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Recht

Lebensgefahr durch süße Wurfgeschosse

In seiner Rechts-Kolumne geht der Neumarkter Anwalt auf die Bonbons bei Faschingsumzügen ein – und verletzte Karnevalsopfer.
Von Rechtsanwalt Geedo Paprotta

Kinder sind ganz scharf auf die Kamellen, die von Karnevalswagen geworfen werden – manche Menschen sehen in ihnen gefährliche Wurfgeschosse. Foto: Carsten Rehder/dpa
Kinder sind ganz scharf auf die Kamellen, die von Karnevalswagen geworfen werden – manche Menschen sehen in ihnen gefährliche Wurfgeschosse. Foto: Carsten Rehder/dpa

Neumarkt.Wenn ausgewachsener Wahnsinn mit perfider Methode stattfindet, dann ist es wieder soweit: Fasching! Und vertrauen Sie mir in dieser Frage einfach – es ist völlig sinnlos, sich gegen eine Naturgewalt wie den Fasching zu wehren. Das ist genauso, als würden sie einen feurigen Vulkan verklagen wollen. Oder eine Schlammlawine. Nein, das Einzige, was beim Fasching hilft, sind sinnvolle Schutzmaßnahmen. Dazu ist es freilich notwendig, die besonderen Risiken des Faschings und des Verhaltens seiner Betreiber zu kennen. Diese Risiken sind mannigfaltig und bisweilen gleichermaßen klebrig wie schmerzhaft.

Eine Dame in Köln hielt sich während eines Karnevalsumzugs vor einer Seniorenresidenz auf und wurde durch närrische Artillerie verletzt. Vor dem Amtsgericht berichtete sie konkret, es seien von einem Festwagen aus durch ulkig vermummte Gestalten gezielt mehrere Schokoladenriegel mit großer Kraft auf sie geschleudert worden. Dieses unverantwortlich gefährliche Gebaren habe nicht unerhebliche Verletzungen an ihrem Auge hervorgerufen. Gerade vor einer Seniorenresidenz dürfe man doch etwas mehr Rücksicht verlangen! 1500 Euro Schmerzensgeld verlangte sie als Kompensation für diesen Irrsinn.

Doch die Kölner Amtsrichter sind ein jeckes Volk. Sie analysierten den Sachverhalt und teilten der Dame mit: Das Werfen von kleineren Gegenständen während eines Karnevalsumzuges vom Umzugswagen aus sei sozial üblich, allgemein anerkannt, von allen Zuschauern erwartbar und erlaubt. Es dürfte für viele Zuschauer sogar einen ganz wesentlichen Teil des Vergnügens bei einem Karnevalsumzug ausmachen. Da würde es auch nicht helfen, nur kleinere Süßigkeiten zu werfen. Schon ein einzelnes Bonbon oder eine 17 Gramm leichte Schokoladenwaffel könnten im ungünstigen Einzelfall böse Verletzungen hervorrufen.

Allerdings sei es auch völlig lebensfremd, anzunehmen, dass vor bestimmten Gebäuden, wie einer Seniorenresidenz, besondere Wurfzurückhaltung geboten wäre. Zum einen könne der großzügige Wurf von Süßigkeiten gerade vor solchen Gebäuden besondere Freude der Bewohner auslösen. Zum anderen sei es angesichts der Zuglänge von rund sieben Kilometern nicht möglich, vom Umzugswagen aus den Charakter aller Gebäude auf die Schnelle im Einzelfall zu beurteilen.

Die Tatsache, dass mehrere Süßigkeiten zugleich geworfen werden, sei allgemein üblich. Es sei nicht geboten, nur einzelne Riegel zu werfen, wobei ja auch ein einzelner Gegenstand bereits Verletzungen auslösen könnte (Az. 123 C 254/10). Mit dieser Entscheidung fügt sich das Amtsgericht Köln in den Zug anderer närrischer Gerichte ein.

Schon das Amtsgericht Eschweiler hatte eine Klage eines versehrten Karnevalsopfers abgewiesen, das von einer gefährlichen Wurfblume am Auge getroffen worden war (Az. 6 C 599/85). Das Landgericht Trier wies die Klage eines Narren ab, der durch ein vom Festwagen geschmettertes Bonbon am Zahn verletzt worden war (Az. 1 S 150/94). Ruhe bewahren. Am Aschermittwoch heißt es dann: Der Fasching ist vorbei, was sind wir froh – die Narren sind jetzt wieder im Büro.

Weitere Teile der humorvollen Rechtskolumne finden Sie hier.

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