meter Platz gewesen. Sie ahnen, dass der Richter an einem Freispruch nicht vorbeikam.

Besonders schutzlos auf Zebrastreifen sind Radfahrer. Das Landgericht Frankenthal wies einem solchen, der von einem Auto erfasst worden war, 50% Mitschuld zu. Zebrastreifen seien für Fußgänger da – wer das gestreifte Pony liebt, der schiebt. Nur dann gibt’s den kompletten Schutz (Az. 2 S 193).

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