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Paprottas Paragrafen

Mit Kaffee reich werden

Schon oft haben sich Gerichte mit heißem Kaffee befassen müssen. Fazit: In Amerika schmerzen Verbrühungen offenbar mehr.
Von Rechtsanwalt Geedo Paprotta

Gerichte beschäftigten sich schon oft mit umgeschüttetem Kaffee. Foto: Hildenbrand/dpa
Gerichte beschäftigten sich schon oft mit umgeschüttetem Kaffee. Foto: Hildenbrand/dpa

Neumarkt.Auch wenn Geld angeblich nicht glücklich macht, ist der Gedanke daran, unermesslich reich zu sein, schon faszinierend. Was tun Menschen nicht alles, um sich diesen Traum zu erfüllen? Lotto spielen, Gold schürfen… aber haben Sie mal über Kaffee nachgedacht? Natürlich sind uns, wie so oft, wenn es ums große Geld geht, auch bei der Geschäftsidee „Kaffee“ die Amerikaner weit voraus. Bereits 1992 war es, da schüttete sich eine US-Amerikanerin einen kochend heißen Becher Kaffee von McDonalds auf den Schoß und verklagte die Fastfood-Kette daraufhin auf Schmerzensgeld. 480 000 Dollar warf ein Gericht als Vorschlag aus. Man stritt dann noch weiter und einigte sich schließlich im Jahre 1994 auf eine geheime Summe. Da müssen Sie lange Lotto spielen, von Goldschürfen will ich gar nicht reden!

Na geht doch, erklärte eine Frau vor dem Amtsgericht Meldorf. Sie hatte alles richtig gemacht: Kaffee aus Schnellrestaurant versehentlich drübergekippt, böse Verbrühungen, Schmerzensgeld eingeklagt. Aber das Amtsgericht Meldorf ist halt nicht in Amerika und hat deshalb eine typisch deutsche Denkweise an den Tag gelegt: Das Umkippen eines Kaffeebechers lasse sich bei einfachster Sorgfalt vermeiden. Deshalb sei die Frau selber schuld (Az. 80 C 1256/09).

Aber lassen sie sich nicht gleich entmutigen von dieser Entscheidung! Deutschland ist halt anders als Übersee, das muss man es geschickter anstellen. Mein Tipp: Lassen Sie sich doch in einem Zug mit Kaffee beschütten! So einen Fall hat das Amtsgericht Berlin Tiergarten zu entscheiden gehabt und Sie werden staunen, wie gering der Aufwand ist. Es fängt schon damit an, dass Sie den Kaffee gar nicht selber bestellen müssen. Die Klägerin schilderte, ein Bahnangestellter sei mit seinem heißen Kaffeebecher an ihr vorbeigeschwankt und habe ihr die kochende Brühe dann direkt auf den Arm gekippt. Sie sei dadurch in einen schockartigen Zustand geraten!

Die Bahn wandte ein, der arme Teufel sei von einem anderen Fahrgast geschubst worden und könne gar nichts dafür! Doch das Gericht entschied, hier hätten sich die ganz und gar bahnreisetypischen Risiken realisiert: die Enge im Zug, das nervige Gewackel. Genau für solche Fälle hafte die Bahn. Blöd nur: Es gab lediglich 1000 Euro (Az. 6 C 381/06).

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Und wie schaut‘s im Flugzeug aus? Vor dem Landgericht Düsseldorf hatte eine Frau geklagt, weil bei einem Flug die Stewardess aus Schusseligkeit die Kaffeekanne umgestoßen hatte. Voll erwischt! Neben dem Schmerz hatte die Frau, wie sie schilderte, in Zukunft Angst vor heißen Wasser. (Diese Angst hatte sie scheinbar vorher nicht? Eine sehr ungesunde Einstellung!) Das Landgericht aber befand, das sei eigentlich gerade kein flugtypischer Vorfall. Schusselige Bedienungen könnte man auch am Boden jederzeit antreffen. Trotzdem bekam die Dame 920 Euro Schmerzensgeld (Az. 22 S 266/03). Am Ende verbleiben eine gute und eine schlechte Nachricht: Reich macht Kaffee nicht. Wach macht er trotzdem!

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