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Justiz

Eine echte Haarspalterei

Der Neumarkter Rechtsanwalt Geedo Paprotta befasst sich heute in seiner Kolumne mit dem Thema Wildunfälle.
Von Geedo Paprotta, Rechtsanwalt

Ein junges Reh steht neben einem Alleebaum an einem Straßenrand. Foto: Patrick Pleul/dpa
Ein junges Reh steht neben einem Alleebaum an einem Straßenrand. Foto: Patrick Pleul/dpa

Neumarkt.Heute geht es um ein pelziges Thema und das kann sogar im Einzelfall auch zu Haarspaltereien führen. Ich spreche von Wildunfällen – und stelle die Frage, wann Versicherungen dafür denn eigentlich zahlen müssen? Zunächst einmal sind Schäden am eigenen Fahrzeugen, die durch eine Kollision mit „Haarwild“ verursacht werden, üblicherweise durch die Teilkasko abgedeckt.

Da wird also schon eingegrenzt – nur wenn das Tier zottelig genug ist, zahlt die Teilkasko. Wenn sie hingegen bei abendlichem Nebel mit einem Leguan, einem Nilpferd oder einem Schwarm Nacktmulle zusammenstoßen, wird es versicherungstechnisch schon heikel. Weil diese Biester einfach nicht haarig genug sind! Aber mal so unter uns Tierfreunden: bevor wir herausfinden, wie pelzig unser Unfallgegner genau ist, probieren wir es doch vielleicht lieber einmal mit einer defensiven Strategie?
Bremsen zum Beispiel oder Ausweichen. Das kann natürlich ebenfalls zu Problemen mit der Teilkasko führen, insbesondere dann, wenn das Manöver in einem Graben endet. Das Landgericht Trier zum Beispiel befand, ein riskantes Ausweichmanöver für einen Fuchs sei „grob fahrlässig“ (Az. 4 O 241/09). Das Oberlandesgericht Nürnberg wiederum hielt dagegen, dass eine Vollbremsung bei einer Geschwindigkeit von 70 km/h zur Rettung eines Fuchses völlig in Ordnung sei (Az. 8 U 1477/99).

Wenn ich ein Fuchs wäre, ich würde ja lieber in Nürnberg leben wollen, nicht in Trier. Aber es geht auch anders. Was ist rot und ist doch kein Fuchs? Hase! Das jedenfalls behauptete ein Autofahrer mit 6000 Euro Schaden im Streit mit seiner Versicherung vor dem Landgericht Coburg. „Nie im Leben war das ein Hase!“, hielt die Versicherung dagegen und so wurde eine DNA-Sequenzanalyse durchgeführt, bei der die am Auto klebenden Tierhaare genau untersucht wurden. Echte Haarspalterei eben, wie schon erwähnt. Und was war es am Ende? Ein Eichhörnchen… und damit versicherungsrechtlich kein Wild (Az. 23 O 256/09).

Kaum zu glauben, was das für ein Riesenvieh gewesen sein muss! Was natürlich nicht bedeutet, dass so eine genetische Tierfellfeststellung für die Versicherung immer der Königsweg ist. Vor dem Oberlandesgericht München hatte ein Unfallfahrer seine Versicherung verklagt, weil die erst die Haare des Unfallwildes einkassiert hatten. Dann behauptete die Versicherung, es sei gar kein Wild und vor Gericht weigerte sie sich dann schließlich, die Haare für ein Gutachten wieder rauszurücken.

Die wussten vermutlich genau, dass es diesmal kein Oachkatzerl gewesen war. Das Gericht befand: das ist Beweisvereitelung! Und zur Strafe hat es die Versicherung dazu verurteilt, den Schaden zu begleichen (Az. 10 U 3566/14).

Was es denn tatsächlich für ein Tier gewesen ist und warum die Versicherung das unbedingt geheim halten wollte, werden wir vielleicht niemals erfahren. Jedenfalls wissen Sie jetzt, was Sie beim nächsten Eichhörnchen besser tun und was Sie lieber unterlassen …

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