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Paprottas Paragrafen

Schlüssel nicht vergessen!

Die hohen Forderungen von Schlüsseldienstmitarbeitern beschäftigen die Gerichte. Rechtsanwalt Geedo Paprotta hat einen Rat.
Rechtsanwalt Geedo Paprotta

 Ein Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes baut ein defektes Türschloss aus. Foto: Holger Hollemann/dpa
Ein Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes baut ein defektes Türschloss aus. Foto: Holger Hollemann/dpa

Neumarkt.Beschissen soll man ja eigentlich nicht sagen, aber manchmal passt es einfach wahnsinnig gut! Zum Beispiel, wenn man spät nachts vor seiner eigenen Tür steht, diese verschlossen ist und der Schlüssel drin auf dem Küchentisch liegt. Im dümmsten Fall hat man vielleicht auch noch einen Schlafanzug an. „Beschissen“ ist in dieser Situation übrigens auch das passende Wort, wenn man als letzten Ausweg einen professionellen Schlüsseldienst holt, der einem zwar die Wohnung öffnet, dafür aber einen horrenden Preis verlangt. Und zwar sofort, in bar.

Das Internet ist voll von solchen Geschichten und häufig enden sie mit Urteilen gegen die Schlüsseldienstmitarbeiter. Da hatte sich zum Beispiel in Bonn ein Ehepaar aus dem eigenen Haus ausgesperrt. Der Schlüssel steckte innen in der Tür. Weil es eine alte Tür war, hätte man die Sache schnell und elegant mit einem Draht regeln können. Der Schlüsseldienstmitarbeiter aber wechselte aufwendig und völlig überteuert das komplette Türschloss aus und als sich das Paar weigerte, sofort zu bezahlen, drohte er damit, das alte Schloss wieder einzubauen und die Tür einfach offen zu lassen.

Als Inhaber einer Anwaltskanzlei ist Geedo Paprotta hautnah dran am Gerichtsalltag. In unserer Kolumne beschäftigt er sich jede Woche mit einem anderen juristischen Thema.
Als Inhaber einer Anwaltskanzlei ist Geedo Paprotta hautnah dran am Gerichtsalltag. In unserer Kolumne beschäftigt er sich jede Woche mit einem anderen juristischen Thema.

Der Laie würde sagen, der Typ hat die armen Leutchen „beschissen“. Das Landgericht Bonn hingegen nannte es „Wucher“ und „Betrug“ unter Ausnutzung einer Zwangslage. Statt Werklohn bekam der dreiste Schlüsselgangster eine Geldstrafe über 90 Tagessätze (Az. 37 M 2/06). Eine 36-Jährige aus Delmenhorst kannte solche Geschichten scheinbar und überlegte sich, wie sie den hohen Kosten der Schlüsseldienste entgehen könnte. Sie rief einfach den „roten Schlüsseldienst“ an, als sie sich aus ihrer Wohnung ausgesperrt hatte. Sie wissen schon, die Feuerwehr. Natürlich war der Dame klar, dass die nicht einfach so kommen. Deshalb entschied sie sich, den Notruf zu „bescheißen“ und erzählte, in der Wohnung befinde sich ihr elf Wochen altes Baby.

Humorvoller Ratgeber: Rechtsanwalt Geedo Paprotta erläutert juristische Fälle und nimmt Paragrafen des Strafgesetzbuchs unter die Lupe. Hier lesen Sie weitere Texte aus der Kolumne.

Mit schwerem Gerät eilten die Retter herbei – allerdings in Begleitung von Polizisten. Denen war die Dame bestens bekannt. Vor allem wussten sie, dass die Frau gar kein Baby hatte. Das Gericht verurteilte sie im Juli 2008 wegen des falschen Notrufs zu drei Monaten und zwei Wochen Gefängnis, wobei hier noch mitberücksichtigt wurde, dass sie vorher ihren Freund mit einer Schere verletzt hatte. Auch das Amtsgericht München hatte es mit einem Mann zutun, der sich aufs „Bescheißen“ verlegt hatte – und das sogar gegenüber einem Schlüsseldienst. Er hatte eine winzige Einzimmerwohnung für 4500 Euro an Touristen aus Kuweit untervermietet. Vermutlich hielt er sie für Scheichs? Deshalb entschied er sich auch spontan dazu, nachträglich noch einmal einen satten Aufschlag zu verlangen.

Als die Gäste nicht zahlten, holte er einen Schlüsseldienst, ließ „seine“ Wohnung öffnen und warf die Touris raus. Vor Gericht verlangte die eigentliche Eigentümerin der Wohnung, dass der Scharlatan diese sofort räumen müsse – und bekam Recht. Das Amtsgericht sah eine erhebliche Verletzung der mietvertraglichen Pflichten, zumal der Mann keine Erlaubnis zur Weitervermietung besaß. Das fand der vermutlich auch ziemlich be…

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